Nicht nur Männersache: Ein Besuch im August Horch Museum Zwickau

Zwickau führt als Titel selbstbewusst „Automobilstadt“ an. Dass die Stadt eine lange Tradition in der Fabrikation von Autos hat, ist vielen bekannt. Zu DDR-Zeiten wurde hier der Trabant produziert, welcher trotz allerlei Spottnamen wie z.B. „Rennpappe“ zu einem liebenswerten Symbol der untergegangenen DDR wurde. Weniger bekannt ist, dass die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts die Wiege einer großen Automobilmarke war: Audi. So lautet nämlich die lateinische Übersetzung von „Horch“ – einer weiteren Automarke der ersten Stunde, die gleichfalls in Zwickau gebaut wurde, ebenfalls von August Horch konstruiert. Letztere ereilte das gleiche Schicksal wie den Trabant – beide verschwanden als Automarken vom Markt, Horch schon Anfang der 50er, der Trabant Anfang der 90er Jahre.

Sowohl die Geschichte der Horch- und Audi-Fahrzeuge als auch die des Trabant wird im August Horch Museum sehr vielschichtig dargestellt – mit vielen tollen Auto-Exponaten.

Ist das älteste Modell der Ausstellung – ein Horch-Wagen aus dem Jahre 1904– auch ein Nachbau, so sind die meisten anderen Modelle doch bestens erhaltene Oldtimer der Marken Horch, Audi, DKW, Wanderer und Auto Union. Die ebenfalls ausgestellten Trabant-Typen sind wohl eher noch „Youngtimer“.

Zugegebenermaßen bin ich eigentlich kein Auto-Fan, sondern sehe eher dessen praktischen Nutzen – mich möglichst sicher und schnell von A nach B zu bringen. Deshalb gefiel mir umso mehr die anschauliche Gestaltung des Museums. Man fühlt sich tatsächlich in die damalige Zeit hineinversetzt: So wurde eine gepflasterte Straße mit kleinen Geschäften (in dem Kolonialwarenladen kann man sogar einkaufen!) Anfang der 30er Jahre nachgebaut, in der weitere schöne Auto- und auch Motorradmodelle geparkt sind und auch eine Tankstelle aus dieser Zeit, gleichfalls mit Modellen flankiert, ist zu sehen. Und natürlich die Modelle selbst – einfach wunderschön, diese Autos. Hach, hatten die noch Stil!

Auch die kurzen Filme, die man sich während des Rundgangs anschauen kann, vermitteln einen lebendigen Eindruck aus der Anfangszeit des Automobils. Auf den Informationstafeln der Ausstellung werden nicht nur technische Details für alle Auto- und Technik-Freaks präsentiert, sondern auch Fakten um die Entwicklung des Automobils herum: Wieviel kostete damals ein Liter Benzin, wo wurde das Benzin gekauft (Spoiler: in Apotheken und Drogerien) und wie viele Fahrzeuge gab es eigentlich zu jener Zeit? In diesem Artikel gibt es noch mehr Informationen zur Anfangszeit der PKWs, auch zu „Horch“-Automobilen.

Da mich diese Zeit, also zwischen 1900 – 1913, für das Projekt „Bürgerleben“ besonders interessiert, liegt hier auch der Schwerpunkt meines Museumsberichts.In der Ausstellung wird auch auf die Rolle der Zwickauer Automobilwerke während der Kriegszeiten eingegangen. Dies ist durch eine Installation mit einem ausgebrannten Auto in Trümmern und einer Wand mit Videos anschaulich dargestellt.

Bei meinem Besuch im Oktober war der neuere Teil, in dem die Produktion seit den 50er Jahren Schwerpunkt ist, noch nicht eröffnet. Seit November 2017 ist er offen für die Besucher. Dort werden insbesondere die vom 1958 aus Audi und Horch zu einem Werk fusionierten, volkseigenen Betrieb (VEB) „Sachsenring Zwickau“ produzierten Trabant-Modelle gezeigt.

Insgesamt kann ich einen Besuch des August Horch Museums (Link) empfehlen – für alle Auto-Narren, Oldtimer-Fans und auch für Familien mit etwas älteren Kindern. Und natürlich alle Geschichtsinteressierten J!