Die Geschichte erschien in der Sonntagszeitung im Jahrgang 1900/01. Sie spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts – der Gulden ist noch gültiges Zahlungsmittel in Österreich.

Die Hauptfigur ist –mal wieder- eine reiche Witwe. Reiche Witwen waren recht beliebt als weibliche Protagonisten. Warum?

Weil sie Freiheiten hatten, welche die „normale“ bürgerliche Frau nicht hatte. Aufgrund ihres Reichtums waren sie unabhängig, insbesondere von Männern und deshalb durften sie sich auch viel mehr herausnehmen als normale Bürgersfrauen. Sie durften ungeniert flirten, Liebhaber haben etc. All das durften unverheiratete junge Frauen damals nicht (sie durften wenn, dann nur geniert flirten) und verheiratete natürlich erst recht nicht.

Irmgard von Ramberg, so heißt die junge Frau unserer Winternovelle, hat ihren Reichtum nicht ererbt, sondern erheiratet, wie wir am Anfang der Geschichte erfahren. Das heißt, sie wurde verheiratet – mit einem viel älteren Mann, den sie nie liebte, sondern im Gegenteil, verabscheute – für sie eine schlimme Erfahrung, heute würde es wahrscheinlich heißen „traumatisch“.

Nach seinem Tod lebt sie jedoch ein sorgloses Leben und kann tun und lassen, was sie will! Zum Beneiden? Nicht wirklich, denn das vorherrschende Gefühl in ihrem Leben ist Langeweile. So entschließt sie sich, über Weihnachten für ein paar Wochen in die winterliche Bergeinsamkeit eines kleinen Dörfchens zu fahren, das ihr schon im Sommer sehr gut gefallen hatte. Auf dem (Fuß-)Weg dorthin trifft sie dann einen Ingenieur – und wie es der Zufall so will, wohnt er im gleichen Gasthof. Mehr wollen wir jetzt nicht verraten…

Die Geschichte ist zwar in gewisser Weise konventionell, was z. B. die Beschreibung der unterschiedlichen „Stände“ und ihr Verhältnis zueinander angeht. Auf der anderen Seite wird mit einer gewissen Ironie erzählt, insbesondere was Irmgards gesellschaftliches Leben in der Stadt und deren Wichtigkeit angeht. Es wird eine Frau porträtiert, die zwar in ihrer (höheren) Gesellschaft verankert ist, aber sich eigentlich nicht viel daraus macht.

Mir gefielen gleichzeitig die Schilderungen des harten Winters in der unberührten Natur und auch des einfachen dörflichen Lebens. Und wer hat’s geschrieben?

Sophie Mättig-Willkomm

Über diese Autorin gibt es nur wenige Informationen. Diese hier konnte ich ausfindig machen: Sie wurde 1865 in Tharandt im Erzgebirge geboren, besuchte in Prag das Lyzeum (höhere Mädchenschule und verbrachte danach ein Jahr in Schweden.

Ihr Vater war höchstwahrscheinlich Moritz Willkomm, einer der führenden Botaniker in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er war Professor an der Königlichen Forstakademie in Tharandt und später dann bis zu seinem Ruhestand 1892- Direktor des Botanischen Gartens  in Prag – das paßt zu Sophies Lebenslauf. Sie hatte demnach sieben Geschwister – drei Brüder und vier Schwestern. Über ihre Mutter ist nichts weiter bekannt, ausser dass sie eine geborene Klara Contius war.

Nach ihrer Rückkehr aus Schweden begann Sophie Reisebilder zu schreiben und für verschiedene deutsche und österreichische Zeitungen, darunter auch Tagesblätter und Jugendschriften, zu arbeiten. Manchmal arbeitete sie mit dem Pseudonym C. Sallen (ihr zweiter Vorname war Clara), nach ihrer Heirat 1890 auch unter ihrem Frauennamen S. Mättig. Wann sie gestorben ist, konnte ich nicht herausfinden, aber bei der Christlichen Verlagsanstalt in Konstanz wurden später in den 30er Jahren (und noch nach dem Krieg) Kindergeschichten von ihr publiziert.

Wer noch weitere Informationen zur Autorin hat – bitte melden!

Wem diese Geschichte gefallen hat – hier weitere Fortsetzungsromane, die schon erschienen sind und die Ihr Euch als pdf herunterladen könnt bzw. die einzelnen Fortsetzungen lesen könnt: „Laß mich allein“ erzählt die Geschichte von der Arztgattin Marianne, die eine Erbschaft macht und einen Mann kennenlernt, der ihre schriftstellerischen Ambitionen unterstützt – ihr Mann steht diesen ablehnend gegenüber. Sie fährt zur Kur und nach Berlin – die beiden Männer kämpfen um sie, einer aber nicht nur aus Liebe. In den Bergen kommt es zum dramatischen Showdown…

„Der falsche Trauring“ ist eine heitere Sommergeschichte von Else von Steinkeller. Zwei junge Frauen, Lena und Margot, verbringen ihren Urlaub in den Schweizer Bergen und lernen dabei zwei junge Männer kennen. Man unternimmt zusammen allerlei und kommt sich näher. Dumm nur, dass Lena am Anfang erzählt hatte, sie sei schon verheiratet. Was als Spaß anfängt, führt zu allerlei Verwicklungen…