Elisabeth Petznek (Michaela Lindinger)

 In Biographie Buchvorstellung

Rote Erzherzogin, Spiritistin, Skandalprinzessin

Inhalt:

Wer war Elisabeth Petznek? Um das zu wissen, muss man schon etwas eingeweiht sein. Denn ihr bürgerlicher Name verrät nicht ihre Herkunft: Elisabeth, genannt Erszi, war die einzige Tochter des unglückseligen Kronprinz Rudolf und somit eine Enkelin von Kaiserin Sisi und Kaiser Franz Joseph – von letzterem sollte es die Lieblingsenkelin sein. Die Biografie von Michaela Lindinger erzählt ihr Leben – die drei Stichpunkte auf dem Cover treffen ihre verschiedenen Lebensphasen gut.

Eine „Skandalprinzessin“ war sie in ihrer Jugend ganz unzweifelhaft. Bildhübsch und reich konnte sie jeden Mann haben. Aber sie hatte sich den einen in den Kopf gesetzt: Otto zu Windisch-Grätz, ein adeliger Oberleutnant und begnadeter Sportler. Lindinger erzählt von ihrer Faszination für Otto und wie Erzsi die Hochzeit gegen alle Widerstände durchdrückte. Die erzwungene Hochzeit stand unter keinem guten Stern, wie sich bald darauf zeigen sollte.

Trotz Kindersegen war die Ehe nie glücklich, denn Otto war in keiner Beziehung ebenbürtig. Die dramatischen Szenen einer Ehe und ihr Scheitern werden in der Biografie gut dargestellt.

Wie auch ihre anschließende Phase als Spiritistin während der 20er Jahre. Sie setzte sich mit übernatürlichen Phänomenen ernsthaft auseinander, übrigens auch eine Modeerscheinung dieser Zeit. Wobei schon ihre Großmutter Sisi vom Übersinnlichen fasziniert gewesen war. Man erfährt daneben einiges zu führenden Persönlichkeiten und Zielen der Parapsychologie, wie überhaupt immer etwas zur jeweiligen Zeitgeschichte in Erszis verschiedenen Lebensabschnitten erzählt wird. So auch zur Entwicklung der Sozialdemokratie in Österreich. Und da sind wir schon in ihrer Lebensphase als „Rote Erzherzogin“. Erszis späterer Mann Leopold Petznek, mit dem sie seit den 20er Jahren liiert war, hatte sich aus einfachsten Verhältnissen zu einem der führenden Sozialdemokraten empor gekämpft und so geriet sie in diese Kreise, förderte sie, engagierte sich sozial und wurde Parteigenossin.

Die Biografie wird nicht immer chronologisch erzählt, sondern teilweise thematisch, was aber in Ordnung geht. Sie liest sich flüssig und ist spannend geschrieben. Neben der Beschreibung ihrer Lebensabschnitte und Vorlieben, gelingt es Michaela Lindinger, ein präzises Charakterbild der Kaiserenkelin zu zeichnen. Dieses ist sehr ambivalent.

In jedem Fall war diese Frau eine faszinierende Persönlichkeit, die in bewegten Zeiten viel erlebte und etliche Krisen zu bewältigen hatte. Von denen hatte sie zwar einige, aber nicht alle selbst verschuldet.

Bilder und Dokumente und eine ansprechende typographische Gestaltung (als Buch einer Reihe) runden das Bild dieser gelungenen Biografie ab.

Über die Autorin:

Michaela Lindinger studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Ägyptologie, Ur-und Frühgeschichte. Die Autorin und Kuratorin arbeitet für das „Wien Museum“. Neben der Wiener Stadtgeschichte und Frauengeschichte begeistert sie sich für die Themen Tod und Mode, die immer wieder in ihre Bücher einfließen.

Das Buch ist im Molden-Verlag erschienen.

lindinger_michaela_c_sabine_hauswirth0-sm
c Sabine Hauswirth

In diesem Überblick findet Ihr alle bisher vorgestellten Biographien berühmter, bekannter, berüchtigter und beliebter Frauen und Männer.

Empfohlene Artikel