Oh Tannebaum – eine kleine Geschichte des Weihnachtsbaums und wie er zu Kaisers Zeiten geschmückt wurde

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Der Weihnachtsbaum – ein Symbol für Weihnachtsstimmung, das Zusammensein in der Familie an Heiligabend, meist mit eigenen Kindheitserinnerungen verbunden. Bei vielen Familien läutet das gemeinsame Schmücken des Baumes Weihnachten ein. Oft werden die Geschenke dann (wenn sie nicht vom Christkind oder vom Weihnachtsmann gebracht werden) unter den geschmückten Weihnachtsbaum gelegt.

Aber wie lange gibt es diese Tradition eigentlich schon und woher kommt sie?

Wie viele weitere Traditionen geht sie bis auf heidnische Bräuche zurück. In den nördlichen Gegenden Europas wurden im Winter Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen zu erschweren. Gleichzeitig war die Farbe Grün ein Symbol der Hoffnung auf den Frühling.

Die erste belegte Erwähnung eines Weihnachtsbaumes findet sich 1492 in Straßburg (damals deutsch). Das Liebfrauenwerk kaufte neun Tannen -sie kosteten zwei Gulden das Stück- für die kirchlichen Gemeinden. Eine weitere Erwähnung ist, gleichfalls in Straßburg, aus dem Jahre 1605 bekannt. In den erhaltenen Aufzeichnungen eines Privatmannes heißt es:

„Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold [dünne, geformte Flitterplättchen aus Metall] und Zucker. Man pflegt darum eine viereckent ramen zu machen – “

So wird es auch in einer kulturgeschichtlichen Weihnachtsplauderei aus der „Sonntagszeitung fürs Deutsche Haus“ von Dezember 1905 erzählt. Kommt der Weihnachtsbaum-Brauch nun aus Straßburg?

Nein, auch andere Quellen berichten von Weihnachtsbäumen, so eine Bremer Zunftchronik aus dem 16. Jahrhundert oder auch in einer Lohnabrechnung von 1576 im süddeutschen Gengenbach, in der davon die Rede ist, dass der Förster: „einen „Wiehnachtsbaum uf die Ratsstuben“ gebracht habe.

Eine weitere Erklärung zur Entstehung des Weihnachtsbaum ist, dass er bei Krippenspielen verwendet wurde. Im Mittelalter wurde nicht nur -wie zur heutigen Zeit- die Geburt Jesus nachgespielt, sondern auch biblische Szenen wie die Vertreibung aus dem Paradies. Als Paradiesbaum wurde ein immergrüner Baum gewählt und mit Äpfeln (welche die verbotene rote Frucht symbolisierten) behangen. Das hatte pragmatische Gründe: Laubbäume hätten im Dezember nicht so schön ausgesehen und die einzige rote Frucht, die es zu dieser Zeit gab, waren nun mal Äpfel.
Den ersten Beleg dafür gibt es von 1605 in einem Schriftstück aus? Straßburg! Also, von der Anzahl der ersten Erwähnungen her hätte Straßburg den Titel „Wiege des Weihnachtsbaums“ verdient.

An der „Krippen-“ oder „Paradiesspiel-Erklärung“ finde ich zum einen widersprüchlich, dass als Ursprung eine frühere Quelle überliefert sein müsste und zum anderen, dass insbesondere katholische Kirche dem Weihnachtsbaum später eher ablehnend gegenüberstand. Warum sollte sie das, wenn Ursprung doch innerhalb der Kirche zu finden war?

Im 18. Jahrhundert sind die ersten Beschreibungen von Bäumen mit Lichtern überliefert. Unsere Weihnachtsplauderei von 1905 nennt hier (wie auch noch in heutigen Artikeln zitiert) den Schriftsteller Jung-Stilling, der in seinem bedeutendsten Roman „Heimweh“, erschienen 1793, welcher von seiner eigenen Jugend erzählt, schreibt:

„…Mir war’s bei diesen Worten zumute, als wie einem Kinde bei den apokryphischen (in diesem Sinne: geheimnisvollen, verborgenen) Sprüchen seiner Mutter am Tage vor dem Christfeste; es ahnt etwas Herrliches, versteht aber nichts, bis es früh aufwacht und zum hellerleuchteten Lebensbaum mit vergoldeten Nüssen und zu den Schäfchen, Christkindchen, Puppen, Schüsseln mit Obst und Konfekt geführt wird.“

Auch in Goethes Werther, 1774 erschienen, kommt ein Weihnachtsbaum mit Lichtern vor.

Die steigende Popularität des Weihnachtsbaum konnte man, wie die 1905er Weihnachtsplauderei weiter berichtet, „anhand verschiedener forstwirtschaftlicher Verordnungen, die der Waldplünderung Einhalt tun wollten“ verfolgen.

Die „Wanderung“ des Tannenbaums nahm ihren Anfang Mitte des 18. Jahrhunderts „durch die Thüringer Lande“,

„um erst bedeutend später, etwa im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, nach Holstein, Mecklenburg und Preußen zu gelangen.“

Tannenbäume konnten sich nur Begüterte leisten, ja, wenn ich an die Preise echter Tannenbäume denke, ist auch heute noch so 🙂. Ich persönlich denke, dass auch damals schon Fichten und Kiefern als Bäume verwendet wurden (siehe Waldplünderung…). Tatsächlich überstieg die Nachfrage das Angebot und so wurden im 19. Jahrhundert vermehrt Fichten- und Tannenwälder angelegt, damit alle Familien ihren Weihnachtsbaum kaufen konnten und die „Waldplünderung“ abnahm!

Zur Verbreitung des Weihnachtsbaum-Brauchs trugen sicher die Offiziers- und Beamtenfamilien bei, die ihn „den mitteldeutschen Brauch auch im übrigen Deutschland einbürgern halfen…“. Dazu erzählt die „Weihnachtsplauderei“ weiter:

„…so um das Jahr 1815 in Danzig (gehörte damals zu Deutschland), während z.B. in Bayern wieder noch aus dem Jahre 1855 berichtet wird, daß bis dahin, zumal in Altbayern, weder in Stadt und Land der Christbaum und die Bescherung bekannt seien“.

Offiziers- und Beamtenfamilien zogen häufiger um, deshalb finde ich diese Verbreitungsthese plausibel. Was Bayern angeht, kommt mir Mitte des 19. Jahrhunderts recht spät vor, aber das Gegenteil kann ich auch nicht beweisen….

Im Ausland verbreitete sich der ursprünglich deutsche Brauch gleichfalls. So gilt der Harvard Professor Karl Follen (später amerikanisierte er seinen deutschen Vornamen in „Charles“) als erster Deutscher, der dort 1832 in seinem Haus einen Weihnachtsbaum aufstellte. Nach Paris brachte den ersten Weihnachtsbaum die (verheiratete) Herzogin von Orleans, um Verwechslungen zu vermeiden: ihr deutscher Name war Helene zu Mecklenburg-Schwerin und sie heiratete 1837 den ältesten Sohn des französischen Königs Ferdinand Philippe d’Orléans. Die „Weihnachtsplauderei“ erzählt dazu:

„(sie)… zündete im Jahre 1840 in Paris den ersten Christbaum an, wo er sich durch die deutsche Kolonie mit den Jahren mehr und mehr einbürgerte.“

Und in England?

„Im gleichen Jahr wurde durch den Prinzen Albert von Sachsen-Koburg-Gotha, den Prinzgemahl der Königin Victoria, in London der Christbaum eingeführt und machte nun aus dem Königschloß heraus auch dort langsam den Weg in die Paläste der Aristokratie“.

Und etwas pathetisch heißt es zur weiteren Verbreitung des Baumes im Text:

„Nach Spanien und nach Rußland, nach Schweden und Norwegen, hinüber über das Weltmeer nach Amerika, überallhin ist die Weihnachtstanne dem Deutschen als treuer und unzertrennlicher Begleiter aus der Heimat gefolgt, der die Erinnerung an all das wach erhält, was er einst in frohen Jugendtagen mit seinem Lichterglanz überstrahlte und in die schirmende Hut seiner immergrünen Zweige nahm, als ein echter, rechter „Baum des Lebens“.

Hach! In jedem Fall war dieser Baum des Lebens zur Belle Époque Zeiten im Bürgertum schon ein unverzichtbares Utensil, was zum Weihnachtsfest unbedingt dazu gehörte – eigentlich bis heute!

Wer bisher in der Geschichte die Erwähnung der Kirche vermisst hat – diese (insbesondere die katholische) sperrte sich zunächst gegen den Weihnachtsbaum-Brauch, denn er stellte eine Konkurrenz zur Krippe dar. Sie galt als DAS weihnachtliche Symbol in der Kirche – der Weihnachtsbaum kam erst später dazu. In katholischen Kirchen wurden Weihnachtsbäume erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Kirchen erlaubt und der beliebte Papst Johann Paul II. führte den Brauch im Vatikan ein – 1982!

Aber zurück zur Belle Époque Zeit: In Wochenzeitschriften wurden „alle Jahre wieder“ Bilder vom Weihnachtsbaumverkauf in den Städten (vorzugsweise Berlin) abgedruckt und natürlich war auch damals schon der Schmuck des Baumes ein großes Thema!

Regelmäßig vor Weihnachten gab es in den Handarbeits-Teilen der Zeitschriften Anleitungen für Baumschmuck, der mal mehr und mal weniger unserem heutigen Geschmack entspricht. In jedem Fall war auch schon Anfang des letzten Jahrhunderts Basteln in!

Schaut man sich die damaligen Dekorationsvorschläge an, fällt eines auf: es wurde mehr mit „Naturalien“ geschmückt – ob Süssigkeiten, Nüsse oder Äpfel. Diese wurden in Baumschmuck verpackt – das spiegeln zumindest die Vorschläge für Baumschmuck zum Selberbasteln wieder. Die Materialien waren wiederum unseren ganz ähnlich, z.B. Glanz- und Staniolpapier. Streichholzschachtelbehältnisse wurden als Körbchen für Konfekt ausgekleidet (SZ 06/07, H12, S. 291 Anleitung), auch Nußhälften wurden verziert und als kleine Behältnisse verwendet. Die eßbaren Schätze durften dann „geplündert“ werden.

Ein besonderes Thema am Baum war bei nationalpatriotischen Familien Schmuck, welcher mit dem Militär zu tun hatte. So würden wir heute nicht unbedingt ein Seezeichen an den Baum hängen. Das Militär im allgemeinen und die Marine im Besonderen war allerdings im Kaiserreich sehr beliebt, Jungen trugen Matrosenanzüge, Mädchen Matrosenkleider und diese Gesinnung spiegelte sich auch im Baumschmuck wieder.

Beim Betrachten von Bildern und Illustrationen mit Weihnachtsbäumen dominieren jedoch klassische Christbaumkugeln, Kerzen, Ketten – so ähnlich wird auch heute noch dekoriert.
Damals wie heute ist in manchen Familien noch alter Christbaumschmuck erhalten, der von Generation zu Generation weiter vererbt wird.

Für alle, die (nach dem Christbaum schmücken) noch etwas Lust und Zeit haben, die zeitgenössische „Plauderei“ „Mein Weihnachtsbaum“ von Ilse-Dore Tanner, die Erzählungen für Kinder und Jugendliche schrieb (soviel habe ich über sie herausfinden können und dass sie 1875 geboren wurde), zu lesen, hier der Link dazu. In der Ausgabe der „Sonntagszeitung für die deutsche Frau“ im Dezember 1911 erschienen, erzählt sie, wie sie ihren Baum schmückt. Es gibt einige Parallelen zur heutigen Zeit, z.B. wie man all die schönen Kinderbasteleien am Baum unterbringt (die Autorin bräuchte eigentlich mehrere Bäume dafür, ist aber findig…)

Und damit endet mein Ausflug in die Geschichte des Weihnachtsbaums – Euch wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und vor allem: viel Spass beim Schmücken des Baumes!

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