Kurhaus Bergün

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Hier stelle ich das Kurhaus Bergün als Tipp vor…

Das Hotel selbst ist wirklich ein Kleinod, ein größerer Teil seiner Ausstattung ist noch original. Der Grund dafür: Die Renovierung wurde fast 50 Jahre verschlafen – so erzählt es mir Christoph Steiner, der Hoteldirektor.
Wer es ganz authentisch möchte, für den gibt es Zimmer mit Waschbecken – Bad und Toilette befinden sich auf der Etage, so war es früher üblich. Für alle, die doch nicht auf ein Bad verzichten wollen, gibt es Zimmer mit Naßzelle – das Bad ist sehr winzig, aber funktional und nachträglich eingebaut.

Dafür ist der Schrank und die Nachtische im Zimmer „jugend“-stilecht! Von letzteren erzählt mir Christoph Steiner eine nette Geschichte. Denn als die Komplettrenovierung des Hotels anstand, bekam er erzählt, dass bei dem Brand 1949 leichte Möbelstücke aus dem Fenster geworfen wurden – auf Matratzen, die man schnell ausgelegt hatte. Einige Dorfbewohner retteten diese Stücke in ihr Zuhause, darunter auch Nachtschränkchen. Ob sie noch vorhanden waren? Christoph Steiner annoncierte – und bekam tatsächlich einige Exemplare von den Dorfbewohnern „zurück“.

Aber da sind wir schon bei der wechselvollen Geschichte des Hauses – angefangen hatte alles 1903. In diesem Jahr wurde nämlich die neue Albula-Bahnlinie in Betrieb genommen. Die Gäste konnten also kommen, es fehlte nur noch ein stilvolles Hotel! Dies wurde vom renommierten Zürcher Architekten Huwyler-Boller entworfen und gebaut. 1906 konnte das neue Grandhotel seinen Betrieb aufnehmen!

Warum sollten Gäste nach Bergün kommen? Bergün war bereits für den vorhandenen Tourismus eine Wechselstation für Postkutschen gewesen, bevor man ins noch höher gelegene Engadin weiterfuhr. Bis zu 200 Pferde standen in der Wechselstation bereit. Die dazugehörigen Touristen sollten sich aber erstmal akklimatisieren – die damalige Höhenkrankheit war hoch gefürchtet! Und weil damals alles etwas länger dauerte, so wurden dafür ein bis zwei Wochen veranschlagt, bevor man dann akklimatisiert weiterreisen konnte. Leider ging diese Rechnung nicht ganz auf – obwohl das Hotel für seine Zeit den modernsten Standard hatte und luxuriös ausgestattet war, kamen einfach nicht genug Touristen, dass es sich wirklich rentierte.

Und so kämpfte das Hotel in den folgenden Jahrzehnten um seine Existenz – zwei Weltkriege erschwerten das Geschäft zusätzlich. Nach dem Dachstuhlbrand 1949 stand das Hotel zunächst leer – bis es die Gemeinde übernahm und der Schweizerische Verein für Familienherbergen im Kurhaus einfache Wohnungen für Familien vermietete. Das klappte eine ganze Weile gut, nur zum Renovieren fehlte das Geld. Als das Haus zusehends verfiel, musste es Anfang der 2000er Jahre geschlossen werden.

Sollte das Kleinod tatsächlich abgerissen werden? Das fanden etliche der Familien, die hier jahrelang ihren Urlaub verbracht hatten, einfach zu schade. Sie taten sich zusammen und gründeten die Kurhaus AG zur Rettung des Hotels. Die gelang! Das Haus wurde in jahrelanger Arbeit behutsam renoviert – so gut, dass es 2012 als „Historisches Hotel des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Und so trifft hier der Satz „das Hotel erstrahlt wieder im alten Glanz“ tatsächlich „den Nagel auf den Kopf“! Apropos erstrahlen – alle Lampen in den öffentlichen Räumen wurden extra für das Hotel angefertigt und sind, wie so viele andere Elemente, original erhalten geblieben!

Wer Belle Époque oder Jugendstil liebt, wird sich dem Charme des Hotels, zumal wunderschön im idyllischen Dorf Bergün und mitten in der Graubündener Bergwelt gelegen, schwer entziehen können! Und dafür auch den einfachen Standard gerne in Kauf nehmen, der durch den lässigen Charme, die gute Küche und die liebenswürdige und persönliche Ansprache des ganzen Teams mehr als wett gemacht wird.

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