Eine unentbehrliche Innovation: Von den Anfängen der Waschmaschine als Haushaltsgerät

 In Allgemein, Alltagsleben

„Unsre Waschmaschine ist fleißig wie ’ne Biene“ war das erste Lied, was mein kleiner Sohn auf seiner Gitarre zupfte. Und „fleißig“ war unsere Waschmaschine zu jener Zeit wirklich – bei zwei kleinen Jungs, die gerne draußen spielten, lief sie jeden Tag, meist mit mehreren Wäschen.

Eine Waschmaschine erfordert heute keine besonderen Kenntnisse oder Fähigkeiten. Geschweige denn körperliche Kraft. Ein selbstverständliches Haushaltsgerät, was viel Arbeit und damit Zeit erspart. Aber wie lange schon?

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Waschmaschinen vorwiegend für Industriekunden angeboten, zumindest in Deutschland. Immerhin gab es sie schon eine Weile: Die ersten Patente für handbetriebene Waschmaschinen wurden schon im 18. Jahrhundert angemeldet, England und die USA waren hier Vorreiter.

Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden Waschmaschinen  aber auch verstärkt für private Haushalte in Zeitschriften und Zeitungen beworben und im Handel angeboten.

Wie damals gewaschen wurde, dabei hilft ein Blick in das Buch „Das ABC der Haushaltung nebst Anstandslehre für Töchter“ von 1898 von der Verfasserin Selma Poetz.

Der „Waschunterricht“ (Punkt XXIV) beginnt mit der Frage:

„Welches Wasser eignet sich am besten zum Waschen?“

Die Antwort: „Weiches Wasser, vorzugsweise Regen- und Flußwasser“

Auf die Frage „Welche Nachteile hat das Brunnenwasser? antwortet die Verfasserin: „Brunnenwasser ist hart, und die Seife löst sich schwer darin auf. Auch macht es die Wäsche gelb.“

Ob Regen- oder Flußwasser, selbst Brunnenwasser klingt für uns heute sehr romantisch (auch wenn es angeblich die Wäsche gelb machte!). Aber so romantisch die Beschreibung der Wasserarten klang, am Ende war Waschen zu dieser Zeit einfach harte körperliche Arbeit. Schon die ersten Waschmaschinen bedeuteten deshalb sicher eine erhebliche Arbeitserleichterung.

Im „ABC der Haushaltung“ wird der Waschvorgang unterschieden in:

  1. Das gewöhnliche Verfahren ohne Hilfe von Wasch- und Wringmaschinen
  2. b) Das Verfahren mit Hilfe von Wasch- und Wringmaschine.

Ob mit oder ohne Waschmaschine, vor dem Waschen wurde die Wäsche erst einmal für ca. einen Tag in lauwarmen Wasser eingeweicht.

Für „solche Familien, welche keine Wasch- und Wringmaschine besitzen“ ging es dann wie folgt weiter:

„Die Wäsche wird aus dem Einweichkübel genommen, –

tüchtig mit der Hand ausgewunden,-

zweimal sorgfältig gewaschen,-

dann etwas 15 Minuten lang gekocht,-

und wieder aus dem Kessel genommen, noch einmal gewaschen und tüchtig ausgewunden,-

hierauf durch klares Wasser gezogen, bis das Wasser vollkommen klar bleibt.-

Ist dies geschehen und die Wäsche gut ausgewunden, so ist sie zum Bläuen fertig.

Es darf vermutet werden, dass in dieser Zeit die Mehrzahl der Haushalte noch keine Waschmaschine besaßen – nur die wohlhabenderen Bürger in der Stadt, in deren Wohnungen es auch öfters eine Waschküche gab.

Auf dem Land waren sie zu dieser Zeit absolut noch nicht üblich.

Für die Beschreibung, wie das damals mit der Waschmaschine funktionierte, lassen wir wiederum die Autorin des Buches, Selma Poetz, zu Wort kommen:

„Die Wäsche wird aus dem Einweichkübel genommen, ausgewrungen und in die Waschmaschine gelegt. Dann wird kochendes Wasser, dem ein Zusatz von Seife und Soda beigegeben ist, der Wäsche zugegossen und diese dann etwas fünf Minuten in der Waschmaschine durch Schwenken des Hebels tüchtig verarbeitet.“ Auf die Frage nach den Vorteilen des Waschens mit Waschmaschine, ist die Antwort: „Es wird der gröbste Schmutz entfernt, ohne daß man den üblen Dunst einzuatmen braucht. Ferner: In der Waschmaschine kann die Wäsche heißer gewaschen werden, als dies mit der Hand möglich ist. Endlich: Durch die Zuhilfenahme der Waschmaschine wird Zeit, Kraft und Seife gespart. Auch schadet das gleichmäßige Verarbeiten mittelst der Waschmaschine der Wäsche weniger, als das öftere Reiben derselben mit der Hand.“ Übrigens konnte ich Frau Poetz natürlich nicht mehr persönlich interviewen, aber das Kapitel ist sehr übersichtlich in Fragen und Antworten aufgebaut.

Es geht noch viel weiter: nachdem die Wäsche per Hand oder Wringmaschine ausgewrungen wird, wird sie einzeln eingeseift und nochmals im Waschkessel gekocht – danach wird sie samt Lauge nochmals in der Waschmaschine bearbeitet, dann ausgewrungen und ins Spülbassin gelegt. „Ein nochmaliges Waschen mit der Hand ist, wenn die Maschine gut arbeitet, ist jetzt nicht mehr notwendig“.

Wir sind aber (immer) noch nicht fertig: nach dem Spülen („das Wasser wird so oft erneuert, bis es vollkommen klar bleibt“) wird die Wäsche noch „gebläut“, (jedenfalls bei Selma Poetz und die sollte es als Expertin schließlich ganz genau wissen), d.h. die Wäschestücke werden durch einen Bottich, der mit Waschblau versetzt ist, gezogen. So bleibt die Weiße der Wäsche erhalten, d. h. sie wird optisch aufgehellt.

Und danach? Wird es wieder romantisch:

„Stehen angrenzende Wiesen oder Rasenplätze zur Verfügung, so versäume man nicht, die Wäsche unmittelbar nach dem Waschen auf dem Rasen auszubreiten und durch Begießen oder Besprengen mit klarem Wasser zu bleichen. Nach dem Bleichen muß die Wäsche stets noch einmal in klarem Wasser gespült werden.“ Und irgendwann wird sie dann doch fertig und aufgehängt (wobei es laut Verfasserin Poetz auch da X-Dinge zu beachten gibt, aber die sind heute nicht unser Thema).

Und wie sah das damalige Waschmittel dazu aus? Zum einen gab es spezielle Waschseife, die obige Werbung von Sunlicht ist ein Beispiel eines Marktführers aus dieser Zeit. (jedenfalls nach der Häufigkeit der platzierten Werbungen). Wie im Haushaltsbuch beschrieben, wurde dazu noch Soda ins Wasser gegeben, was durch seine stark basischen Eigenschaften Speisereste zersetzt und die Enstehung von Kalkseife verhindert. Kalkseife? Wird ein Effekt genannt, der eintritt, wenn das Wasser sehr kalkhaltig ist und mit der Seife eine Verbindung eingeht, die die Wäsche hart und grau macht.

Übrigens sind Soda und deren mildere Variante Natron als Universal-Reinigungsmittel wieder stark im Kommen. Nicht zuletzt deshalb, weil es durch die kontrollierte Dosierung besser für die Umwelt ist und, angenehmer Nebeneffekt, auch viel günstiger. Zusammen mit Kernseife kann man damit auch selbst Waschmittel herstellen – da weiß man, was „drin“ ist.

Wie man dabei vorgeht, kann man z.B. hier lesen. Aber das nur nebenbei.

Zurück zu damals: Zum anderen wurden schon Waschmittel angeboten, z.B. das laut Eigenwerbung „berühmte“ Minlos’sche Waschpulver – von „ersten Autoritäten“ empfohlen. Klementine (Kinder der 70er und 80er Jahre werden sie aus der Werbung kennen) hatte schon Vorreiter – wenn auch nicht namentlich benannt!

Obwohl zu dieser Zeit –Anfang des 20. Jahrhunderts- die meisten bürgerlichen Frauen nicht berufstätig waren und die Wäsche vom Personal gewaschen wurde, änderten sich die Dinge in den Folgejahren. Es wurden Mädchengymnasien gegründet, Frauen an Universitäten zum Studium zugelassen und auch das Erlernen von Berufen nach dem Schulabschluss wurde für Frauen selbstverständlicher. In den Großstädten herrschte schon damals aufgrund des großen Zulaufs Wohnungsmangel. Wohnungsmieten waren hoch und oft war der Platz für Dienstbotenkammer nicht mehr vorhanden. So mussten sich die Hausangestellten selbst Wohnraum organisieren – das kostete. Oft war es finanziell attraktiver, gerade für Mädchen vom Land, die in die Stadt kamen, sich in den Fabriken eine Arbeit zu suchen. Dienstboten wurden also rarer und die bürgerliche Hausfrau musste öfter selbst waschen.

Ein Grund mehr, eine Waschmaschine anzuschaffen, die Zeit und Kraft sparte. Einfache Modelle bekam man schon ab 20 Mark, größere und bessere Modelle dann ab 50 Mark.

Nur ganz kurz – der Wert von 20 Mark damals war ungleich höher: Zum Vergleich: ein Liter Milch kostete 1903 ca. 15 Pfennig, zwölf Eier (ein Dutzend) 60 Pfennig, und ein Doppelpack unserer Waschseife 25 Pfennig. Ein durchschnittlicher Monatsverdienst für weibliche Arbeiter war 65 Mark, für männliche 110 Mark.

Dabei gab es verschiedene Modelle und Methoden, die meisten wurden mechanisch, also per Hand oder auch mit Dampf betrieben. Oben ein paar Beispiele aus damaligen Werbungen.

Ab 1910 gab es die ersten mit Elektromotor betriebenen Waschmaschinen, z.B. von Miele. Allerdings war deren Einsatz zunächst verschwindend gering, war doch bis nach dem 1. Weltkrieg nur eine kleine Anzahl an Haushalten überhaupt an das Elektrizitätsnetz angeschlossen – ca. 5% waren es bis 1914 im fortschrittlichen Berlin. Die Beleuchtung der städtischen Haushalte erfolgte überwiegend mit Gas oder Petroleum.

Bei diesem Rückblick in die Anfangsjahre der Waschmaschine möchte ich es belassen. Die Maschinen entwickelten sich weiter, änderten ihr Aussehen, bekamen eine Schleuderfunktion, verschiedene Wäscheprogramme etc. bis zur heutigen vollautomatischen Waschmaschine

In jedem Fall war Wäsche waschen ohne Maschine ein anstrengendes langwieriges Geschäft und der heutige Alltag ist ohne diese Innovation kaum vorstellbar!

Grete Otto

PS: Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade Innovationen?! des Zeppelinmuseums Friedrichshafens. Dort findet Ihr auch weitere Artikel zu spannenden Innovationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen!

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