Was kosteten Genussmittel?

 In Alltagsleben, Geschichtsunterricht, Preise, Unkategorisiert

3. Teil Serie „Was kostete wieviel?“ – Von Waren und Preisen

Hier geht es zur Einführung und dem 1. Teil „Das liebe Geld“

Was sind eigentlich Genussmittel? Waren, die man nicht unbedingt zum täglichen (Über-)Leben braucht, die aber das Leben schöner machen – und oft gefährlicher! Aber sonst wäre es ja langweilig…
Heute unterscheiden wir im Alltag weniger als damals Grundnahrungs- und Genussmittel. Abgesehen von ganz exklusiven Produkten wie Champagner, Kaviar oder Austern kann ssich jeder welche leisten. Das traf damals nicht unbedingt zu. Bei armen Familien standen sie nicht auf dem Speiseplan oder nur als Ersatzprodukte, so gab es z.B. Zichorienkaffee oder „Muckefuck“ statt echtem Bohnenkaffee.
Natürlich gab es auch bei Genußmitteln meist eine breite Palette von billigen zu teuren Produkten, angefangen von Zigaretten bis zu Tee, Kaffee und Alkohol.

Fangen wir mal mit Kaffee an. Auch bei diesen Waren sind die schon in Teil 2 (Lebensmitteln) beschriebenen Anzeigen in Zeitschriften hilfreich. So wurde Kaffee von der Bremer Firma Rohlfing für 1,20 Mark pro Pfund im Direktversand angeboten. In den Württembergischen Statistischen Handbüchern taucht Kaffee als Preis gleichfalls auf, das Pfund kostete durchschnittlich ca. 1,60 Mark – ob 1903 oder 1912.

„Thee“ offerierte zum Beispiel die Firma Rex aus Berlin, die selbstbewußt warb:

Rex’sche Thees werden seit 50 Jahren von allen Theekennern bevorzugt“.

Es wurde zwischen Familien-, Frühstücks- und -sehr vornehm- Fife o clock-Tees unterschieden, die zwischen 2,40 und 4 Mark pro Pfund kosteten. Bei den Annoncen für „Thees“ begegnet uns auch ein Name, der heute jedem Teekenner ein Begriff ist – die Firma Ronnefeldt aus Frankfurt, die zu dieser Zeit gleichfalls fleißig inserierte, aber bei den Preisen weniger spezifisch blieb – deren Preislisten aber diese Angaben bestätigen. In diesem Artikel haben wir den „Teepionier“ vorgestellt und auch einiges zum „Fife o clock-Tee“ erzählt.

Wer beides nicht mochte, trank Kakao – natürlich auch ein Getränk, was besonders für Kinder angepriesen wurde. Dazu gibt es schöne Werbungen und die „Kakao-Compagnie“ Theodor Reichardt aus Hamburg-Wandsbek verrät in ihrer auch die Preisspanne pro Pfund: 1,40-2,40 Mark. Allerdings „Fabrikpreise im Versand“.

Auf der „Adler-Cacao-Dose“ von Stollwerck findet sich jedoch ein ähnlicher Pfund-Preis: 2,40 M.

Schokolade in fester (Tafel-)-Form gab es ab 10 Pfennig – 50 Pfennig kostete dann die bessere Tafel – so z.B. von Hartwig & Vogel, die in ihrer Werbung mit „2000 Arbeiter(n)“ warb, die in der Stammfabrik in Dresden und den Niederlassungen in Bodenbach und Wien arbeiteten.

Zum „Thee“, Kaffee oder Kakao konnte auch allerlei Kuchen oder Gebäck bestellt werden, z.B. der „Hohenzollernkranz“ vom Hohenzollernkonditor Boehme aus Cassel. „Je älter – je besser“ – dieser Werbespruch wäre uns aber bei Kuchen nicht unbedingt in den Sinn gekommen. Ab 4 Mark aufwärts gab es das gute Stück.

Kekspackungen, damals „cakes“ oder „biscuits“ genannt, gab es ab ca. 25 Pfennig zu kaufen – „Langnese-Cakes“ kosteten 1,20 Mark pro Pfund. Das galt auch in etwa für Zwieback, der zum einen als Gebäck, z.B. von Harry Trüller in Celle, zum anderen auch als Krankenkost wie von F.W. Gumpert in Berlin angepriesen wurde, das Paket mit 12 Stück kostete hier 20 Pfennig, während der Trüller-Zwieback (allzeit voran!) im eleganten Blechkasten stolze 4 Mark kostete – da waren dann aber auch „ca. 260 Stück“ drin.

Kommen wir zu den gehaltvolleren Flüssigkeiten, welche, wer hätte das gedacht, auch zum Frühstück getrunken wurden. Die Weinimport-Firma J.G. Heintzen hob in ihrer Anzeige für Bordeaux- und Süd-Weine hervor:

„Als Frühstücksweine grossartig! Appetitanregend. Verdauungsbefördernd. Nervenstärkend. Heilkräftig. Blutbildend.“

Wo man diese Wundermittel bestellen konnte? In Westerstede i. Oldenburg, wo die Firma ansässig war. 12 Flaschen Portwein oder Bordeaux kosteten ca. 16 Mark.

Die Firma Ott aus Würzburg lieferte „griechische Weine“, welche sicherlich nicht nur „eine Zierde des Weihnachtstisches“ waren, wie klein über dieser vor Weihnachten erschienenen Anzeige stand. Für “12 grosse Flaschen in 12 vorzüglichen Sorten“ wurden 19 Mark verlangt – Kiste und Packung frei.

Sollten für feierliche Anlässe die Korken knallen, pries der Hoflieferant Borchardt aus Berlin W., Französische Strasse 47-48 (das Restaurant gibt es bis heute, richtig das „Borchardt“) Spezialmarken der eigenen Firma an.
So zum einen Deutsche Schaumweine „ganz ausgezeichnet und besonders preiswert“: Die Flasche Sekt startete mit 2,75 Mark bis zu 4 Mark für „Extra Sec“ – preislich dazwischen lag die Marke „Es lebe der Kaiser“ mit 3,50 M pro Flasche. Bei Abnahme von 50 Flaschen gab es Rabatt. Zum anderen Champagner – zu kaufen für 4,50 Mark die Flasche. Rabatt gab es hier schon ab 12 Flaschen. Na dann Prost!

Auch Südfrucht-Körbe – für die feine Tafel- wie es in der Werbung hieß, konnte man bestellen, so beim Südfrucht Versand Peter Ruge in Hamburg. Sie enthielten Bananen, Weintrauben, Smyrna-Feigen, Ananas, Rosinen, Krachmandeln, Datteln, amerikanische Äpfel und Apfelsinen. Das Nettogewicht von 9 Pfund kostete 5 Mark, verglichen mit den Grundnahrungsmittelpreisen eine stolze Summe. Verschickt wurde „Postkolli“. Das war damals das Gewicht eines Paketes, welches jeweils knapp unter der nächst höheren Gewichtsklasse der Versandtarife der Post lag.

Und last but not least noch Zigarettenpreise: In den Werbungen sehr präsent: Die Marken „Elmas“ und „Salem Aleikum“. Letztere wurde hergestellt von der Orientalischen Tabak- und Cigarettenfabrik „Yenidze“ aus Dresden mit „ueber 700 Arbeiter(n)!“. Einzelne Zigaretten kosteten von 3 – 10 Pfennig pro Stück:

Die Nummer auf der Cigarette deutet den Preis an“ hieß es und „Nur ächt, wenn auf jeder Zigarette die volle Firma steht“.

Das Firmengebäude im Zentrum Dresdens wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil einer prachtvollen orientalischen Moschee gebaut. Der Grund war weniger romantisch als pragmatisch: Zu dieser Zeit durften im Dresdner Zentrum keine Fabriken gebaut werden, die als solche erkennbar waren. So griff der Inhaber Hugo Zietz zu dieser „List“, um das Fabrikgebäude dort zu errichten. Nach anfänglichen Protesten gewöhnten sich die Dresdner an das exotische Gebäude in ihrem Stadtbild und heute ist es eine der Touristenattraktionen der Stadt. Zigaretten werden dort aber schon lange nicht mehr gedreht, inzwischen beherbergt die „Tabakmoschee“, wie sie umgangssprachlich genannt wurde, Büros und ein Restaurant.

Im nächsten 4. Teil der Serie schauen wir in einer Drogerie vorbei. Wieviel kosteten Seife, Zahnpasta und -ganz wichtig- Schönheitsmittelchen für Frauen und Männer? Die es natürlich schon gab, denn jung und schön wollte man zu allen Zeiten sein (oder scheinen…)!
Erschienen sind schon:

1. Einführung (Zahlungsmittel & Preise); 2. Lebensmittel

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