Löhne und Gehälter im Kaiserreich – wer verdiente wieviel?

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In verschiedenen Artikeln (Links am Ende) habe ich die Preise für bestimmte Waren, wie z.B. Lebensmittel, Genussmittel oder Kosmetika für die Anfangsjahre des 20. Jahrhundert zusammengestellt. Die spannende Frage dazu ist: Wieviel verdienten die Leute zu dieser Zeit eigentlich und wer konnte sich entsprechend welche Waren leisten?

verschiedene Berufssparten

1. Ein Überblick aus Preußen
Zunächst begeben wir uns dafür in die Vogelperspektive und schauen auf das größte Bundesland Preußen und dessen Statistik, erschienen im „Statistischen Jahrbuch“ von 1912.
Die Statistik erzählt uns zu den Einkommens-Verhältnissen folgendes: gezählt wurden ca. 15 Millionen „Haushaltsvorstände und Einzelpersonen“, wir sprechen dabei immer von Jahresverdiensten.
8 Millionen davon hatten ein Einkommen bis zu 900 Mark. Die verbleibenden 7 Millionen verdienten über 900 Mark. Nun wurden 6 Gehaltsgruppen unterschieden. Die erste davon umfaßte den Bereich von 900-3000 Mark. Prozentual waren 89% der über 900 Mark Verdiener in dieser Gruppe zu finden. Davon noch über die Hälfte im Segment von 900-1350 Mark. Also das Jahresgehalt der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung lag im Bereich bis 1350 Mark.
Schauen wir nun weiter die Einkommensgruppen an, so sind in der nächsten – von 3000-6500 Mark- 8% der Haushaltsvorstände. Und die verbleibenden 2% verteilen sich mit je 1% auf die 3. und 4. Einkommensgruppe. Die 4. Gruppe umfaßt den Bereich der Einkommen von 6500-9500 Mark und die 4. dann 9500-30 500 Mark Jahreseinkommen. Das waren jeweils ca. 100 000 Personen.
Aber halt – es gibt noch eine 5. und sogar 6. Gruppe – die 5. umfaßte Einkommen bis 100 000 Mark – darunter fielen 20 000 Personen, prozentual weit unter 1%, was gleichfalls auf die letzte Gruppe zutraf „über 100 000 Mark“ – genau 4456 Personen verdienten mehr! Jetzt möchten Sie noch wissen, was das Spitzeneinkommen war – knapp jährlich 19 Millionen Mark verdiente (Trommelwirbel): eine Person.

Übrigens gibt es solche Zahlen leider nicht für das gesamte Reich – aber ich denke, Preußen kann man sicher als einigermaßen repräsentativ annehmen. Wobei insbesondere das Spitzeneinkommen sicher nicht in allen Ländern erzielt wurde.
Ein Fakt wird in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt – gerade bei den ärmeren Familien arbeiteten die Frau und teilweise auch die Kinder mit und erzielten als gleichfalls Einkommen – in der betrachteten Aufstellung wird aber nur der „Haushaltsvorstand“ gezählt, also der Hauptverdiener.
Schauen wir uns nun die einzelnen Stände an, angefangen bei den Arbeitern. Hilfreich waren hier Inserate und Artikel aus Zeitschriften, die schon zitierten Statistiken aus den Jahrbüchern sowie Haushaltskalender.

2. Beispiele

1. Arbeiter: Firma „Hartwig und Vogel“ – Tell Schokolade
Wer kennt heute noch „Tell-Schokolade“? Der Hersteller dieser „vorzüglichen Delikatessen“ war die Schokoladenfabrik „Hartwig und Vogel“ aus Dresden. Damals jedenfalls war sie ein dynamisch wachsendes Unternehmen, einer der Marktführer auf den deutschen Markt im Schokoladen-Geschäft und als solcher auch Exporteur in diverse Länder. 1870 gegründet, „mit 40 Arbeitern und einer Dampfmaschine von 25 Pferdekräften“ hatte sich die Fläche der Fabrik zur Zeit des Artikels (ca. 1911?)um das 8-fache vergrössert und es waren weitere Fabriken in Bodenbach, damals in Sachsen (ab 1918 Gebiet des heutigen Tschechien) und in Wien hinzugekommen, mit einem Gesamtpersonal von insgesamt 2300 „Köpfen“. Nach Nennung weiterer beeindruckender Zahlen werden auch die Wochenlöhne der weiblichen und männlichen Arbeiter genannt. Frauen verdienten zwischen 9 und 24 Mark – je nach Geschicklichkeit- und Männer zwischen 15 und 40 Mark und mehr…

Die unterschiedliche Bezahlung wollen wir an dieser Stelle nicht monieren, es gibt sie noch heute. Wenn wir jeweils den Mittelwert nehmen, also bei Frauen ca. 16 Mark und bei Männern ca. 27 Mark,
kommen wir auf einen Monatslohn von 64 M für die weiblichen und 108 M für die männlichen Arbeitskräfte. Das sind im Jahr für die Frauen etwa 770 und für die Männer 1300 Mark.

Die Firma „Hartwig und Vogel“ ereilte übrigens ein eher trauriges Schicksal – da es während des 2. Weltkrieges einen Einfuhrstopp für Kakao gab, stellte die Firma stattdessen Zünder her, bevor das Fabrikgelände dann durch Bomben getroffen wurde. Der verbliebene Rest des Unternehmens (es waren 289 Angestellte übrig gewesen) wurde enteignet und ging dann in volkseigenen Betrieben (VEB), deren Namen im Laufe der Jahrzehnte wechselten, auf, bis er nach der Wende abgerissen wurde – heute steht an dieser Stelle das Welthandelszentrum Dresden.

2. Beispiel: Königreich Württemberg Stand 1912
In den Statistik-Handbüchern von Württemberg finden wir Arbeiterlöhne für verschiedene Bereiche, z.B. die Staatseisenbahnverwaltung, Hüttenwerke und Salinen sowie „in den Staatswaldungen beschäftigte Arbeitskräfte“. Bei diesen wurde übrigens nach Stämmen abgerechnet.

Am oberen Ende der Verdienstskala waren die gelernten Handwerker der Eisenbahnverwaltung, welche im Jahr 1800 M verdienten. Zugbegleiter waren mit 1330 M im mittleren Bereich und mit 1060 M verdiente man eher wenig, wenn man im „Bahnbewachungs- und Bahnunterhaltungsdienst“ tätig war.

Die Arbeiter in den Salinen verdienten 1400-1500 Mark, das waren also ca 4,60 – 5,10 M am Tag – das war in den Tabellen gleichfalls aufgeschlüsselt.
Am unteren Ende der Skala waren die Tagelöhner. Für Stuttgart wurden hier sogar noch in drei Kategorien unterteilt: „Kräftiger“; „mittlerer“ und „jugendlicher“ Arbeiter und dann wurde noch in Sommer und Winter unterschieden. Jedoch wurden die Löhne im Verlauf ab 1900 immer mehr angeglichen.
Erwachsene Männer verdienten als „gewöhnliche Tagarbeiter“ in Württemberg einen Tageslohn zwischen 2 – 3 Mark, erwachsene Frauen (bei beiden Geschlechtern unter 21 Jahren noch weniger) verdienten täglich zwischen 1,40 Mark – 2 Mark (Stand 1909). Die Unterschiede waren regional bedingt – tendenziell waren die Löhne höher in größeren Städten als in kleineren Orten.

Übrigens stiegen die Löhne bis 1912 Jahr für Jahr, so verdiente z.B. ein Eisenbahnarbeiter 1900 jährlich 927 Mark, 1912 war sein Lohn auf 1304 Mark gestiegen. Die Lebenshaltungskosten stiegen während dieser Zeit allerdings auch…

3. Beispiel: Preußische Beamte und ihre Verdienste
Im Artikel „Was in Deutschland verdient wird?“, erschienen in einer Ausgabe der Sonntagszeitung von 1905, kommen zunächst Fakten zutage, die eher beruhigen:
Die gute alte Zeit wurde schon immer als bessere beschworen, was sie de fakto (von Kriegs- und Coronazeiten mal abgesehen) noch nie war. In der guten alten Zeit wurde damals schon weniger verdient und obwohl die Inflation höher war und die Lebenshaltungskosten gestiegen waren, stieg das Gehalt überproportional an – in den verglichenen Zeiträumen bei unteren Gehaltsklassen stärker als bei den Beamten der hohen Gehaltsklassen, wie in der Tabelle zu sehen ist. Man hatte 1905 also mehr Geld zur Verfügung als in der gleichen Position im 19. Jahrhundert.

„Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher“ – auch diesen bis heute beliebten Mythos gab es damals schon. Wie schon im Eingang bemerkt, erreichten 60%, also mehr als die Hälfte der preußischen Bevölkerung ein Jahreseinkommen bis 900 Mark – bis zu dieser Grenze war das Einkommen übrigens steuerfrei. Im Jahr 1892 waren es noch 70% gewesen, die unter der 900 Mark Grenze blieben. Im Klartext: Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung ein geringes Einkommen hatte, nahm deren Anzahl ab, nicht zu.

Kein Mythos: Schon damals waren Beamtenjobs wegen ihrer Sicherheit, ihres vergleichsweise guten Gehalts und den Zusatzleistungen beliebt, dazu heisst es im Artikel:

Außer den obigen allgemeinen Gehaltsaufbesserungen sind den Beamten noch andere erhebliche Vergünstigungen zuteil geworden, z.B. Erhöhung der Pensionsgelder, Gewährung von Witwen- und Waisengeldern usw. 
Es ist daher recht erklärlich, daß der Andrang zu den Beamtenstellen, die eine Versorgung für das ganze Leben darstellen, ein so starker ist, da kein anderer Beruf im Krankheits- oder Todesfalle die Familie des bisherigen Ernährers gegen Not und Elend schützt.“

BeamtenkategorienBesoldung im Jahre 1825 in Mark
Minimum


Maximum
Besoldung im Jahre 1872 in Mark
Minimum


Maximum
Besoldung im Jahre 1905 in Mark
Minimum


Maximum
Dazu Wohnungsgeldzuschuß (seit dem Jahre 1873) in Mark
Oberpräsidenten180001800021000210002100021000Dienstwohnung
Ministerialdirektoren1050013500150001500015000150001500
Vortagende Räte60008400750099007500110001200
Regierungspräsidenten90001050011400114001200012000Dienstwohnung oder 1.800 - 2.000
Regierungsräte240048004200600042007200420 - 900
Landräte240036003600540036006600Dienstw. od. 420 - 900
Oberförster210039003150495027005700Dienstwohnung
Richter 1. Instanz150039002400450030006600Dienstw. od. 420 - 900
Ministerial-Bureaubeamte ( Exped., Sekretäre und Registratoren150045003000540030006000900
Kanzleisekretäre bei den Ministerien120030002100360018003800540
Sekretäre bei den Gerichten 1. Instanz135027001800300015003800216-540
Stationsvorsteher 1. Klasse135021001950300024004200216-540
Stationsvorsteher 2. Klasse105013501650195018003000216-540
Lokomotivführer90012001200165012002200216-540
Schaffner450600780990900120072-240
Kassendiener bei der Eisenbahn45075081010501000150072-240

Neben der Tabelle von 1905 hier noch einige Gehälter weiterer preußischer Beamter aus einer Besoldungstabelle von 1912.

Fast alle Beschäftigten erhielten noch einen Wohngeldzuschuss, was als Betrag noch dem Gehalt zugerechnet werden kann. Diese Zuschüsse stehen in Klammern – auch sie erhöhten sich im Laufe der Dienstjahre – wir geben aber nur den Mittelwert an, sonst wird es zuviel „Zahlensalat“.
Es sind Anfangs- und Endgehalt aufgeführt und so sind auch die Spannen zu verstehen: Gendarmen und Schutzmänner bekamen zwischen 1400-2100 Mark (+390), ein Polizeikommissar immerhin zwischen 2700-5100 Mark (+625). Verbeamtete Boten, Leichendiener und Portiere verdienten dagegen vergleichsweise bescheidene 1200 – 1700 Mark (+480).
Zwischenfrage: was genau tat eigentlich ein staatlich angestellter Leichendiener? Er assistierte bei der Leichenbeschau und Autopsie und war auch für den Transport der Leichen zuständig.
Der Polizeipräsident in der Provinz verdiente dagegen ordentlich: zwischen 6000 -9000 Euro + Dienstwohnung. Ich schreibe Provinz, weil der Polizeipräsident von Berlin – auch das ist aufgeführt- 13 000 Mark verdiente, eine Dienstwohnung war natürlich gleichfalls dabei.
Zivilbeamte wie Sekretäre und Buchhalter verdienten zwischen 2100-4500 Mark (+625), ein Minister 36 000 – und ja, auch hier kam noch eine Dienstwohnung dazu.

Übrigens ist eine berufliche Karriere als „Beamter“ heute wieder sehr gefragt, auch wenn die sozialen Standards allgemein wesentlich höher sind. Knapp ein Drittel der Uniabsolventen streben eine Karriere im öffentlichen Dienst an – der wichtigste Entscheidungsfaktor hierfür: Sicherheit. (Quelle WAZ, Artikel 12.12.20 Traumjob Beamter – Amt statt Autoindustrie – Warum die meisten Nachwuchstalente für den Staat arbeiten wollen)

4. Beispiele für Frauenlöhne verschiedener Berufe
Dass die Frauen weniger verdienten, hatten wir bei den Arbeiterinnen schon festgestellt. Und sonst? In den Zeitschriften werden, z.B. in der „Daheim“ unter der Rubrik „Frauenerwerb“ viele weibliche Berufe vorgestellt, aber leider nur sehr selten Verdienste genannt.

Manchmal aber schon: Diese Löhne und Gehälter habe ich gefunden und in Jahreslöhne umgerechnet, wenn Wochen- oder Monatsgehälter genannt wurden: Armenpflegerinnen 600 M, Redakteurinnen (Redaktricen genannt) 960-3000 Mark, Buchhändlerinnen 600-1560 M Angestellte im Fahrkartenverkauf; Telegraphen- und Fernsprechdienst, Güterabfertigung 720-1400 Mark (DDF, S. 685), Gärtnerinnen 500-600 M bei freier Station, Blumenbinderinnen 1200-2400 M, Meierin (Molkereiverwalterin) 800-1200 M bei freier Station, Wirtschaftsfräulein 210-400 M (freie Station) Kindergärtnerin (auch für Privathäuser) 240-420 M (freie Station), Leiterin Kindergarten 900-1200 M, Fotografinnen 720-1800 Mark, Krankenpflegerinnen 1000-1900 Mark, Modezeichnerinnen bis 3900 M (bis 75 Mark wöchentlich).

Die Angaben sind aus verschiedenen Wochen-Zeitschriften und auch aus unterschiedlichen Jahren (1902-1913) und daher tatsächlich als „Hausnummern“ zur Orientierung zu betrachten. „Freie Station“ bedeutete übrigens freie Kost und Logis, was bei der Lohn- und Gehaltsbetrachtung zu berücksichtigen ist. Auch ich fand die (im Vergleich zur Eingangstabelle) recht hohen Jahresgehälter mancher Berufe, z.B. Modezeichnerinnen verwunderlich, aber das sind vor allem Berufe, in denen eher freie als angestellte Mitarbeiter(innen) unterwegs waren und ein festes Angestelltenverhältnis eher selten war – deshalb ist hier eine Angabe pro Woche (so stand es auch in der Quelle) realistischer.

Zur Bezahlung weiblicher Postbeamtinnen wurde ich in der Rubrik „Aus dem Frauenleben“ der „Sonntagszeitung für die deutsche Frau“ fündig. Bemerkenswert an dieser Rubrik ist nicht nur der Titel und Inhalt an sich, sondern auch ihre internationale Ausrichtung: sie bestand vor allem aus Meldungen über Frauen, die höhere Ämter, Berufe und Titel erlangten und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit. Auf Deutschland begrenzt wäre die Rubrik wahrscheinlich um einiges kürzer gewesen…, so war sie ermutigender. Über die dort des öfteren vorgestellten „ersten“ Frauen in bestimmten Berufen oder Positionen habe ich in diesem Artikel berichtet.
Im konkreten Artikel werden die Gehälter und Positionen englischer und deutscher Postbeamtinnen verglichen. Während die Frauen in England als „Oberbeamtinnen“ Jahresgehälter bis 10.000 Mark erreichen konnten und auch als Abteilungsleiterinnen bis 6000 Mark und als Postsekretärinnen immerhin noch bis 3800 Mark verdienten, heißt es zu den deutschen und österreichischen Beamtinnen ernüchternd:

„Bei uns in Deutschland und ebenso in Oesterreich-Ungarn gibt es nur weibliche Posthilfsbeamten und ihre bescheidenen Gehälter erreichen nach langer Dienstzeit kaum 1600 oder 1800 Mark.“

Wohlgemerkt, diese Zahlen gaben das Jahres- nicht das Monatsgehalt wieder. Es klingt für unsere Verhältnisse so monatlich, deshalb wiederhole ich es immer mal wieder.

 

5. Beispiel Gehälter Lehrer & Lehrerinnen
Zum Schluß schauen wir noch auf die Gehälter der Lehrer und Lehrerinnen – letzteres war eines der etabliertesten „höheren“ Frauenberufe zu dieser Zeit.

In den preußischen Statistiken von 1912 wird zunächst nach Dienst- und Lebensalter unterschieden. Eine Beobachtung dazu – Lehrer mit unter 4 Dienstjahren waren weit häufiger auf dem Land als in der Stadt zu finden – es gab 14 600 Landlehrer und nur 1700 Stadtlehrer! Vielleicht, weil es auf dem Land weniger Möglichkeiten für akademische Tätigkeiten gab und deshalb der Lehrerberuf für Männer attraktiver war.

Das Verhältnis der jungen Lehrerinnen war mit 3500 in der Stadt und 3800 auf dem Land recht ausgeglichen. Es gab insgesamt aber mehr Lehrerinnen in den Städten und ihre Anzahl nahm sowohl in der Stadt als auch auf dem Land mit steigendem Dienstalter stark ab. Ein besonderer Grund dafür war sicherlich das sogenannte „ Lehrerinnen-Zölibat“. Es wurde ab 1880 eingeführt und verbot Frauen bei Heirat die weitere Ausübung ihres Berufes. Sie verloren auch alle bis dahin erworbenen Ansprüche auf ihr Ruhegehalt (Pension). Anscheinend wurde dieses Gesetz auch als flexibles Instrument für den Arbeitsmarkt gehandhabt – bei Lehrerüberschuss wurde es streng angewandt, bei Lehrermangel handhabte man das Zölibat eher grosszügig. Es wurde übrigens erst 1919 abgeschafft! Natürlich heirateten eine ganz Reihe der Frauen und bekamen Kinder – ihre berufliche Karriere war also zu Ende. In diesem Gastartikel wird über die Ausbildung der Lehrerinnen berichtet.
Weiterhin nahm die Ausbildung und Berufstätigkeit -insbesondere der bürgerlichen Frauen während dieser Zeit- stark zu, deshalb waren es viel mehr junge Lehrerinnen in den Schulen – früher hatten einfach noch gar nicht so viele Frauen die Möglichkeit und (leider auch) Erlaubnis für eine Ausbildung und Berufstätigkeit gehabt.

Eine weitere Beobachtung bei den Gehaltsstatistiken (alle aus den preußischen Statistiken von 1912): die Anfangsgehälter für Lehrer und Lehrerinnen waren gar nicht so unterschiedlich, es waren so um die 1400 Mark in der Stadt und 1300 Mark auf dem Land, mit starken Ausschlägen auf der Skala nach unten (bis 900 Mark) und nach oben (bis 2200 Mark). Im 15. Dienstjahr verdienten dann die (vielen) Lehrer in der Stadt zwischen 2200-3300 Mark und auf dem Land war das Gehalt dann geringer mit einer Spanne zwischen 2000-3000 Mark, wobei die meisten zwischen 2200-2600 Mark verdienten. Die Lehrerinnen verdienten zwischen 1700-2200 Mark in der Stadt und auf dem Land. Nach 25 Dienstjahren verdienten die Lehrer in der Stadt mehr als 3000 Mark, bei weiteren Dienstjahren bis zu 6000 Mark als höchstes Gehalt, auf dem Land lag das Gehalt nach den 25 Jahren zwischen 2800-3600 Mark und ging bei weiteren Dienstjahren eher bis 5000 Mark.

Last but not least: Vom Anwalt zum Redakteur
Und was verdienten die angestellten Redakteure der Wochenzeitschriften?Zwischen 3000-8000 Mark jährlich, davon konnte man gut leben. Auch die Jahresgehälter von Rechtsanwälten bewegten sich in einem ähnlichen Rahmen.

Zusammengefaßt können wir einschätzen, daß die Jahreslöhne der Arbeiter zwischen 700-1800 Mark lagen, Angestellte der unteren und mittleren Gehaltsklassen zwischen 1200-3000 Mark verdienten und sich die akademischen Jahresgehälter des mittleren Bürgertumzwischen 3000-5000 Mark bewegten.
Bei höheren Jahreseinkommen ging es dann auf großbürgerliche Verhältnisse zu, dies betraf (mit weniger als 1% in Preußen) prozentual nur eine sehr geringe Anzahl an Haushaltsvorständen.

Quellen:
Auf ausführliche Quellenangaben habe ich hier verzichtet, da es kein wissenschaftlicher Artikel ist, aber natürlich kann ich diese bei begründetem Interesse gerne zur Verfügung stellen. Die Angaben sind statistischen Jahrbüchern, Büchern, Zeitschriften und Inseraten aus den Jahren 1902-1913 entnommen.

In diesen Artikeln wird von damaligen Waren und ihren Preisen erzählt. Wer konnte sich welche Produkte leisten? Hier die Links zu den Artikeln:

Einführung zu Preisen
Was kosteten Lebensmittel?
Was kosteten Genußmittel?
Was kosteten Drogerie-Artikel?

In diesen Geschichten erzählen Frauen ihre Schicksale und von ihren beruflichen Erfahrungen:

Mit eigenem Anbau zum Erfolg„; „Die Lehrerin„; „Mit dem Kochlöffel„; „Am Telefon

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