Eine Jahrhundertschlacht und ein monumentales Denkmal – Ein Besuch des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig

 In Museumsbesuch

1813 – eine Schlacht tobt vor den Toren Leipzigs. Unter Napoleon kämpften die Franzosen gegen die Truppen Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens. Fast hunderttausend Kämpfer sterben. Am Ende kassiert Napoleon eine Niederlage. Die Schlacht gilt bis zum ersten Weltkrieg als die grösste der Geschichte.
Schon kurz nach der Schlacht wurden Rufe nach einem Denkmal laut. 1863, zu ihrem 50. Jahrestag, wurde der Grundstein für ein Denkmal gelegt. Der Wille war also da -allein es fehlten die Mittel zur Erbauung! So wurden zunächst verschiedene kleine Denkmäler aufgestellt – am Ende waren es wahrscheinlich an die Hundert. Aber ein bedeutendes Mahnmal fehlte. Das fand nicht nur der Deutsche Patrioten-Bund, der deshalb 1896 ein Architekturwettbewerb ausrief.
Der Entwurf sollte neu und heroisch sein. 100 Entwürfe wurden eingereicht – der große Wurf war nicht dabei, fanden die Ausrichter, allen voran der Vorsitzende des Bundes, Architekt Clemens Thieme.

Und so wurde 1896 ein zweiter Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 72 Künstler beteiligten. Aber auch bei diesem Wettbewerb fand keiner der prämierten Entwürfe Thiemes Zustimmung. Deshalb wurde im Folgejahr der (immerhin) Vierte des zweiten Wettbewerbs, Bruno Schmitz, mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfs beauftragt. Schmitz war bereits ein erfahrener „Denkmals“-Architekt: Erste Sporen hatte er sich mit dem Entwurf des Kyffhäuserdenkmals verdient und auch bei den Kaiser Wilhelm Denkmalen an der Porta Westfalica und dem Deutschen Eck bei Koblenz war er der Architekt.
Der Grundstein zum Bau wurde 1896 im Südosten der Stadt gelegt. Und die Finanzierung? Es wurde eine Lotterie eingerichtet, um das Geld zusammen zu bekommen. Außerdem gab es Spenden. Denn der zunächst veranschlagte Betrag konnte nicht eingehalten werden – das Bauwerk wurde am Ende wesentlich teurer, 6 Millionen Mark genauer gesagt. Veranschlagt gewesen waren 1,25 Millionen Mark. Im Gegensatz zum Berliner Flughaften wurde das Mahnmal dann aber planmäßig fertig gebaut und am 18. Oktober 1913, also pünktlich zum hundertjährigen Jubiläum der Schlacht, eröffnet.

Diese und viele weitere interessante Fakten zum Denkmal erzählt uns Otto Rudolph, der damalige Bauherr des Denkmals war, persönlich – in sächsischem Dialekt, der sich aber gut verstehen läßt. Und zwar als Audioguide, den man auf die Tour im Denkmal und Museum mitnehmen kann. Eine nette Idee, die Geschichte des Denkmals von seinem Baumeister erzählen zu lassen.
Ab 2003 wurde das von der Zeit stark mitgenommene Denkmal restauriert und pünktlich (!) zum 100. Jahrestag der Einweihung am 18. Oktober 2013 wieder eröffnet. Eigentlich wollte man bis dahin die ganze Anlage inklusive des Wasserbeckens geschafft haben – neues Ziel für die Eröffnung des Gesamtensembles ist nun Frühjahr 2019…Einige Teile der Außenanlage sind eingerüstet, bei der Besichtigung des Denkmals stört das aber nicht weiter.

Das Monument ist gewaltig und man fühlt sich klein, wenn man davor oder auch darin steht. Am Eingang steht ein großer Krieger – der Erzengel Michael, der als Schutzpatron der Soldaten gilt.

Drinnen gibt es im 1. Stock einen Film, in dem die Stationen des Denkmalbaus noch einmal gezeigt werden, Bilder von der Einweihung und auch wie das Denkmal in den verschiedenen Regimen jeweils für die eigenen Zwecke benutzt wurde, ob im 1. Weltkrieg, von den Nazis oder zuletzt vom DDR-Regime.
Ein weiteres Stockwerk höher ist die Krypta, die das symbolische Grab der Gefallenen darstellt, bewacht von acht Zweiergruppen steinerner Krieger.

Eine Etage darüber (es gibt übrigens auch einen Fahrstuhl) ist die Ruhmeshalle mit vier monumentalen Statuen zu besichtigen.

Man sieht von dort auch in die Kuppeldecke mit 324 Reitern – von unten wirken sie klein, allein jedes Pferd hat eine Länge von 1,65 Meter.
Weiter hoch geht es jetzt auf kleinen wendeltreppenartigen Stufen – die bis oben immer schmaler werden. Es sind wohl insgesamt 500, persönlich gezählt habe ich sie allerdings nicht. Der Fahrstuhl fährt bis zur mittleren Aussichtsplattform in 68 Metern Höhe.
Von der oberen Plattform hat man in jedem Fall einen tollen Blick über die gesamte Stadt und darüber hinaus – unser Audioguide Otto Rudolph hilft auch hier mit Erläuterungen, welche Bauwerke sich wo befinden. Da es nur einen Aufgang gibt, hilft eine Ampel, wann man hoch- und wieder heruntersteigen kann.
Im Museumstrakt rechts neben dem Denkmal kann man sich dann über die Schlacht an sich, Napoleon als Kriegsherrn und Staatsmann und die ganze europäische Entwicklung rund um die Zeit der Schlacht informieren.
Hier noch der Link zur Webseite mit allen Informationen zu Eintrittspreisen, Öffnungszeiten etc.
Alles in allem ein lohnenswertes Ausflugsziel für alle, die monumentale Architektur mögen, in Leipzig sind und mal nicht durch die Stadt bummeln möchten, für Familien mit grösseren Kindern als Ausflug und natürlich für alle Geschichtsinteressierten 🙂
Minuspunkt: Es gibt Getränke, aber keine Gastronomie auf dem Gelände – gut, daß wir etwas Proviant mithatten.

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Zeige 6 Kommentare
  • Michael
    Antworten

    Hallo Grete,

    Vielen Dank für Deinen Bericht, das macht Lust auf mehr.
    Was empfiehlst Du ist der Besuch des Völkerschlachtdenkmals auch etwas für Jungs (8 und 10) oder nur etwas für Ältere?

    Viele Grüße
    Michael

    • Grete Otto
      Antworten

      Hallo Michael,
      danke für Dein Feedback. Ich glaube, das Völkerschlachtdenkmal ist auch für dieses Alter der Jungs interessant. Es ist einfach als Bauwerk monumental und auch die Darstellung der Schlacht 1813 im Museum mit alten Uniformen etc. ist auch für die Kinder empfehlenswert, auch wenn sie noch nicht unbedingt die Texte dazu lesen. Du kannst ihnen ja dann das Wichtigste und Spannendste von der Schlacht erzählen (ist alles gut im Museum beschrieben) 🙂

      Herzliche Grüsse

      Grete

  • Daniel
    Antworten

    Hallo Grete,
    ich finde es sehr interessant, dass der Fokus mal auf das Denkmal und nicht nur auf die Schlacht an sich gelegt wurde. Ich selbst habe es auch schon besucht und muss dir zustimmen… Es ist gewaltig! Fast sogar schon einschüchternd wenn man drinnen steht. Auch die Aussicht von oben auf die gesamte Stadt ist atemberaubend. In meinen Augen ein muss für jeden Geschichtsfanatiker! Vielen Dank für diesen Artikel 🙂 und viele Grüße, Daniel

    • Grete Otto
      Antworten

      Hallo Daniel,
      ja, es ist wirklich ein MONUMENT im wahrsten Sinne des Wortes, das hast Du gut beschrieben! Danke für Dein Feedback,
      herzliche Grüsse

      Grete

  • Annette Evans
    Antworten

    Liebe Grete,
    ein toller und so ausführlicher Artikel! – Die Baugeschichte dazu war mir neu, und ich nehme mir fest vor, das Völkerschlachtdenkmal endlich wieder zu besuchen, das letzte Mal war es 1979…glaube ich. Ein Tipp für alle, die Sachsen nicht so gut kennen: Gleich um die Ecke ist Leipzig – ein Besuch lohnt sich, das sollte man auf jeden Fall verbinden!
    Liebe Grüsse von Agnes

    • Grete Otto
      Antworten

      Liebe Agnes,
      es freut mich, dass der Artikel eine Anregung ist, das Völkerschlachtdenkmal mal wieder zu besuchen. Ich kann Dir versprechen, seit 1979 hat sich einiges getan 🙂

      Herzliche Grüsse

      Grete

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