Was geschah vor 110 Jahren im Juli?

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Olympia in London

Olympische Spiele der „Neuzeit“ gab es 1908 noch gar nicht so lange – genauer gesagt, seit 12 Jahren. Der erste neue Wettbewerb fand 1896 in Athen statt.
Für die Wiederbelebung der olympischen Spiele war der Franzose Pierre de Coubertin verantwortlich. Man kann ihn auch als deren Gründer bezeichnen. Ihm gefiel die Idee, mit einem sportlichen Wettkampf junge Leute aus aller Welt zusammenzubringen. Ein Anlaß für die Wiederentdeckung der olympischen Idee war die Tatsache, dass die alten olympischen Stätten, die schon im 18. Jahrhundert entdeckt wurden, einige Jahre zuvor unter Leitung des Deutschen Ernst Curtius wieder ausgegraben wurden. Auch davon war Coubertin und nicht nur er fasziniert – der alte olympische Gedanke wurde romantisch rezipiert und wiederentdeckt.
Zur Organisation der Spiele wurde das Internationale Olympische Comitee (franz). gegründet – die Abkürzung IOC ist uns heute eher bekannt.
Bei den ersten Spielen 1896 in Athen waren nur männliche Sportler erlaubt, in den Folgejahren durften jedoch auch Frauen teilnehmen, die ersten Disziplinen für sie waren Tennis und Golf (siehe Rubrik „Aus dem Frauenleben“).
Schon zu Beginn wurde ein Turnus von vier Jahren sowie ein Wechsel der jeweiligen Austragungsorte festgelegt – und auch das die sportliche Idee nicht politisch vereinnahmt werden sollte – dies sollte im Verlaufe der Spiele dann verschiedentlich doch geschehen, ob die 1936 von der nationalsozialistischen Partei in Deutschland vereinnahmten Spiele oder auch 1980, als eine Reihe von Ländern die olympischen Spiele in Moskau wegen des Einmarschs der damaligen Sowjetunion in Afghanistan boykottierten. Als Revanche nahmen dann die meisten Länder des damaligen Ostblocks nicht an den Spielen 1984 in Los Angeles teil.
Aber zurück zu den Anfängen: Waren die ersten Spiele in Athen ein Erfolg, so konnte man das von den nachfolgenden beiden Spielen, die 1900 in Paris und 1904 in St. Louis stattfanden, nicht behaupten. Sie fanden im Rahmen von Weltausstellungen statt und gingen bedeutungsmäßig innerhalb der Weltausstellungen eher unter. Wieder im Mittelpunkt stand der Sport bei den Zwischenspielen 1906 in Athen, welche die Spiele aus ihrer Bedeutungslosigkeit holten – auch wenn die Resultate vom IOC offiziell nie anerkannt wurden. Die nächsten Spiele fanden dann 1908 in London statt. Sommer- und Winterspiele waren damals noch nicht getrennt (erst ab 1924). Jedoch wurde erstmals eine Winterdisziplin ausgetragen – Eiskunstlaufen. Die Spiele fanden von Ende April bis Ende Oktober in mehreren Turnussen statt. Die grösste Aufmerksamkeit bekam der Turnus im Juli mit den Wettbewerben, die im White City Stadium stattfanden, sozusagen als Sommerspiele.
U. a. fanden dort die Wettbewerbe im Turnen statt. Der Bericht über die Eröffnung dieses Wettkampfs spricht von 21 Nationen, die ihre besten Turner gesandt hatten, „wobei die Dänen durch eine Damenriege vertreten waren, deren Aufmarsch mit großem Beifall begrüßt wurde.“

Weiterhin berichtet die Sonntagszeitung mit Bild und folgendem Untertext:
An den diesjährigen olympischen Spielen in London beteiligten sich auch deutsche Turner, die auf Kosten des deutschen Kronprinzen, dessen sportliches Interesse bekannt ist, diese Turnfahrt antraten.

Und so schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: der Kronprinz, den wir ja in diesem Jahr auf seinen Wegen verfolgen, ist auch im Juli dabei – wir lernen eine neue Facette von ihm als Sportförderer kennen. Und wir nehmen zur Kenntnis, dass die Finanzierung der „Turnfahrt“ durchaus eine Meldung wert war – neben Olympia als Ereignis natürlich. Eine Medaille gewann die deutsche Turnriege (die vergebenen Medaillen aller Spiele können hier eingesehen werden) übrigens nicht.
Aber wir bleiben beim Turnen:

Das deutsche Turnfest in Frankfurt/ Main
und zwar das 11. fand gleichfalls im Juli 1908 statt und war ein großes nationales Sportereignis. Hier der Bericht zur Eröffnung in der Paulskirche aus der Sonntagszeitung, das Foto der leeren Paulskirche, was dazu erschien, sparen wir uns:

Das Innere der historisch berühmten Paulskirche zu Frankfurt, woselbst durch eine Rede des Pfarrers Julius Werner das 11. deutsche Turnfest eingeleitet wurde. Hier in der Paulskirche hielt Turnvater Jahn auf der Nationalversammlung des Jahres 1848 seine zündenden Reden zur Einigung der deutschen Nation (Bildunterschrift).

Zu dem Turnfest hatten sich 50 000 Turner versammelt. Deutsche Turnvereine aus Schweden, Rußland, Oesterreich, Spanien, Belgien und Amerika waren erschienen. Auch der deutsch-südwestafrikanische Turnverein Swakopmund-Windhuk hatte seine Vertreter entsandt. Die Zahl der Festteilnehmer am Eröffnungstage betrug nicht weniger als 160 000, die in 150 Eisenbahnzügen in Frankfurt a. M. eintrafen. Prinz Oskar eröffnete das 11. deutsche Turnfest als Vertreter des Kronprinzen, der das Protektorat übernommen hatte. (Text)

Alle Bilder zum Artikel sind aus einem Heft mit vielen Fotos, welches nach dem Turnfest erschien.

Turnvater Jahn -der Name sagt es schon-, der Vater der Turnbewegung propagierte Anfang des 19. Jahrhunderts Turnübungen, um nicht zuletzt die Wehrkraft der deutschen Jugend für die Befreiungskriege gegen Napoleon zu stärken.
Die Turnerbewegung war während des strengen Regimes des Fürsten Metternich eine fortschrittliche Kraft, die sich gegen deren Zensur und polizeiliche Unterdrückung stellte. Das hatte von 1820 bis 1842 eine Turnsperre zur Folge – natürlich ein schwerer Rückschlag für die Turner! Jahn wurde 1840 von Wilhelm IV. rehabilitiert und auch das Turnen – nach Ende der Turnsperre wurde es Schulfach in Preußen.
Jahn konnte 1848 mit dem deutschen Turnerbund seine Ideen zur Einigung Deutschlands auf der Nationalversammlung propagieren.
1860 fand dann das erste Turnfest in Coburg statt – mit ca. 1000 Teilnehmern aus 31 Fürstentümern und vier Reichsstädten, die für die Teilnahme einen Gulden bezahlen mußten und in Privatquartieren untergebracht wurden. Mit einem Turntag, einem Festzug und einem Schauturnen wurde der Grundstein für die nachfolgenden Turnfeste im Prinzip schon bei diesem 1. Turnfest gelegt.
Nach anfänglichen unterschiedlichen Abständen pendelte sich dann bis 1908 ein Turnus von fünf Jahren ein, in denen das Turnfest in unterschiedlichen Städten stattfand. Wie der obige Originaltext berichtet, nahmen immer schon Turnvereine aus anderen Ländern daran teil, 1908 auch aus der damaligen deutschen Kolonie Namibia.
In der Geschichte des Turnfestes zeigte sich wiederholt, wie der Sport, hier das Turnen, für politische Zwecke eingespannt bzw. mißbraucht wurde, ob nun im Nationalsozialismus als Machtdemonstration oder auch in der DDR-Zeit als Inszenierung des „Arbeiter- und Bauernstaates“.
Auch der Turnerbund selbst spiegelte mit verschiedenen Abspaltungen innenpolitsche Entwicklungen wieder: So gründete sich 1893 der Arbeiter-Turnerbund, als Abspaltung vom eher bürgerlich geprägten Deutschen Turnerbund, welcher als solcher 1922 auch ein eigenes Turnfest mit 100.000 Teilnehmern veranstaltete.

Tunrfest Frankfurt 1908 Altstadt
Der Festzug zieht durch die Frankfurter Altstadt

Frankfurt ist bei der Ausrichtung der Turnfeste eine stetige Konstante. Schon 1880 fand ein Turnfest dort statt, das Fünfte. Die Stadt war auch Austragungsort des ersten Turnfestes nach dem zweiten Weltkrieg, was einen Neuanfang markierte. Es hieß zwar nur „Frankfurter Turnfest“ damit es nicht zu überregional wirkte. Denn offiziell waren nur Vertreter aus der amerikanischen und britischen Besatzungszone erlaubt. Aber es wurden auch etliche Teilnehmer aus der französischen und sowjetischen Besatzungszone eingeschmuggelt. 30 000 Turner kamen immerhin, man übernachtete in einem Zeltlager.
1983 und 2009 war Frankfurt/Main erneut Gastgeber für die Austragung des Turnfestes – 2009 (Turnfest Nr. 41) dann übrigens mit 65 000 Teilnehmern.
Die Turnfeste sind eine schöne Tradition, die als solche gleichfalls den Spaß am Sport und dessen vereinende Kraft symbolisieren und natürlich auch immer ein Spiegel ihrer Zeit sind – hoffentlich ohne eine wiederum politische Vereinnahmung in der Zukunft!

Das nächste, dann 44., Turnfest findet übrigens 2021 in Leipzig statt.

Begeisterter Empfang in Berlin – Weltrekord im Autorennen New York – Paris

In Berlin wurde der Protos-Wagen mit Fahrer Koeppen, als einziger deutscher Teilnehmer des Rennens, bei seiner Ankunft umjubelt. Noch waren alle der Meinung, Koeppen würde als Sieger des Rennens Paris erreichen. Als Weltrekord, so der Untertitel des Bildes, wurden sowohl die gefahrene Strecke von 20.000 Kilometer, als auch die Dauer des Rennens, sechs Monate (für manche Teilnehmer auch länger) gewertet. Und tatsächlich ist es bis heute das längste Rennen der Automobilgeschichte!
Aufmerksame Leser der Rubrik kommt das Ganze bekannt vor? Richtig, wir berichteten in der März-Ausgabe dieses Jahres von „Was geschah vor 110 Jahren?“ schon über den Start des Rennens. Und dort wurde, neben mehr Details über das Rennen, auch verraten, warum Koeppen doch nicht als Sieger des Rennens hervorging. Aber das schmälert nicht wesentlich seine Leistung. Die Länge des Rennens hatte übrigens auch Vorteile – so war noch Zeit, in Berlin beim Verlagshaus Ullstein & Co., dem Sponsor, eine Stippvisite zu machen und auf ein Frühstück im kaiserlichen Automobilclub vorbeizuschauen.

Pikanter Meineidsprozeß – die verhängnisvollen Affären des Fürsten Eulenburg
Fürst Philipp zu Eulenburg hatte alles, was Erfolg zu dieser Zeit ausmachte: einen (vom Kaiser verliehenen) Fürstentitel, die Freundschaft Kaiser Wilhelms II. für den er eine Zeitlang eine Art Mentor war, eine hübsche Frau und mit ihr zusammen acht Kinder, einen adeligen Freundeskreis und eine gute Stellung im diplomatischen Dienst.
Es gab nur ein Problem und deshalb verlor er (fast) alles: Er hatte homosexuelle Beziehungen. Und das war während der Kaiserzeit (und bis 1994) laut Paragraph 175 strafbar!
Bekannt war „das Problem“ wohl schon eine Weile – so wurde er vom Auswärtigen Amt als Botschafter nach Wien gesandt, wo Homosexualität vergleichsweise milde geahndet wurde. Obwohl geheimdienstlich überwacht, hatte er Affären – die mit einem Bademeister war ein erster Stein, der seinen Fall ins Rollen brachte. Der Bademeister erpresste ihn und Eulenburg zahlte: Stolze 60.000 Mark. Eine Menge Geld zu dieser Zeit (ungleich mehr wert als heute)! Allerdings verlangte er diese Summe vom Staat zurück. Um noch mehr Schaden zu vermeiden, entsandt Kaiser Wilhelm II. als Aufpasser Kuno von Moltke als Militärattaché an Eulenburgs Seite. Jedoch entschärfte dies eben nicht die Situation, im Gegenteil: die beiden begannen ein Verhältnis. Moltkes Ehefrau entdeckte das und drohte, alles öffentlich zu machen. Um möglichen Enthüllungen zuvor zu kommen, trat Eulenburg 1903 als Botschafter zurück. Über alles hätte vielleicht Gras wachsen können, aber Moltkes Ehefrau war beim gleichen Arzt in Behandlung wie der Publizist Maximilian Harden. Und der veröffentlichte 1906 in seiner Zeitschrift „Zukunft“ mehrere Artikel, in denen er das Verhältnis zwischen Eulenburg und Moltke mehr als andeutete. Es waren wohl weniger moralische Gründe, die ihn dazu veranlassten. Er wollte der „Entourage“ des Kaisers schaden und damit auch den Kaiser selbst in Misskredit bringen. Es kam zu einer Reihe von Prozessen gegen Eulenburg wegen Meineid und Verstoß gegen Paragraph 175 (Link). Er hatte früher einmal ausgesagt, niemals sexuelle Beziehungen zu Männern gehabt zu haben. Die Prozesse zogen weitere Kreise, weitere Regierungsmitglieder, vom damaligen Reichskanzler von Bülow bis zum Kaiser höchstpersönlich wegen seiner engen Freundschaft zu Eulenburg, wurden der Homosexualität beschuldigt.
Der Kaiser zog Konsequenzen und brach 1907 vor Beginn der ersten Prozesse 1907 den Kontakt zu Fürst Eulenburg ab.
Die spannende Frage ist, wie gingen die Wochenzeitschriften mit dem pikanten Thema um? Im Juli 1908 begann der Bericht über den Prozess in der Sonntagszeitung so:
„Es ist ein Glück, daß der Prozeß gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand, und es wäre im Interesse der Gesunderhaltung des deutschen Volkes dringend zu wünschen, daß alle Sichtlichkeitsprozesse fortan unter Ausschluß der Öffentlichkeit zur Verhandlung gelangten…“
Das Wort „Homosexualität“ kommt im Artikel nicht vor, allerdings wird in dessen Verlauf gegen Protektions- und Günstlingswirtschaft, die so an den Tag kamen, gewettert und es wird gebeten „mit deutscher Offenheit die Übelstände klar zu benennen, um sie zu beseitigen“.
Der Prozeß wurde bereits im August 1908 unterbrochen, da Eulenburgs Gesundheitszustand angeschlagen war und er deshalb als prozessunfähig erklärt wurde. Aus diesem Grunde wurde der Prozeß 1909 ganz ausgesetzt.

Zurück blieb als gebrochener Mann Eulenburg, aber auch der Ruf des Kaisers hatte durch diese Affäre gelitten, und dass wohl weniger aus moralischen Gesichtspunkten, sondern weil es die Günstlings- und Protektionswirtschaft von ihm und weiteren Mitgliedern der Regierung und hohen gesellschaftlichen Kreisen offenlegte.

Sozialdemokraten im Kommen – Der preußische Landtag wird eröffnet
Wir bleiben noch etwas bei der preußischen Innenpolitik, begeben uns aber in ruhigeres Fahrwasser.
Von den preußischen Landtagswahlen hatten wir in der Juni-Ausgabe schon berichtet. Hier der Text zum obigen Bild mit dem vorläufigen Endergebnis der Wahlen (wie es heute so schön heißen würde):

Sieben Sozialdemokraten, die an der feierlichen Eröffnung des Hauses nicht teilnahmen, sind durch die letzten Wahlen zum erstenmal in eine der gesetzgebenden Körperschaften Preußens gekommen. Jedoch ist eine Verschiebung des Schwergewichts, das auch für die neue Legislaturperiode bei den Konservativen liegt, die 7 Sitze gewonnen haben, durch den Einzug der äußersten Linken nicht erfolgt. Das Wahlergebnis war folgendes: Konservative 151, früher 144, Freikonservative 60 (64), Nationalliberale 64 (76), Freisinnige Volkspartei 28 (24), Freisinnige Vereinigung 8 (9), Zentrum 105 (96), Polen 15 (13), Sozialdemokraten 7 Sitze, früher keinen, Dänen 2 (2), Fraktionslose 3 (5).

Warum die erstmalig in den Landtag gewählten Sozialdemokraten der Eröffnung fernbleiben, wird nicht erzählt. Vielleicht war es bei neuen Parteien schon öfter Tradition, erst einmal gegen übliche Normen zu verstoßen.
Ein Artikel zur Parteienlandschaft dieser Zeit ist übrigens in Planung.

Bergsport auch im Kommen – Die (erweiterte) Lodnerhütte wird eröffnet

Eine Eröffnung ganz anderer Art wird in der Zeitschrift „Daheim“ von der obigen in Südtirol liegenden Berghütte berichtet:

Am 4. Juli ist der von der Alpenvereins-Sektion Meran des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins fertiggestellte Neubau, der die alte, für den großen Zulauf unzulänglich gewordene Lodnerhütte im hochromantischen Zieltal ergänzen soll, feierlich eröffnet und dem Betrieb übergeben worden. Der stattliche Neubau umfaßt in seinem Erdgeschoß und erstem Stock je 3 Zimmer mit 16 Betten. Der große Dachraum bietet für 30 Personen Heulager. Auch die Terrasse ist bedeutend vergrössert worden. Eine 700 m lange Hochdruckwasserleitung liefert das nötige Wasser. Zu der Eröffnungsfeier haten sich etwa 150 Teilnehmer eingefunden, darunter der erste Präsident des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Otto von Pfister, die k.k. Bezirkshauptmannschaft Meran, Graf Coreth, viele Damen, die Alpenvereinsmitglieder der Sektion Meran, Turner (nicht alle waren zum Turnfest nach Frankfurt gefahren), der Verein Naturfreunde, die Hochjagdgesellschaft, viele Bergführer und Bauern aus Partschins und Passeier.

Wie die Aufzählung und das obige Foto zeigen, hatten sich also EINIGE zur Eröffnung eingefunden! Schon damals war Bergsport im Kommen, zurück in die Natur war angesagt und die Berge auch ein beliebtes Ziel der Sommerfrische, wie in diesem Artikel geschildert.
Die Lodnerhütte gibt es übrigens heute noch und sie liegt noch genauso spektakulär wie damals inmitten der Berge. Und ist immer noch eine Bergtour wert! Vielen Dank an das Hütten-Team für die Unterstützung.

Aus dem Frauenleben:

In der Rubrik gibt es ein leichtes Sommerloch und deshalb dieses Mal nur eine Meldung, bei der wir im Zeichen der Juli-Ausgabe sportlich bleiben:

  • Olympiasiegerin Lawn-Tennis:

Frau Lambert Chambers ging als Siegerin im Lawn-Tennis-Einzelspiel hervor und erhielt die olympische Goldene Medaille verliehen.“ steht unter dem Foto. Die Frage stellt sich – wie waren die Frauen beim „Lawn-Tennis“ damals gekleidet? „Ganz in weiß“ der traditionellen Tennis-Farbe damals schon – aber auch ganz in lang, also mit langem Kleid. Im englischen Wikipedia-Eintrag ist ein Foto der spielenden Lambert Chambers zu sehen. Und ansonsten einfach mal etwas weiter unten das Tenniskleid für Backfische anschauen…

Dorothea Lambert Chambers (1878-1960) gewann übrigens nicht nur olympisches Gold im Tennis -sie gewann auch sage und schreibe 7x die Damenkonkurrenz im Einzel in Wimbleton und zwar 1903, 1904, 1906, 1910, 1911, 1913 und 1914! Ein echter Tennis-Crack – sie war noch mit 45 Jahren aktiv und half ihrem Team 1925 den Wigman-Cup zu gewinnen.

Ein Buch hat die Dame auch geschrieben, der Titel: „Lawn Tennis for Ladies“, 1910 erschienen. Es gibt diesen Reprint davon.

Sommermode für Backfische

Was ein Backfisch ist? Heute würden wir Teenager oder Jugendliche sagen, damals wurden die jungen Mädchen (und zwar nur die Mädchen) so bezeichnet. Für männliche Teenager gab es keinen äquivalenten Ausdruck.

Diese luftigen Modelle waren im „Frauen-Daheim“ einer Unter-Rubrik der Zeitschrift „Daheim“ zu sehen und kamen aus dem Berliner KaDeWe. Also ganz großstädtisch. Das „Kaufhaus des Westens“ gab es zu dieser Zeit schon – genauer seit 1905.

Und last but not least: Unsere Großstadtkinder in der Ferienkolonie

Auch zu dieser Zeit gab es schon Initiativen der Städteverwaltungen, die mit Hilfe von Spenden Kinder aus ärmeren Schichten Ferien außerhalb der Stadt ermöglichten:

Die Ferienkolonien, die es den lufthungrigen Großstadtkindern ermöglichen, in freier Landluft sich durch gemeinsame Spiele zu erholen, gewinnen bei den Städteverwaltungen immer mehr Aufnahme und verdienen die Unterstützung aller Menschenfreunde, die es mit der Jugend wirklich gut meinen.

Ich wünsche meinen Lesern (ob lufthungrige Großstädter, Land- oder Leseratten) und überhaupt allen Menschenfreunden schöne Sommer- und Urlaubstage. Und gemäß dem Motto unserer Ausgabe ist es vielleicht mal wieder ein guter Anlaß Sport zu treiben – ob nun Turnen, Lawn-Tennis oder einfach was Euch Spaß macht!

Herzlichst

Eure Grete

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  • Sybille
    Antworten

    Sehr interessant mal wieder, ich freue mich jeden Monat darauf. Haben die Monatsrubriken jetzt immer ein übergreifendes Thema?? 😉

    • Grete Otto
      Antworten

      Hallo Sybille,
      schön, dass Du Dich auf die Monatsrubrik freust! Sie werden zukünftig nicht immer ein übergreifendes Thema haben, aber wenn es sich mal wieder anbietet, dann ja.

      Herzliche Grüsse

      Grete

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