Damenwahl! Eine Ausstellung über das Frauenwahlrecht im Historischen Museum Frankfurt

 In Aus dem Frauenleben, Ausstellungsbericht, Frauenberufe, Zeitgeschehen

Heute unvorstellbar, in der Kaiserzeit Realität: Frauen waren nicht wahlberechtigt. Erst 1918, vor 100 Jahren, war es soweit und das Wahlrecht für Frauen wurde beschlossen.

Wie der Weg dorthin war, das erzählt die aktuelle Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt. Und darüber hinaus auch, wie es weiterging mit der Frauenpolitik. Bis in die Gegenwart wird der Bogen gespannt und am Ende ist ein Zeitstrahl von der Gründung des Bundestags bis heute zu sehen, der aufzeigt, wie hoch der Frauenanteil der einzelnen Parteien prozentual im Bundestag war und ist  – Tendenz leider wieder fallend!

Bei meinem Besuchsbericht möchte ich mich aber insbesondere auf die Ausstellungsteile „Frauenleben im Kaiserreich“ und „Kampf für das Frauenwahlrecht“ konzentrieren, die in die Bürgerleben-Zeit fallen.

© Stadt Frankfurt Robert Halbe – vom Historischen Museum freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Noch ein paar praktische Hinweise und Informationen zum Museum vorab: Das Historische Museum Frankfurt wurde im Oktober 2017 nach einigen Jahren der Renovierung wiedereröffnet, komplett neu gestaltet, sowohl architektonisch als auch inhaltlich. Natürlich ist ein Fokus die Stadt Frankfurt, so auch bei der Sonderausstellung Damenwahl. Aber da der regionale gut in den allgemeinen Bezug zum Thema eingebettet ist, finde ich die Ausstellung auch für Nicht-Frankfurter(-innen) sehr sehenswert! Öffnungszeiten und weitere Informationen könnt Ihr auf der ansprechend gestalteten Webseite des Museums finden. Das neugestaltete Museum wurde von den Besuchern übrigens gut angenommen, die Aufteilung und Darstellung der Dauerausstellung jedoch auch kontrovers diskutiert. Gut so! Besser als ein unbeachtetes Schattendasein …

Der Eintritt kostet für die Sonderausstellung 10 €, für das gesamte Museum inklusive Sonderausstellung sind es mit 12 € nur wenig mehr. Es gibt auch Audioguides dazu (3 €) mit interessanten Beiträgen der Kuratorinnen zu den verschiedenen Stationen.

Für das Hörvergnügen sollte man aber zusätzliche Zeit einplanen, da in der Ausstellung (anders als in einer Gemäldeschau) auch viele Dokumente zum Lesen gezeigt werden und sich gleichzeitiges Lesen und Hören nicht so gut verträgt (jedenfalls bei mir!).

Die Ausstellungsfläche ist zwar überschaubar, aber man kann viel entdecken, lesen und anschauen. Wir waren an einem verregneten Herbstnachmittag dort und unsere 1,5 Stunden waren etwas knapp bemessen. Gerne hätten wir noch etwas länger geschaut, aber das Museum schließt wochentags um 18 Uhr.

Es gibt auch ein Cafè im Haus, das im Untergeschoss vor dem eigentlichen Eingang integriert ist. Kaffee und Kuchen schmecken 🙂 (das haben wir bei einem vorherigen Besuch des Museums getestet!).

Beim Eintritt in die Ausstellung sieht man zunächst Kleider und Korsetts. Das gezeigte einfachere, lange Kleid im Vordergrund, das vermutlich die Frau der unteren Mittelschicht trug, ist in der Taille so schmal geschnitten, dass es einem Angst macht! Vor allem, wenn man das Korsett daneben sieht, was wie für eine Kindertaille gemacht aussieht, jedoch von erwachsenen Frauen getragen wurde. Auch die schlankste Frau konnte da ja kaum Luft holen!

Aber in dieser Zeit war viel in Bewegung, und auch die Frauenkleidung änderte sich. Frauen begannen Berufe zu ergreifen, Sport zu treiben und strebten eine höhere Bildung an. Sie ließen sich nicht länger in die Korsetts pressen – die medizinische Entwicklung tat ihr übriges und schätzte sie als gesundheitlich schädlich ein. So gab es bald die sogenannten Reformkleider und auch die passende Unterwäsche dazu – sie engten nicht ein und erlaubten eine freie Beweglichkeit. Als Beispiel ist hier ein rotes Reformkleid von 1910 zu sehen.

Da ihnen der direkte Zugang zur Politik verschlossen war, organisierten sich die Frauen in Vereinen, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens waren. Man blieb in seinen Kreisen eher unter sich und es gab die unterschiedlichsten Vereine. In der Ausstellung wird von den Vereinen erzählt, die sich im Zuge der Frauenbewegung bildeten und sowohl bürgerliche Kreise als auch die Arbeiterschicht umfassten. Ob radikale und gemäßigte Vereine, alle einte der Wunsch, dass Frauen mehr Mitbestimmung erhielten und mehr Möglichkeiten bekamen, sei es nun in der Schul- und Berufsausbildung, bei der Ausübung von Berufen oder im öffentlichen Leben allgemein. Nicht umsonst wurden in den Wochenzeitschriften dieser Zeit Frauen, die als erste bestimmte Berufe ergriffen, regelrecht gefeiert, indem man lobend über sie berichtete, wie z.B. in diesem Artikel. In der Ausstellung ist außerdem dokumentiert, dass diese Wochenzeitschriften auch über die Frauenbewegung und deren Aktivitäten berichteten, und zwar nicht nur über Deutschland, sondern auch international, z.B. über die Suffragetten in England.

In den Ausstellungsräumen werden auf großen Bannern exemplarisch Ikonen der Frauenbewegung vorgestellt, von 1900 bis heute. Eine dieser Frauen ist Helene Lange. 1848 geboren, erlebte sie in ihrer eigenen Kindheit und Jugend, wie Frauen von höherer Bildung und intellektuellem Austausch ausgeschlossen blieben. Für sie selbst der Grund, sich in der bürgerlichen Frauenbewegung zu engagieren und für bessere Bildungschancen für Mädchen zu kämpfen. So wurde ihr Antrag 1887 an das preußische Abgeordnetenhaus, die Ausbildung der Mädchen der der Jungen anzugleichen, zwar abgelehnt, aber das Thema kam durch ihren Einsatz stärker in die Öffentlichkeit. Helene Lange war zeitweilig die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und bis zu ihrem Tod 1930 in der Frauenbewegung aktiv. Von den „Bannerfrauen“ im Museum gibt es auch Flyer mit einem gezeichneten Porträt auf der Vorderseite und den wichtigsten Informationen zu ihnen auf der Rückseite zum Mitnehmen.

In politischen Vereinen und Parteien durften Frauen übrigens erst ab 1908 mitmischen, davor blieb ihnen eine Mitgliedschaft in den meisten Bundesstaaten verwehrt. Ein erster Schritt zur staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, auch wenn es mit dem Wahlrecht noch weitere 10 Jahre dauern sollte. Dass auch das allgemeine Wahlrecht für Männer in verschiedenen Bundesstaaten, z. B. Preußen und Sachsen, nicht etwa gerecht war, sondern ein „Klassenwahlrecht“, kann man z.B. in diesem Artikel nachlesen.

Ach ja, eine Antifeminismus-Bewegung gab es natürlich auch, wie die Ausstellung zeigt. 1912 wurde sogar der „Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ gegründet. Immerhin ein Viertel der Mitglieder waren Frauen! Die Männer fürchteten Konkurrenz durch gleich gut ausgebildete Frauen. Nicht nur in Deutschland, sondern z.B. auch in England und den USA wurde eine Zukunftsvision heraufbeschworen, in der Frauen in Beruf und Politik tätig waren und sich die Männer daheim um Haushalt und Kinder kümmerten. Oft auch heute noch ein frommer Wunsch bei beiderseitiger Berufstätigkeit!

Die Bereiche der Ausstellung sind gut gegliedert; es ist insgesamt eine gute Mischung aus Texten und Zeitdokumenten. So werden auch mehrere Diashows mit Fotos gezeigt, welche die damalige Zeit lebendig werden lassen. Außerdem kann man sich Reden anhören und kurze Filme anschauen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Januar 2019 zu sehen.

Insgesamt empfehle ich einen Ausstellungsbesuch für zeitgeschichtlich interessierte Frauen (besonders 🙂 ), aber natürlich auch Männer und alle Frankfurter, die mehr über die politische Geschichte ihrer Stadt erfahren möchten.

Was den Nachwuchs angeht: Die Dauerausstellung des Historischen Museums bietet viel für Kinder, diese Ausstellung ist aber eher ab dem Teenager-Alter zu empfehlen. Tipp für Familien: Vielleicht einfach mal trennen, Mama besucht die Wahlausstellung und der Rest die Dauerausstellung …jaaaa, wieder alle Klischees bestätigt! 😉
Manchmal stimmen sie eben auch …

Herzlichst,

Eure Grete

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  • Sunnys Side
    Antworten

    Hallo,
    das klingt auf alle Fälle super interessant. Leider ist Frankfurt für einen kurzen Museumsbesuch von München aus nicht wirklich gut zu erreichen.
    Man darf einfach nicht vergessen, wie lange und wie hart Frauen schon für Gleichberechtigung kämpfen.
    Also. Lasst uns zusammenhalten.
    LG Sunny

    • Grete Otto
      Antworten

      Liebe Sunny,
      ja von München nach Frankfurt ist es nicht unbedingt ein Katzensprung! Wenn Du auf „virtuellem“ Wege noch mehr zur Ausstellung erfahren möchtest, es gibt einen Audioguide, bei dem es sich das Hören auch ohne Anschauen der Ausstellung lohnt – hier ist der Link dazu.
      Es ist richtig, vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, wurde von den Frauen damals hart erkämpft – das Frauenwahlrecht ist ein gutes Beispiel dafür. Danke für Dein Feedback, liebe Grüße Grete

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