Was geschah vor 110 Jahren im November?

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„Deutschland in Trauer“ – ein Zeitungsinterview und seine Folgen

 

Die Schlagzeile des Artikels in einer im November 1908 erschienenen Sonntagszeitung lässt zunächst einen Todesfall vermuten. Aber nein, es war niemand gestorben. Es war nur ein fiktives Interview des Kaisers Wilhelm II. in der englischen Zeitschrift „Daily Telegraph“ erschienen. Der Inhalt hatte es allerdings in sich: Eine innenpolitische Krise war die Folge. Auch außenpolitisch schüttelte man den Kopf über die Worte des Kaisers im speziellen und über das deutsche Reich im allgemeinen. Wilhelm der II. hatte mit dieser Veröffentlichung niemanden einen Gefallen getan, am wenigsten sich selbst.

Die Vorgeschichte: Kaiser Wilhelm II. hatte im Herbst 1907 nach einem Staatsbesuch in London bei seinem Freund Edward Wortley, seines Zeichens Oberst der britischen Armee, in Südengland ein paar Tage Urlaub gemacht. Es wurden Gespräche unter Freunden geführt, u.a. über das deutsch-englische Verhältnis. Englisch sprach der Kaiser fließend als zweite Muttersprache, war doch seine Mutter Victoria von Großbritannien (später „Kaiserin Friedrich“ genannt) die Tochter der langjährigen britischen Königin Victoria, und diese also seine Großmutter.

Ein bei den Gesprächen anwesender Journalist fasste die Unterredungen einige Zeit später als fiktives Interview zusammen und ließ es der britischen Zeitung „Daily Telegraph“ zukommen. Die Zeitung schickte das Interview zur Autorisierung durch Wilhelm II. nach Berlin. Dieser leitete das Papier zur Freigabe an Kanzler von Bülow weiter. Der Kanzler war jedoch gerade im Urlaub und so gelangte es – angeblich nicht von ihm gelesen – zum nächsten Verantwortlichen seines Stabes. Auch dieser war im Urlaub (von wegen, „preußische Arbeitstugenden“!), und so landete das Interview schließlich auf dem Schreibtisch eines unteren Beamten. Der gab das Interview frei und so kam es zur Veröffentlichung.

War die Veröffentlichung tatsächlich ein Versehen, oder war die Bloßstellung des Kaisers beabsichtigt?

Denn Wilhelm II. war bekannt für seine schwankenden Ansichten, sein Geltungsbedürfnis und seine undiplomatische Art. Seine entsprechenden Äußerungen konnten eine explosive Mischung ergeben. Eigentlich ein Grund, jedes Schriftstück mit Äußerungen von ihm sehr genau zu lesen und ggf. zu korrigieren. Das war aber offensichtlich nicht passiert.

Der Inhalt: Aber was war eigentlich der Grund der Aufregung? Es gab mehrere, aber der Hauptgrund der deutschen Empörung war wohl seine Äußerung, er, der Kaiser, gehöre zu einer englandfreundlichen Minderheit im deutschen Reich. Damit heizte er die englische Angst vor der deutschen Macht und vor einem Krieg an – Deutschland rüstete ja zu dieser Zeit seine Flotte auf. Im gleichen Interview erklärte er zwar, der deutsche Flottenbau richte sich nicht gegen England, sondern geschehe primär, um im fernen Osten präsent zu sein und im Falle des Falles agieren zu können – mit dieser Äußerung schaffte er es dann auch noch, die dort gelegenen Länder zu provozieren, allen voran Japan.

Nach der Veröffentlichung: Das Interview löste Empörung aus – bei allen politischen Parteien und im Volk. Bei der Reichstagsdebatte am 10. und 11. November äußerten sich die Politiker einhellig negativ darüber. In der eingangs erwähnten Sonntagszeitung werden die ablehnenden Reaktionen der Politiker verschiedener Parteien so zusammengefasst:
„Jetzt, wo der Schleier, den Fürst Bülow kunstvoll über alle Fehler des Systems bisher zu breiten wußte, von der ganzen Fülle der absolutistischen Neigungen Kaiser Wilhelm II. fortgerissen ist, haben sich alle Parteien einmütig zusammengeschlossen, um das Verantwortungsgefühl des Reichskanzlers zu stählen. Denn den Fürsten Bülow trifft in erster Linie nach der Verfassung die Verantwortung.“

Und weiter:
„Jetzt mußte auch Fürst Bülow im Reichstage erklären, daß es für ihn der ernsthafteste und schwerste Entschluß sei, den er in seinem politischen Leben gefaßt habe, jetzt noch im Amte zu bleiben. Er sprach die Hoffnung aus, der Kaiser werde zukünftig auch in Privatgesprächen sich diejenige Zurückhaltung auferlegen, die für die Einheitlichkeit der deutschen Politik und für die Autorität der Krone unerläßlich sei.“

Eine entsprechende Erklärung, „die Stetigkeit der Politik des Reiches unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten zu sichern“, unterzeichnete Wilhelm der II. zähneknirschend. Eine Demütigung seines Status als Kaiser und seiner Person, die wohl vorher so nicht möglich gewesen war.

Nach dem heutigen Stand der Forschung steht so gut wie fest, dass Kanzler Bülow das Interview entgegen seiner Behauptung gelesen hatte und den Dingen ihren Lauf ließ. Er hatte wohl die Empörung und die Aufmerksamkeit, die das Interview infolge hervorrief, bei weitem unterschätzt. Warum er die Veröffentlichung zuließ, darüber gibt es verschiedene Vermutungen. Eine davon ist, dass der Kaiser mit seinen Eigenmächtigkeiten, die dem Ansehen des Reiches schadeten und nicht der Haltung des Parlaments entsprachen, bloßgestellt werden sollte.

In jedem Fall entzweite dieser Vorfall auch die Beziehungen zwischen Kaiser und Kanzler. Ohne zu weit vorzugreifen: 1909 musste Kanzler Bülow zurücktreten – der Kaiser unterstützte ihn nicht, sondern war in diesem Fall auf Seiten des Parlaments.

Wer den im „Daily Telegraph“ erschienenen Artikel lesen möchte, um sich selbst eine Meinung zu bilden, diese Links führen zum Originaltext in Englisch und zur deutschen Übersetzung.

Der Kronprinz fliegt mit und der Kaiser trifft Graf Zeppelin

 

Wir berichteten in der August-Ausgabe vom Zeppelin-Unfall und dem folgenden spektakulären Crowdfunding im Volk, die den Bau neuer Zeppeline ermöglichen sollte (und infolge auch ermöglichte). Das Thema Zeppelin fehlt zu dieser Zeit in fast keiner Ausgabe der Wochenzeitschriften, ob nun über die Devotionalien aus dem abgestürzten Zeppelin, neue Flügen oder Persönlichkeiten, die den Flug wagten, berichtet wurde.

Graf Zeppelin erlangte als mutiger Erfinder eine enorme Popularität. Und mit beliebten Volkshelden zeigen sich Politiker und Mächtige damals wie heute sehr gerne – auf dass etwas von der Beliebtheit und dem Glanz auf sie austrahlen möge.

Der Kronprinz fliegt Zeppelin

So ließ es sich der Kronprinz nicht nehmen, zusammen mit Graf Zeppelin einen Rundflug zu unternehmen, wie in einer Novemberausgabe von „Daheim“ berichtet wird:

„Nachdem Prinz Heinrich eine Fahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff gemacht hat, besuchte auch der Kronprinz Friedrichshafen, um mit dem Grafen aufzusteigen. Bei dieser Gelegenheit begrüßten sie den Kaiser bei seiner Ankunft in Donaueschingen aus der Höhe, ein Vorgang, den der Kaiser einen welthistorischen Augenblick nannte. Der Kaiser selbst traf einige Zeit später in Manzell ein, besichtigte das Luftschiff und zeichnete den Erfinder mit dem Schwarzen Adlerorden aus.“

Hatte Kaiser Wilhelm II. den Grafen in den Anfangsjahren der Zeppeline einmal „Als Dümmsten aller Süddeutschen“ verspottet, sah das im Herbst 1908 schon ganz anders aus. Er ließ sich sehr gerne mit Graf Zeppelin ablichten, der verschmitzt lächelte. Was er wohl in diesem Moment gedacht haben mag?

Bei der breiten Öffentlichkeit, den Politikern und Medien kam es jedoch nicht gut an, dass sich der Kaiser mit diesem Treffen und seinem Jagd-Aufenthalt bei Fürst zu Fürstenberg in Donaueschingen dem wütenden Sturm in Berlin wegen seines Daily-Telegraph-Interviews entzog.

Wer sich näher für Zeppeline und ihre Geschichte interessiert, im Zeppelin Museum in Friedrichshafen ist sie anschaulich dargestellt und man kann sogar selbst in eine nachgebaute Innenkabine eines späteren Zeppelins steigen.

Politisches Schwergewicht und Arbeitstier – ein neuer US-Präsident wird gewählt

 

Wilhelm Howard Taft (1857-1930), so hieß der neue im Herbst 1908 gewählte Präsident, wollte eigentlich nie Präsident werden. Umso mehr war aber seine Frau Helen dafür, die als 17-jährige schon einmal zu Besuch im Weißen Haus weilte. Sie war vom Flair und der mächtigen Aura des Präsidentensitzes so beeindruckt, dass sie nach ihrer Rückkehr meinte, sie werde einen zukünftigen Präsidenten heiraten und dann selbst ins Weiße Haus einziehen.

Taft selbst war in den ersten Jahren seiner Karriere als Richter tätig und sollte es nach seiner Karriere auch weiterhin sein. Nachdem er ab 1901 erfolgreich einige Jahre Zivilgouverneur auf den Philippinen war, wurde er von Roosevelt, seinem Vorgänger als Präsidenten, 1904 zum Kriegsminister berufen und arbeitete er in den folgenden Jahren eng mit Roosevelt zusammen.

Ein damaliger „vorzüglicher Kenner amerikanischer Zustände“ namens Otto von Gottbergs, charakterisierte ihn im Artikel der Zeitschrift „Daheim“ folgendermaßen:

 „Um Taft zu sehen, dürften bislang wenige Amerikaner sich großen Unbequemlichkeiten unterzogen haben. Der einstige „bon juge“ (deutsch: guter Richter) und spätere Prokonsul in den Philippinen ist eine würdevolle, aber doch auch joviale Persönlichkeit, deren Humor und Lachen anstecken.
Aber bislang hatte Taft doch nicht gezeigt, daß er seine Landsleute hinreißen und in ihnen jene Begeisterung wecken könnte, die Vorbedingung des Sieges in amerikanischen Wahlkämpfen scheint. Als Minister war er das Arbeitspferd der Administration und des Kabinetts. Ein Mann von jener gleichmäßigen und selbstverständlichen Pflichttreue, die wir gern altpreußisch nennen, saß er bis tief in die Nacht hinein am Schreibtisch, um Arbeiten zu erledigen, die sein bequemer Protektor und Präsident im aufgebürdet hatte.
Einmal sagte das Begleitschreiben eines der Aktenbündel, die Roosevelt seinem Mann Freitag zu schicken pflegte: ‚Zur Erledigung in den Mußestunden, die Sie bekanntlich nicht haben!’
Auch wenn außerhalb der Landesgrenzen eine übliche Besorgung zu verrichten war, wenn ein Mitglied des Kabinetts nach Panama, Japan oder um die Welt in schwieriger Mission reisen sollte, mußte Taft seine Koffer packen. Zu Festlichkeiten fuhren andere.
Dafür war und ist denn auch Roosevelts Vertrauen in den Schützling ein unbegrenztes. ‚Ich lasse ja Taft auf der Kiste sitzen; der wird den Deckel schon zuhalten!’ sagte in seiner burschikosen Art der Präsident, als er selbst die Reise nach Panama antrat. Wer den Scherz völlig würdigen will, muß wissen daß Herr Taft etwa 2 ½ Zentner wiegt…“

Tatsächlich hatte Roosevelt ihn als seinen Nachfolger aufgebaut und er wurde dann auch folgerichtig gewählt – immerhin mit einem Vorsprung von mehr als 1,2 Millionen Stimmen vor seinem demokratischen Herausforderer.
Besonders stolz darauf war seine Frau, war doch ihr Wunsch in Erfüllung gegangen! Nach der gemeinsamen Fahrt ins Weiße Haus ist überliefert, dass Taft sich schwer in einen Sessel fallen ließ und meinte „Ich bin jetzt Präsident und habe es satt, herumgestoßen zu werden“. Dass sie die treibende Kraft hinter der Präsidentschaft war, wußte auch eine auflagenstarke Zeitung, die verkündete: „Ohne seine Frau hätte Mr. Taft nie für das Präsidentenamt kandidiert.

Die Jahre seiner Präsidentschaft erledigte er ordentlich. Gesprochen wurde über die extragroße Badewanne, die er sich ins Weiße Haus einbauen ließ. Dass er drin stecken blieb, ist wohl eher eine Mär aus Kinderbüchern, aber wegen seines Körperumfangs nicht gänzlich abwegig. Übrigens war er auch der letzte Präsident, für den auf dem Gelände des Weißen Hauses eine eigene Milchkuh gehalten wurde.
Aber für eine zweite Amtsperiode fehlte ihm wohl doch das Charisma, und so wurde er mit dem schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten für einen Präsidenten, der sich der Wiederwahl stellte, 1913 vom Demokraten Wilson abgelöst.

Seine Karriere war damit jedoch noch nicht vorbei: Nachdem er sich zunächst ins Privatleben zurückgezogen hatte und als Juraprofessor in Yale tätig war, kandidierte er 1921 für das Amt des obersten Richters der USA und wurde gewählt. Er ist bis heute die einzige Person, die gleichzeitig Präsident und oberster Richter der Vereinigten Staaten war. Bis 1930 hatte er dieses Amt inne, dann trat er krankheitshalber zurück. Kurz darauf starb er. Und seine Frau redete auch bei der Wahl der letzten Ruhestätte ein Wörtchen mit: Er wurde als erster Präsident auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt, damals eigentlich für Streitkräfte reserviert. Sie meinte dazu: „Er diente als Kriegsminister und ferner als Oberkommandant der Streitkräfte [als Präsident], dies qualifiziert ihn, dass er hier begraben wird.“ Später sollte hier auch John F. Kennedy begraben werden.

Aus dem Frauenleben:

Feodora – Eine intellektuelle Prinzessin, nach der eine Schokolade benannt wird

Sie war eine Prinzessin des Geistes und der Herzen. Beliebt beim Volk und geachtet in Adels- und Künstlerkreisen. Ihr voller Name: Feodora von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1874-1910). Als jüngste Tochter von sieben Kindern war sie eine kleine Schwester der Kaiserin Auguste Viktoria. Als solche stand Feodora stärker in der Öffentlichkeit und so heißt es in einem kleinen Artikel in einer Novemberausgabe der Sonntagszeitung über sie:

Die jüngste, bisher unvermählt gebliebene Schwester der deutschen Kaiserin, ist eine fleißige Schriftstellerin und verbirgt sich als solche hinter dem Pseudonym F. Hugin.

Vor zwei Jahren gab die bis jetzt im 35. Jahre stehende Prinzessin unter dem Titel „Im Walde“ vier Erzählungen heraus, denen soeben eine weitere Erzählung „Durch den Nebel“ gefolgt ist.

Die Prinzessin wurde ausschließlich zuhause unterrichtet, so war es damals in wohlhabenderen adligen Kreisen üblich. Feodora war gebildet – sie sprach mehrere Fremdsprachen und war künstlerisch vielseitig interessiert und begabt. Zunächst studierte sie an der renommierten Akademie für bildende Künste in Dresden. Ihr künstlerisches Vorbild und auch eine Art Lehrmeister für sie war Fritz Mackensen, der Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede. So kam sie auch mit anderen Künstlern der Kolonie wie Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler in Kontakt – letzterer gestaltete das Cover für das oben erwähnte Buch „Durch den Nebel“.

1903 zog sie in das Krongut Bornstedt bei Potsdam. Das ihr zur Lebenszeit überlassene Gut entwickelte sie in den folgenden Jahren zu einem Treffpunkt und Zirkel verschiedener Künstler, insbesondere trafen sich hier Maler und Schriftsteller. Das Gut an sich hat eine interessante Geschichte: Schon Kaiser Wilhelm II. verbrachte hier als Kind manche Sommer mit seiner Familie und spielte mit der Bornstedter Dorfjugend.

Ab 1906 widmete sich Feodora wieder verstärkt der Schriftstellerei, die sie schließlich als ihre eigentliche Berufung erkannte – das beweisen auch die im obigen Zitat genannten Veröffentlichungen.

Die Prinzessin blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet. Und obwohl sie in den letzten Lebensjahren kränkelte, kam ihr früher Tod 1910 sehr unerwartet. Als offizielle Todesursache wurde eine Typhus-Erkrankung angegeben, andererseits litt die Prinzessin auch an Diabetes. Die wirkliche Ursache blieb diffus und etwas geheimnisumwittert.

Nach dem Tod der Prinzessin wurde 1912 mit dem Geld aus einer Stiftung ihres Nachlasses ein Jugendheim gebaut, welches folgerichtig „Prinzeß Feodora Jugendheim“ genannt wurde. In der Hausordnung war festgelegt, dass ein Jugendpfleger die Kinder und Jugendlichen beaufsichtigen und beschäftigen sollte, damit sie „vor den Gefahren des Straßenlebens, der Langeweile und der Verführung des Alkohols bewahrt werden.“ Bis 1923 existierte es, dann hatte die Inflation das Stiftungskapital der Prinzessin verzehrt und es wurde zur Turnhalle umfunktioniert. Sowohl das Krongut Bornstedt als auch das ehemalige Jugendheim, welches heute „Villa Feodora“ heißt, gibt es noch. Beide sind Eventlocations, in denen man königlich heiraten und feiern kann.

Und wie kam nun ihr Name zur Schokolade? Prinzessin Feodora war mit den Pfarrersleuten von Bornstedt befreundet. Der Bruder der Pfarrersfrau war Schokoladenfabrikant Meyer aus Tangermünde. Für seine neue Schokolade suchte er im Sommer 1910 einen klangvollen Namen.

Durch den Kontakt der Pfarrersleute vermittelt, hatte Meyer bei Hofe angefragt, die Schokolade nach der gerade verstorbenen Prinzessin benennen zu dürfen. Die Kaiserin wurde höchstpersönlich involviert: Eine Bedingung für die Namens-Erlaubnis war, dass sie ein Mitspracherecht bei der Gestaltung hatte. Und so ziert noch heute die Unterschrift von Prinzessin Feodora und das Wappen von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg auf gelben Untergrund die Verpackung der Schokolade – war doch Gelb die Lieblingsfarbe von Kaiserin Auguste Viktoria. Die Kaiserin ließ es sich nicht nehmen, die von ihr gestalteten Tafeln mit dem Namen ihrer kleinen Schwester dann höchstpersönlich auf einem Wohltätigkeitsbasar in Potsdam zu verkaufen.

Die „Feodora“-Schokolade gibt es noch heute, auch wenn die Besitzer der Marke im Wandel der Zeiten wechselten und das Design, wie man sieht, leicht der Zeit angepasst wurde. Jetzt wird sie von einer Firma gleichen Namens, die in Bremen ansässig ist, hergestellt und vermarktet.

Eine Indianerin als Opernsängerin

Der O-Text der Bildunterschrift lautet:

 Die berühmte Altistin Frau Schumann-Heinck (1), die zurzeit in Amerika gastiert, hat dort in der Indianerin Susanne Mc. Daniel (2) eine hochtalentierte Sängerin entdeckt, deren Ausbildung sie zunächst selbst übernommen hat. Ihre weitere Ausbildung erhält die angehende Sängerin auf dem Konservatorium in Dresden. Die junge Indianerin ist 22 Jahre alt und seit fünf Jahren verheiratet. Ihr Gatte ist ein Weißer.

Gut, daß die beiden Damen mit Nummern gekennzeichnet sind. Sonst hätten wir die Indianerin gar nicht erkannt, so angeglichen wie sie in Frisur und Kleidung an ihre deutsche Lehrerin ist. Höchstens am Alter. Ob der (weiße) Gatte mit nach Deutschland kam? Ob sie reüssierte? Wenn wir in den damaligen Zeitschriften weitere Berichte finden, halten wir Dich gerne auf dem Laufenden.

In jedem Fall hatte die indianische Dame Mut! Mut, etwas Neues anzufangen und zu unbekannten Ufern aufzubrechen. Und den wünsche ich Euch auch! Den Mut, heraus aus der Komfortzone mal in eine andere -neue- Richtung zu gehen. Den Mut, etwas zu tun, was man sonst nicht macht oder noch nie gemacht hat. Es muß ja nicht gleich eine Opernsänger-Ausbildung sein…

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen aufregenden November!

Herzlichst

Eure Grete

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