Die Aok Methode – mit Seife gegen Hässlichkeit

 In Alltagsleben, Unkategorisiert, Werbung des Monats

Als ich diese Anzeige sah, mußte ich schmunzeln. Auf zum Kampf gegen Hässlichkeit! Damals noch expliziter benannt und illustriert als heute, wie einige der folgenden Annoncen zeigen. Doch natürlich geht es beim Gebrauch von Kosmetik vor allem um ein besseres Aussehen.

Denn Schönheit ist ein Thema, was zu jeder Zeit wichtig war! Insbesondere für die Frauen – zumindest damals. Heute beanspruchen manche Männer für ihre Schönheitspflege mehr Platz im Bad als die Frau. Aber auch das ist Emanzipation, ausnahmsweise mal andersherum…

Blättert man in alten Zeitschriften, findet man recht viele Annoncen für Schönheitsmittel mit den tollsten Versprechungen: größere Brüste, eine „runzelfreie“ Haut, keine Krähenfüße und Doppelkinn, dichtes lockiges langes Haar mehr, und, und, und…

Wo es diese Wundermittel gibt? Leider meist nicht mehr (komisch 😊) oder in moderner Ausführung von anderen Anbietern – die Versprechungen sind ähnlich, die Wirkung -nun ja. Man muß vor allem selbst daran glauben.

Noch heute könnte man mit einem wirklich hilfreichen Mittel für Haarwuchs reich werden!

Aber was war eigentlich damals das Schönheitsideal, was man erreichen wollte: In der Werbung mit der (reim dich oder ich fress Dich) Überschrift „Frauenreiz wird nie vergehn, nur durch ‚Wikö‘ wirst Du schön“ wird es beschrieben:

Die Haut wird zart und sammet (samt-)weich, der Teint rein, blütenweiß und von schimmernder Durchsichtigkeit. Hohle Wangen, magere Körperteile erhalten Fülle, Form und Festigkeit…

 Damals war vornehme Blässe angesagt. Inzwischen ist man durch die Schädlichkeit der Sonnenstrahlung auch schon wieder weg vom Ideal der tiefen Bräune der 70er und 80er Jahre (in denen man sich sorglos bräunte und hin wieder eine Creme mit Lichtschutzfaktor 3 benutzte). Heute ist eine zarte Tönung angesagt, als käme man gerade von einem Spaziergang in der Sonne.

Neben Mitteln, die wir heute als ungesund und sogar schädlich einstufen würden, gab es aber auch damals schon Kosmetika, die auf Naturbasis hergestellt wurde.

Anscheinend waren Apotheken Orte für Innovationen, denn so einige Firmen und Marken starteten in Apotheken – so z.B. auch Dr. Oetker. Ein Grund – damals wurden Medikamente und Mittelchen noch oft vom Apotheker persönlich aus ihren einzelnen Bestandteilen zusammengerührt – da lag es nahe, auch selbst damit zu experimentieren. In diesem Fall war es Wilhelm Anhalt, der in seiner Apotheke im Ostseebad Kolberg Schönheitsmittel verkaufte, die vorwiegend  aus natürlichen Mitteln hergestellt waren.

Die drei Abbildungen wurden von der Firma Labori freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Ein Klassiker der ersten Stunde war die Seesand-Mandelkleie gegen Hautunreinheiten, bis heute gibt es ein Peeling mit Seesand.

Anhalt verkaufte seine Produkte vorwiegend an Kurgäste und Sommerfrischler – sie wollten schön sein und hatten auch das nötige Kleingeld zum Kauf. Weitere Produkte wie Cremes entstanden und 1903 ließ sich der Apotheker Anhalt seine Marke Aok schützen. Aok setzt sich aus dem Namen Anhalt, Ostseebad und Kolberg zusammen.

Mittlerweile wurden die kosmetischen Mittel auch längst nicht mehr in der Apotheke produziert, sondern industriell – die Firma hieß zunächst „Wilhelm Anhalt G.m.b.H.. Später (ab ca. 1907) nannte man sich dann „Kolberger Anstalten für Exterikultur“ und wurde in Annoncen, z.B. dieser als „größtes Etablissement der Welt für schönheitsfordernde Körperkultur auf wissenschaftlicher Basis“ dargestellt. Das Bild mit der Firma sieht tatsächlich beeindruckend aus. Interessant ist, dass hier gleichfalls mit dem Attribut „wissenschaftlich“ gearbeitet wird, was wohl die Seriosität und den Anspruch unterstreichen soll.

Apropos Anzeigen, neben Annoncen in diversen Familien- und Frauenzeitschriften, z.B. der Gartenlaube und „Sonntagszeitung für die deutsche Frau“ arbeitete Aok auch mit Broschüren. Zunächst noch „gegen Einsendung des Rückportos“, später dann kostenlos konnten diverse Schriften bezogen werden, in denen als Lösung für die eigenen Schönheitsprobleme die „Aok-Methode“ empfohlen wurde.

Für uns heute zum Schmunzeln:  In dieser ganzseitigen Anzeige von 1907 heißt es, da man so viele Anfragen für Lösungen zu speziellen Hautproblemen bekam, blieb der Firma nichts anderes übrig als „Die Flucht in die Oeffentlichkeit“.

Wie man sieht, sind für diverse Haut-Probleme natürlich Aok-Produkte die Lösung, ergänzt durch andere Mittel wie die Zahnpasta Kosmodont und das Haarwuchsmittel Javol, welche gleichfalls im Hause produziert wurden. Bei Hautausschlag stand als Ratschlag: „Sache des Arztes“ – immerhin verantwortungsbewusst.

Später warb man mit beliebten Schauspielerinnen für die eigenen Produkte, so z.B. in dieser Werbung von 1913 mit Else Lehmann.

In einem Artikel von 1921 ist dieses Foto des in seiner Größe eindrucksvollen Fabrikgebäudes abgebildet und im (werbemäßig verfassten) Text dazu bekommt man einen Eindruck von der Größe der „Exterikultur Anstalten“:

Lange Reihen gewandter Arbeitskräfte hüllen die Erzeugnisse in ihre geschmackvollen Packungen, die in einem ausgedehnten, wunderbar übersichtlichen Lager aufgestapelt sind. Eine eigene Hausdruckerei mit modernsten Maschinen und Schnellpressen liefert mit Hilfe eines schönen und reichen Schriftenmaterials die Millionen von Drucksachen. Eigene Kistenfabrikation, Elektrizitätswerk, lange helle Büroräume voll intensivster Arbeit — überall spürt man den Geist eines unermüdlichen Wollens, die Erfüllung eines großartigen Planes.

Quelle: Deutschland Städtebau Kolberg, 1921

Im Text wird gleichfalls deutlich, wie wichtig das Unternehmen für den Ostseeort Kolberg war, zum einen als wichtiger Arbeitgeber, zum anderen auch, um den Ort in der Welt bekannter zu machen, denn der Name prangte ja auf jedem Produkt.

Zur weiteren Entwicklung des Unternehmens gibt es nur spärliche Informationen: Der Unternehmensgründer Wilhelm Anhalt starb 1940. Nach dem 2. Weltkrieg war das Unternehmensgebäude zerstört und Kolberg gehörte nunmehr zu Polen. Der neue Unternehmenssitz der Firma wurde nach Bad Münster am Stein in Rheinland-Pfalz verlegt bzw. ab 1949 dort aufgebaut. Es ist zu vermuten, dass man sich nach dem Krieg auf die Produktion der Aok-Produktpalette beschränkte und weder Zahnpasta noch Haarwasser weiter hergestellt wurden.

1973 wurde das Unternehmen von einem Pharmakonzern aufgekauft, 1983 vom Düsseldorfer Henkel-Konzern übernommen.  Seit 2019 gehört die Marke Aok zur niederländischen Firma Labori.

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