Aufbruch der neuen Frauen: Asta Nielsen – erster Stummfilmstar und Ikone

 In Frauenbewegung, Frauenleben, Gastbeitrag, Unkategorisiert

Ein Gastartikel von Barbara Beuys

Über die Autorin

Gastautorin Barbara Beuys hat sich als Historikerin intensiv mit den Veränderungen, die es im Frauenleben Anfang des 20. Jahrhunderts gab, beschäftigt. Sind sie doch Thema ihres 2014 erschienenen Buches „Die neuen Frauen. Revolution im Kaiserreich 1900-1914.“

Asta Nielsen, der erste Stummfilmstar, war definitiv eine dieser neuen Frauen – mehr noch, ein Vorbild für sie. In ihren Rollen führte sie ein selbstbestimmtes Leben vor – was Thema des neuesten Werks von Barbara Beuys ist: „Asta Nielsen – Filmgenie und Neue Frau“.

Im folgenden Artikel verknüpft sie beides und gibt uns nach einer Einführung in die Situation der Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts, einen Einblick, wie sich das Kino entwickelte. Und auch, wer das Kino gerne besuchte. Frauen waren dabei ein größerer Teil des Publikums. Obwohl es gegen die neue (berufstätige) Frauenrolle im allgemeinen und gegen Kinobesuche im besonderen, Bestrebungen (der Männer) gab, dies zu untersagen, war doch die Zeit vorbei, solche Forderungen durchzusetzen. Gleichfalls erzählt sie, warum Asta Nielsen in ihren Filmrollen eine Identifikationsfigur für die Frauen wurde.

Barbara Beuys arbeitete nach ihrer Promotion in Geschichte zunächst bei verschiedenen Zeitungen wie z.B. „Stern“ oder „Die Zeit“.
Als Autorin hat sie inzwischen über ein Dutzend Bücher veröffentlicht. Insbesondere die Biographien von interessanten Frauen faszinieren sie. Für ihre Arbeit wurde sie 2017 mit dem renommierten Luise Büchner-Preis ausgezeichnet.
Wer bei ihrem Namen kurz stutzt – ja, sie ist verwandt mit dem renommierten Künstler Joseph Beuys!

Aufbruchsstimmung: Die Frauenbewegung und ihre Ziele

Im Juni 1904 berichteten die Illustrierten mit großen Fotos über ein Ereignis in der Reichshauptstadt: Delegierte aus aller Welt waren zum Internationalen Frauenkongress nach Berlin gereist, unzählige Besucherinnen genossen die Empfänge mit  köstlichen Buffets ebenso wie die Vorträge in der Philharmonie.

Ein Höhepunkt war der Empfang einer Frauendelegation durch Kaiserin Auguste Viktoria  im Berliner Schloss. Während alle gemäß dem Protokoll stehen mussten, ließ die Kaiserin für Susan B. Anthony einen Lehnstuhl bringen. Die Vierundachtzigjährige, Ikone der amerikanischen Frauenbewegung, hatte die Fahrt über den Atlantik nicht gescheut und hielt nun, so berichteten es die Zeitungen, der Gemahlin des Kaisers ein „Privatissimum über die Frauenbewegung“.

Dass der Internationale Frauenweltbund nach Berlin eingeladen hatte und ein solches Echo fand, war ein Erfolg für den Bund Deutscher Frauenvereine. 1894 war er als Dachverband für die verschiedensten Frauenorganisationen im Reich gegründet worden, um gemeinsam für gleiche Rechte der Frauen in allen öffentlichen Bereichen – sei es Wissenschaft, Bildung, Politik oder der berufliche Sektor – zu kämpfen. Und der Kongress brachte es an den Tag: Die Frauenbewegung saß nicht mehr am Katzentisch der Gesellschaft sondern wurde ernst genommen. Anlass genug, dass die Gegner der Frauenemanzipation, die Frauen auf den privaten Bereich in Wohnzimmer und Küche beschränken wollten, ebenfalls in die Schlagzeilen drängten.

Im gleichen Jahr 1904 hielt der Privatdozent Dr. med. Julius Heller vor der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege einen Vortrag, in dem behauptete, für Frauen sei allein Hausarbeit unbedenklich. Diese These kam dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband (DHV) wie gerufen. Er ließ den Vortrag sofort verbreiten. Der DHV war 1893 gegründet worden mit dem Hinweis, keine Frauen und keine Juden als Mitglieder aufzunehmen. Er sah sich als Kampfbund, der eine Mischung aus Antifeminismus, Antisemitismus und radikal-nationaler völkischer Ideologie vertrat, weibliche Angestellte als „Schmutzkonkurrenz“ verteufelte und jene Männer an sich zog, die sich in Staat und Gesellschaft als Verlierer fühlten, weil sie nicht mehr allein die öffentliche Bühne beherrschten. Doch am Ende des 19. Jahrhunderts hatte eine neue Zeit begonnen.

Nichts steht so sehr für das neue Bild der Frau wie das Fräulein vom Amt. 1897 arbeiteten rund 2800 Frauen in den deutschen Telefonzentralen; vierzehn Jahre später werden es 20000 sein. Dicht gedrängt nebeneinander sitzend, mit einem Mikrofon am Ohr, Schnüren und blinkende Lampen überall, war jede von ihnen für zehntausend Anschlüsse verantwortlich. Jedes Telefongespräch musste über das Amt laufen.

Schnell wurde Kritik laut. Die Frauen im Amt sollten ihre Plätze wieder räumen, diese Arbeit sei ungesund und hysterisch machend. Doch die Herren in den Chefetagen von Siemens, dem Monopolanbieter für Telefontechnik, ignorierten solche Stimmen; sie wussten, was sie an den Frauen im Amt hatten. Die verloren inmitten aller Hektik nicht die Nerven und reagierten besser als Männer.

Ein weiteres Arbeitsfeld der Moderne, das auf Frauen angewiesen war, entstand mit dem Dienstleistungssektor: in Wirtschaft und Industrie, in Verwaltung und Bürokratie der sprunghaft wachsenden Städte standen neue Geräte aus den USA, bei der Schreibmaschine angefangen. Auch hier waren flinke und geschickte Hände gefragt. Die Männer, die bisher am Stehpult das Monopol in der Büroarbeit hatten, fanden wenig Vergnügen daran. Nachdem sie die neue maschinelle Arbeit als Hilfsarbeit abgewertet hatten, durften Frauen als „Tippmamsell“ ihren Dienst antreten.

Die Frauenvereine ermunterten die jungen Mädchen, nicht auf dem Stand von ungelernten Bürokräften stehen zu bleiben. Und sie erreichten, dass die Gemeinden ab Herbst 1900 Fortbildungsschulen für weibliche Handelsangestellte betrieben. Es waren Frauen der mittleren bürgerlichen Kreise, die als erste Generation ihr eigenes Geld verdienten und nicht mehr Zuhause auf  einen Ehemann  warteten, um durch eine standesgemäße Heirat versorgt zu sein.

Ein kleinerer Teil der Bürgertöchter hatte noch ehrgeizigere Pläne. Aber der Weg zu einer weiblichen Ausbildung an den Universitäten war gesperrt. Im deutschen Reich durften Mädchen bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht aufs Gymnasium gehen und folglich nicht studieren. Das erste Mädchengymnasium 1893 in Karlsruhe war eine große Ausnahme. Erst ab der Jahrhundertwende wurde nach und nach eine gymnasiale Ausbildung für Mädchen die Regel. Ab 1900 konnten Frauen erstmals in Baden sich gleichberechtigt neben jungen Männern immatrikulieren, Bayern folgte 1903 – das großflächige Preußen 1908.

Helene Lange, seit 1876 Leiterin einer privaten höheren Mädchenschule in Berlin, war überzeugt, dass Bildung der Schlüssel zur Emanzipation ist.

Doch der  Abschluss an ihrer Schule war dem Abitur nicht gleichgesetzt. Dank guter Beziehungen bis in die kaiserliche Familie konnte sie 1893 in Berlin den ersten „Gymnasialkurs für Mädchen“ einrichten. Dessen Abschluss nach vier Jahren vor externen Prüfern wurde als Ausweis für eine „etwaige wissenschaftliche Tätigkeit“ von Frauen anerkannt. Im gleichen Jahr wurde Helene Lange in den Vorstand vom Allgemeinen Deutschen Frauenverein berufen und eine der führenden Köpfe der Frauenbewegung.

Hermine Edenhuizen, in einem ostfriesischen Dorf geboren, machte 1896 erfolgreich ihren Abschluss im „Gymnasialkurs“ bei Helene Lange. Und sie war so mutig – zusammen mit einer Freundin -,  erst in Berlin und dann in Bonn an der Universität misstrauische Medizin-Professoren darum zu bitten, als Gasthörerin an Vorlesungen und Seminaren teilzunehmen.  Im April 1903 bestanden die beiden an der Universität Bonn das medizinische Staatsexamen mit der Note 1, und waren die ersten in Deutschland anerkannten Ärztinnen. Allerdings durften sich in Preußen Frauen erst 1908 gleichberechtigt mit den Männern immatrikulieren. Parallel zum Aufbruch in nie gekannte  weibliche Berufswelten stieß die Technik die Türe weit auf zu einem Raum, in dem Frauen nach der Arbeit ein weiteres nie erlebtes Stück Freiheit genießen konnten.

 

Die Anfänge des Kinos und ihr erster Star

Am 28. Dezember 1895 zeigten die Brüder Auguste und Louis Jean Lumière im Grand-Café in Paris mit ihrer sensationellen Erfindung, dem Kinematographen, auf einer Leinwand „Bewegte Bilder“. 1897 eröffneten sie an der Seine das erste Kino weltweit. Eine friedliche Revolution begann, die ein  Kennzeichen der globalen Moderne wurde.

In den ersten Jahren wurde eine Leinwand auf Wiesen zwischen Bäumen, in Zelten und Kneipen für die „bewegten Bilder“ aufgespannt. Anschließend eroberten  Wanderkinos, die schnell auf- und abgebaut werden konnten, die Jahrmärkte. Ab 1905, als die Warenhäuser in den Großstädten viele kleine Geschäfte in die Krise stürzten, kauften bankrotte Ladenbesitzer einen Kinemathographen, stellten Klappstühle in den leeren Laden und fertig waren die ersten ortsfesten Kinos. Im Vorraum konnte man essen und Bier trinken. Ab elf Uhr morgens liefen ohne Pause Kurzfilme, zwischen 3 und 10 Minuten, längere Filme waren aus technischen Gründen nicht machbar. 1910 zählte man 1200  ortsfeste Kinos in Deutschland.

Die revolutionäre technische Erfindung hatte eine soziale Revolution zur Folge.  Die Macht der „Bewegten Bilder“ führte alle sozialen Klassen zusammen. Im Kino erlebten die Menschen ein Gemeinschaftsgefühl, für das es zuvor keinen Raum und keinen Anlass gegeben hatte, vor allem nicht für Frauen. Am Nachmittag strömten die Hausfrauen ins Kino. In den Abendvorführungen genossen nach einem langen Arbeitstag Kontoristinnen und Verkäuferinnen, Telefonistinnen und Arbeiterinnen, aber ebenso Lehrerinnen und Krankenpflegerinnen im dunklen Kinosaal entspannende Stunden.

Kaum waren die ersten Kinos etabliert, taten sich Lehrer und Pfarrer, Ärzte und Künstler in der „Kinoreformbewegung“ zusammen. Das Kino war nicht mehr aus der Welt zu schaffen, deshalb forderten sie, wenigstens die Frauen von diesem „Instrument des Teufels“  fern zu halten. Der Schriftsteller Victor Noack empörte sich in seiner Kampfschrift „Der Kino: etwas über sein Wesen und seine Bedeutung“, dass nicht nur Arbeiterinnen und Verkäuferinnen täglich die Kinos füllten sondern sogar „Hausfrauen“ hier Stammgäste seien. Die sollten besser „am Familientisch zu Hause, im Kreis ihrer Kinder“ bleiben.

Der Neurologe und Psychiater Robert Gaupp versuchte mit der „nervenzerrüttenden Macht der bewegten Bilder“ abzuschrecken: „Kinder, Mädchen und Frauen kommen häufig zu uns mit ernsten und qualvollen nervösen Erkrankungen. … Deshalb fort mit dem Schundfilm.“ Doch die „Sittenwächter“ kämpften auf verlorenem Posten. 1910 wurde in Dänemark eine technische Erfindung gemacht, die die Kinowelt vollends revolutionierte – und ihre Attraktion für das weibliche Geschlecht um ein vielfaches vergrößerte.

Bisher konnten die bewegten Schwarz-Weiß-Bilder nur auf fünfzehn Meter Zelluloidstreifen zusammengeschnitten werden, was eine durchgehende Filmsequenz von zwei Minuten bedeutete.  Unterschiedliche Sequenzen durften zu einem Zelluliodstreifen von maximal dreihundert Metern zusammengefügt werden. Aus  Kurzfilmen von zwei bis fünfzehn Minuten setzten die Kinobesitzer dann ein buntes Programm von maximal zwei Stunden zusammen.

Am 11. April 1910 gab es im dänischen Aarhus eine Weltpremiere: das Unternehmen Fotorama präsentierte einen Film von fünfunddreissig Minuten Dauer. In „Der weiße Sklavenhandel“ konnte erstmals eine durchgehende Geschichte erzählt werden, weil dieser Film dank einer technischen Neuerung in einem Stück auf 706 Meter Zelluloid gebannt war.

Zur gleichen Zeit langweilte sich in Kopenhagen die Theaterschauspielerin Asta Nielsen. Zwar erhielt sie vom „Neuen Theater“  ihre Gage, aber gespielt wurden in diesem Frühjahr erfolgversprechende Operetten, und da war Gesang und nicht Sprachkunst gefragt. Urban Gad, ein Theaterkollege und ebenso arbeitslos, hatte Erfahrungen im Filmgeschäft und fragte seine Kollegin: „Wenn ich nun einen Film schreibe, würden Sie darin spielen?“ Eine ähnliche Anfrage hatte sie im Jahr zuvor  noch empört als künstlerischen Abstieg abgelehnt. Aber inzwischen war ihr Ärger auf das Theater so groß, dass sie selbstbewusst Ja sagte.

Urban Gad organisierte das nötige Geld und drehte im Juni mit der neunundzwanzigjährigen Asta Nielsen und einer Filmcrew acht Tage lang in einem stillgelegten Gefängnis am Stadtrand von Kopenhagen. Dank seiner Kontakte hatte das Filmdrama „Afgrunden“  am 12. September 1910  Premiere im prächtigen Kosmorama, das 1904 als erstes Kino im Zentrum von Dänemarks Hauptstadt eröffnet worden war. „’Afgrunden’ lebt vor allem durch das junge Fräulein Asta Nielsen,“ schreibt die renommierte Zeitung Politiken. Die Schlussszene sei „einmalig“ dank ihrer tragischen Austrahlungskraft. Sieben Wochen lief der Film im Kosmorama mehr als einmal täglich. Es war ein Weltereignis, dass Menschen über Wochen in einen Kinosaal drängten und fünfundvierzig Minuten lang dem Lebens- und Liebesdrama einer Frau folgten.

Die Revolution vom Kurzfilm hin zum dramatischen Langfilm hatte über Nacht einen Namen und ein Gesicht bekommen, mit dem eine neue Qualität dieses Massenmediums verbunden war.

Selbstbewusst schrieb Asta Nielsen fünfundvierzig Jahre später in ihrer Autobiografie, im September 1910 sei in Kopenhagen „der künstlerische Film geboren und ein Wendepunkt in der Geschichte des Films eingetreten“.

Am 28. November 1910 hatte der Film unter dem Titel „Abgründe“ Deutschland-Premiere im Palast-Theater in Düsseldorf. Während „Abgründe“ in den folgenden Monaten von Paris bis Reykjavík Furore machte, unterschrieb Asta Nielsen im Mai 1911 in Frankfurt einen Exklusivvertrag mit der „Internationalen Film-Vertriebs-Gesellschaft“, deren wichtigste Gesellschafter in der deutschen Filmbranche führend waren. Sie verpflichtete  sich, unter der Regie von Urban Gad bis 1914 acht Filme pro Jahr zu drehen. Der Vertrag wurde eingehalten, die meisten Filme in Berlin gedreht, und sie machten Asta Nielsen endgültig zum Weltstar der Stummfilm-Ära. 1912 heirateten der Star und ihr Regisseur, und beide bezogen eine prächtige Wohnung in der Reichshauptstadt.

Die Reaktion auf die Filmdramen von Asta Nielsen war überwältigend. Nicht nur, dass bei ihren Filmpremieren in Berlin berittene Polizei bei den Menschen, die sich zu hunderten auf der Straße vor dem Kino drängten, für Ordnung sorgen mussten. Auch in den Klein- und Mittelstädten wird jeder neuer Film mit ihr sehnsüchtig erwartet – vom weiblichen Publikum. Asta Nielsen trifft einen Nerv im Leben der Frauen, unabhängig von deren Stand oder Bildung, weil sie in ihren Filmen die unterschiedlichsten Lebensentwürfe glaubhaft verkörpert und mutig aus herkömmlichen Konventionen ausbricht.  Sie spiegelt den Alltag wie die Hoffnungen und Träume ihres weiblichen Publikums. Sie berührt tiefe Gefühle, wenn sie Frauen spielt, die in ihrer Leidenschaft alle Grenzen überschreiten und weder vor Mord noch Selbstmord zurückschrecken.

Asta Nielsen demonstriert mit ihren Rollen ein weibliches Selbstbewusstsein, das auch ihr persönliches Markenzeichen ist: kein Opfer sein zu wollen, einen eigenen Weg zu gehen. Sie ermutigt mit ihrem Vorbild Frauen,  sich ihre  Freiheiten nehmen. Kein Wunder, dass sich noch einmal jene lautstark zu Wort melden, denen die modernen neuen Frauen ein Gräuel sind und die mit allen Mitteln die Männer-Welt von gestern erhalten wollen.

Im Juni 1912 gründet Oberlehrer Friedrich Sigismund aus Weimar den Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation. Er will eine „Bewegung eindämmen, die der Gesamtheit zum Verderben, dem Manne zum Unsegen, der Frau zum Fluch gereichen muss“. Er findet Mitstreiter unter Regierungsräten, Staatsministern und höchsten Richtern, auch Pfarrer und Mediziner sind wieder dabei. Einer der Mitbegründer ist Professor Max von der Gruber, Direktor des Hygiene-Instituts in München. Er verkündet Altbekanntes: dass Frauen, die im Berufsleben stehen, nicht „die ungeheure Last der Mutterschaft“ tragen können. Er fordert zum Widerstand auf und sich „nicht gutwillig darein zu fügen“, dass „unser Volk am Feminismus erlahmt und verdirbt“.

Die Parolen der Antifeministen machten Schlagzeilen. Doch Erstaunliches geschieht: Eine Welle öffentlicher Solidarität zeigte an, dass eine organisierte Bekämpfung der Frauenemanzipation nicht mehr in die Zeit passte. Von vielen Seiten bekam der Bund Deutscher Frauenvereine Zuspruch. In Mannheim nannte der katholische Stadtpfarrer den Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation die „Missgeburt einer Antifrauenbewegung“  und fand lobende Worte für die Frauen, die man einst verteufelt hatte.

Die Arbeit der Frauenvereine und vieler einzelner Kämpferinnen für Emanzipation im Kaiserreich war nicht umsonst gewesen. Es gab noch viel zu tun. Frauen würden weiterhin auf die Straße gehen, um im Kaiserreich endlich wählen zu dürfen. Aber das Echo auf die Männer von Gestern wie die vielen Frauen, die sich im Kino von Asta-Nielsen-Filmen Kraft für ein selbstbestimmtes Leben holen, sind ein Beweis, wie sehr die deutsche Gesellschaft sich mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verändert und der Moderne geöffnet hat.

Thema „Neue Frauen“ – zum Weiterlesen

Grete Otto „Die Erste – eine Rubrik, die Mut machte“

Daniela Frey „Mädchen und Frauen heraus aus der Finsternis!“
Der lange Weg zum Frauenwahlrecht und der Konstanzer Frauenstimmrechtsverein

Grete Otto „Pionierinnen der Lüfte“ (4-teiliger Gastartikel Zeppelin Museum Friedrichshafen)

Patrick Bochmann: „Ein Lehrerinnenseminar der 1. Stunde – Callnberg“

Empfohlene Artikel

Kommentieren