Ostern – Ursprung, Mythen und Gebräuche

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Ostern – Fest der Auferstehung Christi, der Fruchtbarkeit und des Osterhasen. Der Frühling siegt über den Winter, das Licht über das Dunkel und das Leben über den Tod.

Drücken solche Aussagen aktuell Hoffnung auf Normalität und Optimismus aus, so haben sie doch seit langem ihre Bedeutung, die mit diesem Fest verknüpft ist.

Ich habe mich gefragt, welchen Ursprung Ostern hat (abgesehen von seiner christlichen Bedeutung), welche Osterbräuche es zur Kaiserzeit gab und welche noch heute gepflegt werden?

In alten Zeitschriften aus den Jahren 1910-1913 habe ich einiges dazu gefunden – und weitere in heutigen Publikationen. Manche Erklärung von damals unterscheidet sich kaum von der heutigen, andere schon:

Religiöser Ursprung des Festes

Sicher ist (auch heute noch), dass ein Vorläufer des christlichen Osterfestes das jüdische Passah- (so sagte man 1913) oder auch Pessach-Fest (hebräisch, heutige Bezeichnung) ist. Die Juden feiern an diesem Tag die Befreiung von den Ägyptern durch Gott. Da der ägyptische König Pharao die Juden nicht freiwillig aus der Unterdrückung entlassen wollte, wurde er dafür laut altem Testament von Gott mit Plagen gestraft, die ihn und sein ganzes Land trafen. Eine davon war der Tod der Erstgeborenen jeder Familie. Um diesem zu entgehen, befahl Gott den jüdischen Familien, ein Lamm zu schlachten und mit dessen Blut die Pfosten ihres Hauses zu bestreichen. Denn alle, deren Haustür mit Blut bestrichen war, blieben von der Strafe verschont. In diesem Andenken schlachtet man zum Pessach-Fest ein Lamm.

Auch Jesus nahm auf diesen Brauch Bezug, als er in seinem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern das Brot brach und den Wein segnete. Mit den Worten „“dies ist mein Leib … und dies ist mein Blut …“ nahm er seinen Tod am Kreuz vorweg als symbolisches Opferlamm. Er opfert sich für die Welt – und Gott lässt ihn am Ostersonntag auferstehen.

1913 wird es in einem Artikel der Sonntagszeitung so erklärt und auch heute ist die Erklärung ganz ähnlich nachzulesen.

Wie ist der Name „Ostern“ entstanden?

In etlichen Sprachen, z.B. französisch (pâques), italienisch (pasqua), niederländisch (pasen) und dänisch (påske) leitet sich das Wort von pas-cha, hergeleitet vom hebräischen „pessach“ab.

Und im Deutschen? Zur Kaiserzeit, so im Artikel von 1913 erzählt, wird der deutsche Ursprung des Wortes in der germanischen Frühlingsgöttin „Ostara“ (oder Ostera) vermutet und wäre damit heidnischen Ursprungs. Auch heute noch bestehende Ortsnamen wie Osterode, Osternburg, Osterberg, Ostra (heute Teil von Dresden) etc. wurden nach dieser Erklärung nicht nach der Himmelsrichtung, sondern nach alten Kultstätten der germanischen Frühlingsgöttin benannt. Diese Theorie wurde übrigens zuerst von Jacob Grimm (der ältere der Märchensammler Gebrüder Grimm) aufgestellt. Allerdings ist sie inzwischen sehr umstritten – die Namensdeutung erscheint problematisch und auch die Existenz der Frühlingsgöttin Ostara ist wenig belegbar. Diese Erklärung gehört damit sehr wahrscheinlich in das Reich der Mythen.

Nachsatz: Dafür, dass ihre Existenz recht unwahrscheinlich ist, kommt sie in Erklärungen von Osterbräuchen auf den verschiedensten Webseiten verdammt häufig vor!

Die heutige Erklärung geht davon aus, dass die Wörter „Ostern“ und das englische „easter“ die gleiche sprachliche Wurzel haben und zwar abgeleitet von altgermanischen Begriff (ausro) für Morgenröte – eventuell könnte es sogar die Bezeichnung für ein germanisches Frühlingsfest gewesen sein. Der Wortursprung ist also weniger göttlich, hat aber auch etwas mit Frühling (und germanischen Wurzeln) zu tun. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, hier kann man dazu detailliertere Informationen nachlesen.

Rund um das Osterfest werden schon seit alter Zeit verschiedene Bräuche gepflegt, im folgenden stelle ich einige vor:

Das Osterfeuer

Sowohl heidnische als auch christliche Traditionen spielen hier eine Rolle. Die Feuer waren ein Symbol für die lebensspendende und fruchtweckende Sonne, die zur Osterzeit den Frühling bringt und wichtig für das Gedeihen aller Pflanzen ist.

In der christlichen Religion ist das Feuer ein Symbol für die Auferstehung Christi

Bei den alten Parsen (Religionsgemeinschaft, die ursprünglich aus Persien kam, bekannter Parse: Freddy Mercury) die Feueranbeter waren, musste das Osterfeuer durch Aneinanderreiben zweier Hölzer, also durch sich selbst entzündet werden, es durfte nicht von einem bestehenden Feuer entfacht werden. Dieses Feuer war besonders segensreich, man nahm einen brennenden Scheit für den eigenen Herd mit. Auch in anderen Religionen wird dieser Brauch gepflegt.

Dem Osterfeuer sagte man auch nach, dass soweit es leuchtete, die Früchte gedeihen würden – als Kultfeuer für die Göttin der Fruchtbarkeit.

Außerdem hieß es, soweit es leuchtete, war man auch das ganze Jahr vor einer Feuersbrunst geschützt. Wer um das Feuer tanzte (oder sogar hindurch), blieb vom bösen Fieber verschont. Bei Seuchen und Epidemien durften Notfeuer auch außerhalb der Osterzeit mit Zeichen auf guten Erfolg angezündet werden.

Karl der Große verbot den heidnischen Zauber – „hatte damit allerdings nicht den geringsten Erfolg“ – so wird es im Artikel von 1913 erzählt und ist durch das Weiterleben des Brauchs bis heute bewiesen!

Das Osterwasser

Wie das Feuer so war auch das Wasser schon in vorchristlichen (heidnischen) Zeiten ein Symbol für Lebenskraft und Reinigung. Bei den germanischen Frühlingsfesten wurde der Fruchtbarkeitsgöttin (Ostara?) Wasser dargebracht – man glaubte an seine Wunderkraft.

Noch heute gibt es die Tradition für Mädchen, am frühen Morgen des Ostersonntags an eine Quelle zu gehen und daraus Wasser zu schöpfen oder sich zu waschen – Bedingung für die Zauberkraft des Wassers ist aber, dass weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg gesprochen wird, nicht einmal grüßen darf man oder einen Gruß erwidern. Wird das Ritual befolgt, bleibt man gesund, froh und schön. In manchen Gegenden heißt es sogar, dass dann ein Wunsch in Erfüllung geht – nach dem Liebsten seiner Wahl oder auch schwanger zu werden. Ja, jetzt sind wir wieder im Reich der Mythen – aber warum nicht: „Wenn’s hilft!“.

In der Tradition der katholischen Kirche wird das in der Osternacht (Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag) geweihte Wasser als Osterwasser bezeichnet und als Taufwasser verwendet.

Ostereier

Im Artikel von 1913 wird erzählt, dass schon in heidnischer Zeit beim Frühlingsfest Eier verteilt und auch bunt gefärbt wurden – hier spielte insbesondere die rote Farbe als Gleichnis für das Sonnenfeuer eine große Rolle. Das Hühnerei war dabei Sinnbild für die Fruchtbarkeit.

In der christlichen Tradition ist das Ei mit seiner unversehrten Schale Symbol für die Auferstehung Christi: Wie das Kücken die Schale durchbricht, entsteigt Jesus unversehrt dem Felsengrab. Das Ei war ein wichtiges Lebensmittel und durch das Hartkochen konnte es länger aufbewahrt und nach der Fastenzeit zu Ostern verspeist werden.

In manchen Gegenden werden Ostereier nach bestimmten Techniken dekoriert – eine besondere Tradition haben hier z.B. die sorbischen Ostereier, die mit einer Wachstechnik kunstvoll verziert werden.

Bräuche rund um das Ostereiersuchen

Der Ursprung des Brauches ist nicht wirklich überliefert, aber wohl seit dem 17. Jahrhundert dokumentiert, der Artikel von 1913 erzählt noch dazu: „In Augsburg wurde noch im 17. Jahrhundert ein eigentümlicher Eierwettlauf veranstaltet.“ Sicher ist: Ostereier werden gerne von den Kleinen und auch den Großen gesucht!

Eierwerfen:

Bei einem Spaziergang werden gekochte Eier mitgenommen und bis zu einem vereinbarten Zielpunkt geworfen – wer es mit den wenigsten Würfen schafft, hat gewonnen! Dieser Brauch ist besonders in Norddeutschland heimisch, die Eier dazu sollten besonders hart gekocht sein! In Thüringen und in Bayern werden die Eier in manchen Gegenden in Netze gepackt  -wer sein Netz auf einer Wiese am weitesten schleudert und wessen Ei noch ganz ist, der hat den Wettbewerb gewonnen!

Eierrollen (oder Schibbeln):

In anderen Gegenden, z.B .im Westerwald, werden die Eier einen Hügel hinunter gerollt – wessen Ei die meisten anderen Eier berührt, hat gewonnen.

Eierpicken (oder –titschen):

Gerne auch am Familientisch zu Ostersonntag praktiziert: Gekochte Eier werden reihum gegeneinander gestoßen, Sieger ist, wessen Ei zum Schluss noch unversehrt ist.

Und so gibt es noch viele weitere regionale Bräuche. Ergänzt gerne weitere Bräuche Eurer Region in den Kommentaren!

Last but not least: Der Osterhase:

Der Hase war –da besonders fruchtbar- gleichfalls ein Symbol für Fruchtbarkeit und (zum letzten Mal) kommt die Frühlingsgöttin Ostara ins Spiel – im heidnischen Glauben war ihr der Hase als heiliges Tier zugeordnet. Als Überbringer der Ostereier ist er aber erst seit dem 17. Jahrhundert überliefert. In ländlichen Gegenden (in denen sich die Kinder gut in der Natur auskannten) wurden die Eier übrigens noch eine längere Zeit vom Storch oder Kuckuck gebracht, sozusagen nach ihrer Rückkehr aus dem Süden – bis sich der Osterhase als Eierbringer schließlich durchsetzte.

Ostern – ein Fest des Konsums?

Die Kommerzialisierung von Ostern wurde übrigens schon in der Kaiserzeit beklagt, in einer Ausgabe der Mädchenzeitschrift „Kränzchen“ von 1910 heißt es dazu:

„Im Laufe der Zeit hat sich die Schlichtheit der natürlichen Ostereier zu einem wahrhaften Ostereierluxus entwickelt. An den Schaufenstern erblickt man in den Wochen vor Ostern die wunderlichsten Formen und Farben von Eiern in Schokolade, Marzipan, Holz, Porzellan. Sie liegen in kunstvoll gearbeiteten Nestern, Wagen, Schiffen, Ständern, und die eigenartigsten Zusammenstellungen oft der drolligsten Art kann man hier antreffen.

So hat die Sitte des Ostereierschenkens zu einer förmlichen Osterindustrie geführt, und in allen Häusern, wo Kinder sind, werden von geschickten und spendefreudigen Händen auch Ostergeschenke gemacht.“

Das trifft wohl auch auf die heutige Zeit zu, der Osterhase bringt immer größere Geschenke und die Ostersüßigkeiten tauchen schon kurz nach dem Weihnachtsfest in den Supermärkten auf.

Fazit:

Mein persönlicher Eindruck nach der Oster-Recherche: Die meisten Oster-Traditionen sind heidnischen Ursprungs. Diese Gebräuche und Traditionen aus der Zeit vor Christus wurden von verschiedenen Religionen übernommen und weiterentwickelt und dann auch teilweise in einen eigenen religiösen Ursprung umgedeutet. Einiges bleibt dabei Vermutung und Mythos.

Aber in jeder Kultur und Religion, die Ostern auf ihre Art und Weise feierten und feiern, ist ein Ursprung die Freude auf den Frühling und die Kraft der Sonne, die den Winter besiegt.

Neben der Bedeutung als religiöses Fest bringen uns Rituale wie gemeinsames Ostereierfärben und -suchen sowie lokale Bräuche und Traditionen zum ursprünglichen Gedanken von Ostern zurück: gemeinsam die Rückkehr des Frühlings zu begehen.

Neben zeitgenössischen Bildern konnte ich hier endlich mal meine schönen nostalgischen Osterkarten-Motive zeigen! Wer Lust auf Osterbasteln mit nostalgischen Motiven hat – hier die Links zum Osterbasteln für Karten und Körbchen

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Zeige 2 Kommentare
  • Nina
    Antworten

    Liebe Grete, danke für Deinen Beitag zu Ostern, insbesondere die vielen Postkartenmotive.
    Herzlichst,
    Nina

    • Grete Otto
      Antworten

      Sehr gerne, zu Ostern gibt es nicht so viel Bildmaterial, da war das eine nette Alternative! Lieber Gruß Grete

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