Eine ältere Frau sitzt im Zug – wobei sie für unser heutiges Empfinden wahrscheinlich noch gar nicht so alt ist, zwischen Fünfzig und Sechzig. Das Altersempfinden hat sich zum Glück ETWAS geändert – aber das nur nebenbei.

Im Bahnhof einer Stadt, in der sie eigentlich aussteigen möchte, sieht sie plötzlich am Bahnsteig eine junge Frau, die von ihrer Familie zum Bahnhof gebracht wird und in diesen Zug einsteigen wird. Sie beschließt darauf, im Zug sitzen zu bleiben. Die junge Frau steigt mit ihrem kleinen Sohn Rudi zu ihr ins „Damencoupé“.

Während der Zugfahrt kommen die Beiden ins Gespräch. Justine, die jüngere Frau, ist auf dem Weg zur Kur in ein Stahlbad – so wurden damals Kurorte mit Quellen von eisenhaltigem Heilwasser genannt. Sie benötigt einige Wochen Erholung, obwohl sie schon jetzt befürchtet, sich in dem kleinen Kurort zu langweilen. Während der Fahrt beginnt sie von ihrer unglücklichen Jugend ohne Mutter zu erzählen.

Marie, die Ältere, öffnet sich Justine ebenfalls – vor langer Zeit hat sie ein Kind verloren, eine Tochter und ist nie wirklich darüber hinweggekommen.

Die ältere Dame beschließt, zusammen mit Justine in den Kurort zu fahren. Im Verlaufe der Geschichte wird sie zu ihrem Schutzengel und versucht sie vor einer Versuchung zu bewahren.

 

Im Spiele ist ein Kurschatten, ein treuer aber abkömmlicher Ehemann und ein Geheimnis, welches zwischen den Beiden erst am Ende geteilt wird (was man aber schon vorher ahnt). Mehr möchte ich gar nicht verraten.

Ich finde an der Geschichte interessant, wie das Kurleben erzählt wird.  Man erfährt viele Details, nicht nur darüber, wie damals gekurt wurde, sondern auch über das damalige Alltagsleben. Die Story ist gut lesbar geschrieben und ja, es ist auch Herz & Schmerz dabei. Aber immerhin von einem echten Nobelpreisträger erzählt! Hier findet Ihr nähere Informationen zu Autor Paul Heyse und ein Bild, wie er aussah.