Über Hanns von Zobeltitz

Hanns von Zobeltitz (1853-1918) war ein bekannter und erfolgreicher Unterhaltungsschriftsteller, dessen Romane, Erzählungen und Geschichten in einigen Wochenzeitschriften erschienen – meist in Fortsetzungen. Natürlich strebt jeder Schreibende zu Höherem und „Unterhaltungsschriftsteller“ ist dann nicht unbedingt ein Kompliment. In einer Widmung der Zeitschrift „Daheim“ zu seinem 60. Geburtstag heißt es:

Kritiker, die die Langeweile gepachtet haben, glaubten ihn besonders tödlich zu kränken, indem sie ihn einen Unterhaltungsschriftsteller nannten.

Tatsächlich waren wohl die meisten seiner Werke Unterhaltungsliteratur. Aber bei seinen besten Romanen „Der Alte auf Topper“ und „Auf märkischer Erde“ wurde von Zobeltitz in die Nähe von Theodor Fontane gerückt. In letzterem Roman schreibt er über eine verarmte Adelsfamilie, das Geschehen spielt auf dem Lande in der Mark Brandenburg. Nicht zufällig sind diese Schilderungen besonders authentisch, denn der Autor kommt aus dieser Gegend, geboren in Spiegelberg (heute Pozradlo in Polen). Sein Schicksal ist exemplarisch für das vieler Landadeliger. Viele adelige Söhne gingen zum Militär, so auch er. Die Güter des Landadels waren oft verschuldet oder wirtschaftlich eher schlecht aufgestellt. Obwohl adelig, standen die Geschwister des Sohnes, welcher das Gut erbte, danach mittellos da. Da die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht rosig waren, konnte der neue Besitzer des Gutes den Geschwistern, ob Schwestern oder Brüder auch keine großen Apanagen zahlen.

Die Schwestern verheirateten sich am besten vorteilhaft und die Brüder gingen zum Militär oder suchten sich einen anderen Broterwerb. Denn beim Militär wurde man zwar nicht reich, aber eine Stellung dort war gesellschaftlich sehr angesehen – wie es das Militär während der Kaiserzeit insgesamt war, nach dem Sieg im Krieg 1870/71.

Zurück zu Hanns von Zobeltitz: Tatsächlich kämpfte er als preußischer Offizier in diesem Krieg und schlug nach dem Verlust des elterlichen Gutes in der Brandenburgischen Mark eine Karriere beim Militär ein. Schon als Leutnant schrieb er Artikel in Militärzeitschriften und begann, nachdem er geheiratet hatte und das Ehepaar Kinder bekam (eine Tochter und ein Sohn, der später auch Schriftsteller wurde, sind überliefert), auch für Zeitschriften zu schreiben. Die Widmung in der „Daheim“ zu seinem 60. Geburtstag drückt es prosaisch aus:

 In jenen schweren Zeiten der jungen Ehe hat Hanns von Zobeltitz, um die für den wachsenden Haushalt erforderlichen Mittel herbeizuschaffen, leicht und flott darauf los geschrieben, noch unbekümmert um kritische Einreihung.

Als er vom damaligen „Daheim“-Herausgeber 1890 Klasing das Angebot erhielt, als Redakteur der Zeitschrift mitzuarbeiten, reichte er beim Militär seinen Abschied ein –schweren Herzens, wie es in der Geburtstagswürdigung steht.

In den meisten seiner Romane kommen Figuren aus dem Militär vor und auch die Brandenburgische Mark, seine Heimat, ist öfters Schauplatz des Geschehens bzw. die Geschichten spielen im Milieu des märkischen Landadels.

Später wurde er sogar Herausgeber der „Daheim“, so steht es jedenfalls in der Würdigung von 1913. Dort steht auch, dass er schon in den Jahren davor mit Krankheiten zu kämpfen hatte. Wirklich alt ist Hanns von Zobeltitz nicht geworden – er starb 1918 mit 64 Jahren in Bad Oeynhausen. Heute sind seine Werke eher vergessen – ob zu Recht oder Unrecht? Urteilt selbst.

Hier geht es zu einer Einführung der Geschichte und hier zum Anfang der Geschichte „Bretter, die die Welt bedeuten“ (erscheint am 22.3.19)