Der Ahlbecker Hof – ein Grandhotel einst und jetzt – mit Update 2019

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Das 1890 erbaute Hotel gehörte bereits zur Jahrhundertwende zu den Ahlbecker Hotels ersten Ranges. Auf Ansichtskarten von Ahlbeck aus dieser Zeit ist das Hotel fast immer zu sehen – zumindest im Hintergrund. Die majestätische Fassade, flankiert von zwei Türmen, beeindruckt(e) damals wie heute.

Der erste Hotelbesitzer war ein Herr Munkácsy, so steht es im „Adreßbuch für Swinemünde… und die benachbarten Ostseebäder Ahlbeck und Heringsdorf“ von 1896.

Anscheinend lief das Hotel schon in seinen Anfangsjahren gut – deshalb wurde es nämlich bis 1900 weiter ausgebaut. Wie Postkarten aus dieser Zeit bezeugen, wurde erstmal die linke Hälfte mit abschließenden Veranden gebaut, erst nach 1896 danach die rechte Hälfte. Die Veranden lagen nun in der Mitte und die klassizistische Fassade sah so aus, wie wir sie heute noch kennen. Was das so geplant? Wahrscheinlich.

Selbst nach 1900 war das Hotel noch nicht „ganz“ fertig: Es fehlte noch der Dachausbau rechts, wie auf der Postkarte zu sehen ist. Dieser erfolgte dann wohl im Zeitraum bis 1904. Die Seitentürme sahen wie zwei kleine Zwiebeltürme aus.

Das Hotel wurde mit 105 „mit allem Komfort der Neuzeit ausgestatteten Zimmer“ beschrieben. Was genau dieser Komfort war, dazu gibt es leider keine Originalquellen mehr, aber bei „Häusern 1. Ranges“ wie dem Ahlbecker Hof bedeutete dies zu dieser Zeit meist elektrisches Licht, Bäder (im Hause – nicht in jedem Zimmer) und vielleicht sogar einen Fahrstuhl?

Außerdem war das Hotel mit einem „Wiener Café, der Conditorei und den Weinstuben“ sowie einer „großartig erhöhten Terrasse, 400 Personen fassend“ ausgestattet und die vornehmen Gäste wurden mit „der vorzüglichsten Verpflegung mit aufmerksamster Bedienung“ verwöhnt.

Und mit hoteleigenen Strandkörben, wie es diese Bilder zeigen!

Adel und Großbürgertum stiegen gerne im Haus ab, so war z. B. 1905 Kaiser Franz Josef I. zu Gast im Hotel. Wir berichteten in der Rubrik „Vor 110 Jahren“ von Mai 08 über ihn und von April 08 auch seine damals schon verstorbene Frau, Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi.

Im gleichen Jahr gab es einen Brand im Hotel – zum Glück erst nach dem Besuch des österreichischen Kaisers! Wieviel in Mitleidenschaft gezogen wurde, läßt sich nicht mehr genau nachvollziehen. In jedem Fall war das Dach mit seinen Türmchen betroffen – sie wurden etwas anders wieder aufgebaut.

Wiederaufbau und Renovierung dauerten wohl eine Weile. So erwähnt der Griebens-Reiseführer von 1910/11 das Hotel und den Hotelbrand und schreibt dazu: „Wiedereröffnung unbestimmt“.

Spätestens 1912, als es durch einen Herr Fehrmann übernommen wurde, war das Hotel wieder geöffnet – mit weniger Zimmern, dann 80 „komfortable Restaurations- und Fremdenzimmer“ und auch „die große Terrasse mit Aussicht auf die See“, die es übrigens heute noch gibt, wurde angepriesen.

1927 gab es einen erneuten Besitzerwechsel und eine Berliner GmbH übernahm das Ruder bzw. die Hotelführung. Noch 1932 war die damals hervorgehobene „fortschrittliche Zentralheizung“ keine Selbstverständlichkeit in Hotels.

Zu allen Zeiten war es natürlich auch die tolle Lage direkt an der Seepromenade in unmittelbarer Nähe zum Strand, mit der geworben wurde. Ein Haus ersten Ranges blieb es bis Ende des zweiten Weltkrieges, allerdings ab 1944 im anderen Sinne: Es quartierten sich deutsche Generäle der Heeresgruppe Nord dort ein, die bis kurz vor Kriegsende blieben.

Nach dem Krieg wurde es dann 1949 ein FDGB-Ferienheim – FDGB war der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund der DDR, welcher die Vergabe staatlicher Ferienplätze organisierte. Erneuert wurde im Ahlbecker Hof während der DDR-Zeit jedoch nicht viel – die Urlauber waren froh, einen Ostseeplatz zu bekommen, was fast einem Sechser im Lotto gleich kam. Unzulänglichkeiten und veraltete Ausstattung waren sie in der Mangelwirtschaft gewohnt und eine Beschwerde hätte zu nichts geführt – bzw. vielleicht doch: Für jene, die das wagten, wäre es dann der letzte staatliche Ferienplatz für viele Jahre gewesen. Private Ferienquartiere waren sehr rar und im übrigen auch nicht so staatlich subventioniert wie die FDGB-Plätze.

Obige Fotos ®SEETELHOTELS Usedom

Nach der Wende wurde das inzwischen sehr renovierungsbedürftige Haus von der Familie Seelige-Steinhoff gekauft, die es umfassend sanierte, modernisierte, aber dem Hotel den Charme des historischen Grandhotels beließ. 1996 wurde es wiedereröffnet. Und auch nach der Eröffnung hatte der Ahlbecker Hof wieder bekannte und berühmte Gäste wie z.B. Königin Silvia von Schweden und den ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler.

Wer den Charme der alten Grandhotels mag, kombiniert mit modernen Komfort, ist im Ahlbecker Hof richtig. Und die Lage ist bis heute traumhaft – direkt an der inzwischen von Bansin bis zum polnischen Swinemünde durchgängig verlaufenden Strandpromenade und nur wenige Meter von Strand und Meer und der historischen Seebrücke entfernt.

Bei dem Historiker Herrn Spalink und auch der Seetel-Gruppe möchte ich mich ganz herzlich für die Unterstützung bei diesem Artikel bedanken, was Bilder und Informationen angeht.

Wer übrigens noch mehr darüber erfahren möchte, wie damals auf Usedom geurlaubt und gebadet wurde, liest hier  – auch der Ahlbecker Hof kommt in Wort und Bild vor! Außerdem gibt es diesen Artikel über den damals noch jungen Badeort Bansin und zwei Holzhäuser, die in Fertigbauweise errichtet wurden und deren Zimmer und Wohnungen schon damals vermietet wurden – nur die Federbetten mußte man selbst mitbringen! Und last but not least erzählt dieser Blog-Artikel über eine Villa im mondänen Badeort Heringsdorf – sogar der Kaiser erschien dort zum Tee!

Update 2019 Ahlbecker Hof mit 3 fast noch geheimen Tipps für Usedom:

Anne Sturzwage habe ich letztes Jahr bei meiner Recherche zur Geschichte des Ahlbecker Hofs kennengelernt. Sie ist für das Marketing der SEETEL-Hotels Usedom, zu welcher der Ahlbecker Hof gehört, verantwortlich. Als gebürtige Insulanerin kennt sie sich bestens auf der Insel aus. Nachdem sie das Inselleben für ein paar Jahre mit dem Großstadtleben in Berlin eingetauscht hatte, ist sie seit einiger Zeit wieder zurück in der Heimat.

Bei einem Kaffee tauschen wir uns diesen Sommer aus – es ist einiges passiert im vergangenen Jahr bei uns beiden – und auch im Ahlbecker Hof:

Als 5 Sterne Haus in der Tradition des Grandhotels sind nicht nur Flair und Ausstattung wichtig, sondern auch das kulinarische Niveau. Die Gäste sind anspruchsvoll und so hat sich das Haus einiges einfallen lassen: Es gibt einen kulinarischen Kalender und in jedem Monat eine Reihe von Veranstaltungen, vom Sonntagsbrunch bis zum klassischen High Tea – passend zum gediegenen Hotelambiente.

Die zum Hotel gehörende Brasserie wurde neu gestaltet und im Frühjahr wiedereröffnet. Und auch die schöne Terrasse an der Seepromenade, von der ich letztes Jahr schwärmte, wird dieses Jahr mehr genutzt.

Im Sommer finden dort Terrassenparties statt, bei denen –natürlich stilecht- Austern und Champagner kredenzt werden oder wahlweise auch mallorquinische Weine und spanische Tapas serviert werden – Viva Ostspania sozusagen (nächste Termine 9. und 16. August).

Ach ja, und der im Artikel anfangs erwähnte Oldtimer fährt tatsächlich! Wieder? Jedenfalls werden mit diesem nostalgischen Automobil z.B. Gäste vom Flughafen Heringsdorf abgeholt.

Und wo geht Anne Sturzwage hin, wenn sie einmal einfach und gut essen gehen möchte: zum Fischpalast in Neppermin. Toll am Achterwasser gelegen, bekommt man dort, d.h. man holt es sich (da Selbstbedienung), eine große Auswahl an Fischgerichten.

Als die Familie und ich ein paar Tage später zum Fischessen dort waren, schmeckte es uns gleichfalls. Auch wenn es etwas kühl war, saßen wir draußen (man kann gleichfalls drinnen sitzen) und genossen -wetterfest ausgestattet-, den schönen Blick auf den Bodden – und natürlich den Fisch.

Für Aktive empfiehlt sie noch die Feininger Radtour. Tatsächlich verbrachte der Maler Lyonel Feininger zwischen 1908 und 1912 einige Sommer auf Usedom und malte währenddessen eine Reihe von Bildern mit lokalen Motiven. Abgesehen davon war er auch noch leidenschaftlicher Radfahrer. Paßt also! Die Tour zeichnet die damaligen Malorte des Künstlers nach.

Und zum Schluss noch Gretes Tipp – dieses Mal ein kulinarischer: die Bauernstube in Morgenitz. Den am besten zubereiteten Fisch haben wir dort gegessen (sorry Fischpalast!). In der rustikalen gemütlichen Gaststube wird man von der Inhaberin sehr nett bedient Der zubereitete Fisch, von regionalen Fischern frisch gefangen, wird in einer großen Pfanne auf den Tisch gestellt. Wir haben in der gemischten Fischpfanne die Fischsorten des Tages durchprobiert und waren begeistert – auch von den leckeren Beilagen, die dazu serviert werden.

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