Königreich Sachsen – vom Prunkstaat zur Industriehochburg

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„A Schälch´n Heeß´n“, „Quarkkeulch´n“ und „Bemm´n“ … Sachsen, ehemaliges Königreich und heutiger Freistaat, ist nicht nur durch seinen markanten Dialekt bekannt – der übrigens mal die Hochsprache in Deutschland war, und zwar vom 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts! Als Meißner Kanzleideutsch wurde es überall gesprochen und auch Luther übersetzte die Bibel ins: Sächsische. Irgendwann gewannen dann die Preußen einen Krieg gegen die Sachsen und von da an setzte sich die preußische Aussprache durch. Aber das Verhältnis der Sachsen zu den Preußen ist schon wieder eine eigene Geschichte…

Sachsen ist vor allem auch durch seine Metropolen, seine Herrscher und seine Kunstdenkmäler bekannt.

Vielfältig und reich an Anekdoten ist die Geschichte dieses Bundesstaates. Einige davon werden wir hier erzählen: von einem Kurfürsten, der Hufeisen zerbrechen konnte und dem Affären mit 120 Frauen nachgesagt wurden, von einem, der Luther beschützte und so die Reformation rettete und vom letzten König von Sachsen, der, ziemlich modern, alleinerziehender Vater von sechs Kindern war, nachdem ihm seine Frau in die Schweiz durchgebrannt war…

Und von einem mächtigen Adelsgeschlecht, den Wettinern, zu dem all diese Herrscher gehörten.

Zunächst aber verorten wir das Königreich Sachsen im damaligen Deutschen Reich und hier folge ich mal der Beschreibung der „Landeskunde des Königreichs Sachsen“ von ca.1905:

„Das Königreich Sachsen liegt in der Mitte des Deutschen Reiches und doch auch an der Reichsgrenze, da sich zwischen Schlesien und Bayern das österreichische Kronland Böhmen wie ein großer Keil in das Reichsgebiet einschiebt. Der östlichste Punkt Sachsens liegt 220 km von der russischen, der südwestlichste 400 km von der französischen Grenze. In nord-südlicher Richtung ist Sachsen gleichweit von Meer und Hochgebirge entfernt, denn 235 km trennen es vom Fuß der Alpen am Chiemsee, 225 km vom Ostseehafen Stettin.“  

Nachdem wir die Lage des Königreichs innerhalb Deutschlands, zwischen Russland und Frankreich sowie zwischen Bergen und Meer festgestellt haben, noch ein Blick auf die direkt angrenzenden Staaten:

Natürliche Grenzen besitzt Sachsen nur im Süden, wo die Landesgrenze im wesentlichen dem Kamm der Gebirge folgt und gleichzeitig Reichsgrenze gegen Österreich ist (487 km) ist. Im O., N. und NW umfaßt Preußen mit den Provinzen Schlesien und Sachsen (ja, tückisch, diese gleichnamige preußische Provinz) auf 424 km das Land, im W. sind auf 285 km die thüringischen Staaten, nämlich das Herzogtum Sachsen-Altenburg, das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, die beiden Fürstentümer Reuß (hier der Artikel zu Reuß älterer Linie) und zuletzt auf 30 km das Königreich Bayern Grenznachbarn.

 Wie im Großherzogtum Baden gab es auch in Sachsen Exklaven und Enklaven, d.h. zum einen Orte anderer Bundesstaaten innerhalb dessen Territoriums, z.B. gehörte das Dorf Rußdorf bei Limbach als Exklave zu Sachsen-Altenburg. Zum anderen gab es Orte (laut Landeskunde von 1905: 13) außerhalb Sachsens, die jedoch zum sächsischen Königreich gehörten.

Sachsen war von der Größe der fünftgrößte Staat mit einem etwas kleinerem Territorium (ca. 1500 km2) als Baden, lag jedoch von der Bevölkerungszahl mit 4,2 Millionen an dritter Stelle. Die größten Städte im Königreich waren (Stand 1905) nach Dresden (514 000 Einwohner): Leipzig (503 000), Chemnitz (244 000), Plauen (105 000) und Zwickau (68 000).

Wie es zur Entwicklung und den Grenzen dieses Landes kam, dazu werfen wir:

Ein(en) Blick zurück

in die Geschichte. Und bei dieser Geschichte ist der sächsische Fürstenzug, als Bild in Dresden zu bewundern, sehr hilfreich! Sind in diesem Fürstenzug doch alle Herrscher Sachsens vereint – bis auf den letzten König von Sachsen, der bei der Entstehung des Frieses noch nicht im Amt war.

Ganz kurz noch zum Fürstenzug Bild: Das 102 Meter lange Bild besteht aus ca. 23 000 Fliesen aus Meißner Porzellan und ist damit das größte Porzellanbild der Welt! In seiner heutigen Form wurde es 1907 an der Außenseite des Stallhofs des Dresdner Residenzschlosses angebracht. Der erste Bilderfries war schon Ende des 19. Jahrhunderts entstanden – er war nur nicht witterungsbeständig und deshalb wurde er dann nochmals mit Fliesen realisiert.

Auf die dort abgebildeten 34 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige des Geschlechts der Wettiner können wir natürlich nicht alle eingehen – wir schauen uns die an, welche als Herrscher das Land Sachsen voranbrachten, aus verschiedenen Gründen wichtig waren oder aufgrund anderer Eigenschaften in Erinnerung geblieben sind.

Aber wo hatte Sachsen seinen Ursprung? Auf einer Burg Meißen (Misina, Misni), die König Heinrich I. zur dauerhaften Beherrschung und Sicherung des vormals slawischen Landes auf einem Felsplateau an der Mündung der Triebisch in die Elbe erbaute. Sie wurde die Namensgeberin der Mark Meißen und so zur „Wiege des heutigen Sachsens“. Mark meinte übrigens Grenzgebiet, die Elbe war damals der natürliche Grenzgraben.

Konrad I. (1098-1157), genannt der Große (oder auch Fromme),

führte den Fürstenzug an. Als Graf von Wettin wuchs er im Bewusstsein auf, rechtmäßiger Erbe der Mark Meißen und Mark Lausitz zu sein. Denn sein Vetter Heinrich, der vormalige Herrscher dieser Gebiete, hatte nach seinem Tod keinen Erben – seine Frau brachte allerdings nach seinem Tode noch einen Jungen, Heinrich II., zur Welt. Böse Zungen behaupteten jedoch, sie hätte ein Mädchen zur Welt gebracht und dieses wäre mit einem Jungen einfacher Herkunft vertauscht worden. Konrad machte sich über Heinrich II., der nun zunächst Thronfolger wurde, lustig.

Das fand dieser nicht lustig und ließ Konrad einsperren. Die Geschichte wäre hiermit erzählt und Konrad wäre heute längst vergessen bzw. im Gefängnis verschmort.

Aber das Schicksal meinte es anders – Heinrich II. starb überraschend mit kaum 20 Jahren – man munkelte, dass er vergiftet wurde. Und so kam Konrad frei und doch noch an die Macht! Aber nicht gleich. Denn der Kaiser gab die Lehen (Mark Meißen und Lausitz) nicht an ihn, sondern einen alten Gefolgsmann. Konrad tat sich darauf mit dem mächtigen Sachsenherzog Lothar und Albrecht dem Bären zusammen und unterwarf so die Mark Meißen und später auch die Lausitz. Im Laufe der Zeit baute er sein Territorium noch weiter aus. Konrad gilt deshalb als eigentlicher Begründer der Macht des wettinischen Fürstenhauses.

Er war übrigens auch ein guter Diplomat. Durch eine geschickte Heiratspolitik erweiterte er seine Macht – z.B. verheiratete er seinen Sohn Dietrich 1146 mit der Tochter eines polnischen Herzogs – das nach dem Krieg angespannte Verhältnis zum Königreich Polen entspannte sich so. Auch weitere Kinder wurden in mächtige Dynastien verheiratet.

Und warum wurde Konrad auch „Der Fromme“ genannt? Zur Kirche pflegte er zu seinen Herrscherzeiten gleichfalls einen guten Kontakt – weil er so fromm war? Wahrscheinlich eher zur Sicherung seiner Herrschaft. Und so war es kein Zufall, dass sein Neffe zu einem der einflußreichen Magdeburger Erzbischöfe gewählt wurde.

Schließlich trat er mit fast 60 Jahren als Laienbruder ins Kloster ein – also doch ein wahrer Gläubiger? Das wollen wir ihm nicht absprechen, aber auch hinter dieser Entscheidung steckte mehr: So konnte er  seinen Besitz noch zu Lebzeiten unter seinen fünf Söhnen aufteilen und auch das Reichslehen Meißen vererben. Kaum ein halbes Jahr später nach seinem Eintritt ins Kloster, nachdem alles geregelt war, starb er. Nicht nur als Anführer auf dem Bild des Fürstenzuges, sondern als Begründer der Macht der Wettiner wird er wohl unvergessen bleiben.

Sachsen bekommt eine Universität und wird Kurfürstentum – mit Friedrich IV.  – genannt „Der Streitbare“ (1370-1428)

Friedrich IV. war schon als Markgraf von Meißen vorausschauend. Als deutsche Gelehrte und Studenten wegen nationalpolitischer Spannungen zwischen dem damaligen Böhmen und dem wettinischen Gebiet die schon seit 1348 existierende älteste deutschsprachige Universität Prag verließen, nahmen sie im nicht weit entfernten Leipzig Quartier. Darauf gründete er flugs mit seinem mitregierendem Bruder Wilhelm II (genannt der Reiche) die erste wettinische Landesuniversität in Leipzig. Nach der Erlaubnis durch den Papst nahm sie 1409 ihren Lehrbetrieb auf. Die Universität wertete nicht nur die Stadt Leipzig auf, sondern auch sein Herrschaftsgebiet. Friedrich IV. hatte für den damaligen deutschen König Sigismund gegen die Hussiten gekämpft. Zum Dank dafür erhielt er vom König das Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Das Herzogtum an sich war zwar weder besonders gross noch bedeutend, aber die Sachsen-Wittenbergischen Fürsten gehörten zu den sieben Kurfürsten – laut der goldenen Bulle von 1356.

Die Kurfürsten wählten den Kaiser und hatten damit die angesehenste Stellung unter den Reichsfürsten. Die Übertragung wurde übrigens möglich, da das bisherige herrschende Geschlecht der Askanier ausgestorben war. Friedrich IV. wurde Kurfürst und nannte sich als solcher „Friedrich I.“

Übrigens wurde durch diese Entwicklung auch der Name Sachsen für die Region gebräuchlich. Ursprünglich eher von Niedersachsen abstammend, verlagerte sich der Name elbaufwärts nach Südosten und wurde als Bezeichnung für die nunmehr wettinischen Gebiete in den früheren Gebieten Meißen, Thüringen und der Oberlausitz verwendet.

Zwei Brüder herrschen gemeinsam – bevor sie das Land teilen

Der Nachfolger Friedrich II. hinterließ zwei Söhne Ernst (1441-1486) und Albrecht (1443-1500), die das Land nach dem Tod ihres Vaters zunächst gemeinsam regierten, Ernst als Kurfürst, Albrecht als Herzog. Ihre Regierung war ein friedliches Miteinander – hatten die beiden doch seit frühester Kindheit eine besonders enge Verbindung. Sie waren nämlich 1455 Opfer einer dramatischen Entführung geworden! Beim sogenannten Altenburger Prinzenraub hatte Ritter Kunz von Kaufungen mit einigen Komplizen den 14-jährigen Ernst und den 11-jährigen Albrecht aus dem Altenburger Schloss entführt, um seinen Forderungen nach Entschädigung für verlorengegangene Ländereien durchzusetzen. Zum Fluchtweg gibt es verschiedene Theorien, sicher ist: die Entführer wurden überwältigt, festgenommen und hart bestraft! Ritter Kunz von Kaufungen wurde fünf Tage nach der Entführung in Freiberg zum Tode verurteilt und auf dem Freiberger Obermarkt enthauptet (die Stelle, zu welcher der Kopf rollte, soll heute noch mit einem blauen Pflasterstein gekennzeichnet sein) und auch Mithelfer wurden gleichermaßen hart bestraft: der Küchenjunge aus dem Schloss, Hans Schwalbe, wurde erst mit glühenden Zangen gezwickt und dann gevierteilt. Andere Zeiten, andere Strafen!

Trotz des harmonischen Verhältnisses der Brüder drängte Ernst seinen jüngeren Bruder Albrecht zur Teilung – gesagt, getan. Die Teilung wurde 1485 in Leipzig beschlossen. Ernst (nach dem zukünftig die ernestinische Linie benannt wurde) behielt die Kurfürstenwürde und bekam die Gebiete um Wittenberg und Torgau mit einem anschließenden Landstreifen über Altenburg und Zwickau bis ins Vogtland sowie den größten Teil des Thüringischen Gebiets.

Albrecht (nach dem zukünftig die albertinische Linie benannt wurde) bekam den Meißischen Teil mit Dresden, Freiberg und Chemnitz, Gebiete um Leipzig sowie den nördlichen Zipfel von Thüringen.

Die Teilung sollte die Macht der Wettiner im Reich schwächen. Waren sie bisher nach den Habsburgern stärkste deutsche Territorialmacht, wurden sie durch die Teilung in zwei Gebiete unbedeutender.

Wie schon eingangs gesagt, können wir in diesem Rahmen die Geschichte nur durch „Meilensteine“ skizzieren. Ein Meilenstein, der erwähnt werden muss, ist die Rolle von

Kurfürst Friedrich III., der „Weise“ (1463-1525)

genannt. Als Sohn des älteren Bruders Ernst regierte er das Land (also den ernestinischen Teil) lange – fast 40 Jahre. In der von ihm gegründeten Universität Wittenberge sorgte im letzten Viertel seiner Regentschaft ein junger Theologe, der dort zum Professor berufen war, für Aufsehen. Sein Name: Martin Luther. Und so wurde die Entwicklung der beiden sächsischen Staaten doch wieder bedeutsam – und zwar für das Schicksal ganz Europas. Denn schon damals wurden wegen Religionen Kriege geführt. Als Luther wegen seiner revolutionären Thesen – kurzerhand von Rom als ketzerische Umtriebe erklärt – angefeindet wurde, stand der Kurfürst zu ihm. Er lieferte ihn nicht nach Rom aus, verschaffte ihm zum entscheidenden Verhör auf dem Wormser Reichstag 1521 freies Geleit und brachte ihn nach Verkündung des kaiserlichen Bannspruches auf die Wartburg bei Eisenach in Sicherheit. Dort konnte Luther dann als Junker Jörg ungestört die Bibel ins Deutsche übersetzen.

Friedrich III. bekehrte sich erst auf dem Sterbebett zur neuen Lehre. Seine Nachfolger, zunächst sein jüngerer Bruder

Johann der Beständige (1468-1532),

führten die Reformation in Kursachsen ein. Dessen Sohn

Johann Friedrich I. (1503-1554)

verfolgte als Nachfolger gleichfalls den Reformationskurs weiter. Er trat sogar an die Spitze eines defensiven Militärbündnisses von Ländern, Schmalkaldischer Bund (nach dem Ort des Treffens der Fürsten, Schmalkalden) genannt, welche evangelisch (also reformatorisch) gesinnt waren.

Denn der Kaiser Karl V. bekämpfte diesen Glauben. Er beschloss, einen Vernichtungsfeldzug gegen den neuen protestantischen Glauben bzw. die Länder, welche ihn vertraten, zu starten. Er endete mit einer vernichtenden Niederlage der im Schmalkaldischen Bund vereinten Länder. Für Johann Friedrich und seinen Landesteil hatte das schwere Folgen: Er verlor die Kurfürstenwürde und wurde vom Kaiser jahrelang in Haft gehalten. Von der Landesteilung wurden wesentliche Bestimmungen revidiert: er behielt schließlich nur den Thüringer Teil westlich der Saale. Als er 1552 wieder frei kam, wurde Weimar zu seiner Residenzstadt. Selbst dieses Gebiet wurde unter der Herrschaft der ernestinischen Herzöge von Sachsen immer weiter zersplittert: als sich das deutsche Reich 1871 konstituierte, brachten sich vier kleine Staaten mit Sachsen im Titel ein: die Herzogtümer Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg und Gotha sowie das etwas größere Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, von denen in weiteren Artikeln erzählt werden wird.

Und der albertinische Teil? Zunächst wurde auch dort von einem Nachfolger Albrechts die Reformation eingeführt und zwar von

Heinrich, dem „Frommen“ (1773-1541).

Die Eigenschafts-Titel passen schon! Jedoch war sein Nachfolger

Herzog Moritz (1521-1553),

der anscheinend keinen Beinamen hatte, aber wenn, hätte „Der Skrupellose“ gepasst, machthungrig und schon immer neidisch auf die Kurfürstenwürde seines Vetters Johann Friedrich I. Bei den Kämpfen gegen den Schmalkaldischen Bund stellte er sich – trotz seines protestantischen Glaubensbekenntnisses- an die Seite des Kaisers. Moralisch verwerflich, aber taktisch klug. Er bekam die Kurfürstenwürde und durch die revidierte Teilung genau die Gebiete, die sein Vetter Johann Friedrich I., vom Kaiser gefangengenommen, abgeben musste: den gesamten Kurkreis mit Wittenberg und Torgau bis nach Zwickau.

Später stellte er sich übrigens als führender Kopf eines Bündnisses norddeutscher evangelischer Fürsten gegen den Kaiser. Am Ende erreichte Moritz im Passauer Vertrag von 1552, dass die Religionsstreitigkeiten beendet wurden und der protestantische Glaube vom Kaiser anerkannt wurde. Sein Nachfolger,

Kurfürst August (1553-1586),

tilgte durch eine sparsame Haushaltsführung und eine geschickte Wirtschaftspolitik nicht nur den Schuldenberg, den Moritz hinterlassen hatte, sondern führte auch seine begonnene Entwicklung des Kurfürstentums als Staat moderner Prägung fort, weg von den mittelalterlichen Strukturen. Es entstand ein Hofrat als Gremium für juristische sowie innen- und außenpolitischer Belange. Der Kaiser hatte diesen zwar eingesetzt, der Hofrat agierte aber zunehmend selbstständiger -was ihm auch zugestanden wurde. Die Rechtsprechung wurde mit Bestimmungen einheitlicher geregelt und viele neue Verordnungen wurden erlassen, darunter eine Münzordnung, eine Forstordnung, eine Schulordnung und mehrere Bergordnungen. Der Bergbau wurde weiter entwickelt und gefördert als wichtige Einnahmequelle des Staates.

Kurfürst Johann Georg I. (1611-1656) „Bierjörgl“

War Kursachsen bis dato eine der Hochburgen des protestantischen Glaubens gewesen (wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen) so änderte sich das mit der Herrschaft von Johann Georg I.

Er hatte viele Chancen – durch die Unruhen 1618 im benachbarten Prag, bei denen die protestantischen böhmischen Stände gegen Habsburg rebellierten, wurde er als neuer König von Böhmen gewünscht. Und 1619 war Johann Georg I. sogar als neuer deutscher Kaiser im Gespräch. Und was machte er? Schlug beide Angebote aus. Denn seine Leidenschaft war eher Bier trinken als Politik betreiben – folgerichtig bekam er den Spitznamen „Bierjörgl“. Und er setzte noch eins darauf und unterstützte das katholische habsburgische Kaiserhaus gegen den Kampf der böhmischen Protestanten. Das Vorgehen wurde von Protestanten außerhalb Kursachsens als Verrat empfunden – zu Recht. Bierjörgl wurde jedoch vom Kaiser belohnt – er erhielt das Gebiet der Ober- und Niederlausitz, zunächst als Pfandbesitz (Gegenleistung für geliehenes Geld), später als böhmisches Erblehen (Gut, was vererbt werden konnte).

Die Unruhen in Prag (Prager Fenstersturz 1618) waren auch eine Ursache für den 30-jährigen Krieg, der ab 1618 begann und ganz Europa erfassen sollte. Durch die Neutralität von Johann Georg I. gegenüber dem Kaiser blieb das Land zunächst von den Kriegswirren weitgehend verschont. Als die kaiserlichen Truppen 1631 jedoch Magdeburg zerstörten und General Tilly dann begann, in Kursachsen einzufallen und Leipzig und Merseburg nahm, nahm der öffentliche Druck auf ihn zu. Er musste handeln und schloss sich dem schwedischen König Gustav Adolf an. Das sächsische Heer vereinte sich zunächst mit den schwedischen Truppen, ein problematisches Bündnis, was alsbald von sächsischer Seite aufgekündigt wurde. Dafür arrangierte man sich mit dem habsburgischen Kaiserstaat und schloss 1635 (zusammen mit dem Kurfürsten von Bayern Maximilian I.) den Prager Frieden.

Jedoch wurde das Land in der Folgezeit durch die Schweden und hindurchziehende kaiserliche Truppen schwer verwüstet. Dazu kamen Brandschatzungen, Plünderungen und Seuchen – dieses Jahrzehnt wurde zum schlimmsten in der gesamten bisherigen Geschichte des Kurstaates. 1645 schied Sachsen aus dem Krieg mit Schweden aus (Waffenstillstand von Kötschenbroda), aber es sollte bis zum endgültigen Frieden noch drei weitere Jahre bis 1648 dauern. Dann wurde er mit dem „Westfälischen Frieden“ beendet. Auf Kursachsen hatte es folgende Auswirkungen: sie behielten die im Krieg erworbene Ober- und Unterlausitz. Das begehrte Erzbistum Magdeburg ging jedoch an das Kurfürstentum Brandenburg.

Und Bierjörgl? Hatte mit seinen Handlungen nicht nur das Ansehen Sachsens als Vormacht des deutschen Protestantismus verspielt, sondern verfügte testamentarisch auch noch dessen Aufteilung unter seinen vier Söhnen. So entstanden drei kleinere Fürstentümer: Sachsen-Weißenfels (bis 1746); Sachsen-Merseburg (bis 1738) und Sachsen-Zeitz (bis 1718). Wären diese neuen Nebenlinien der Albertiner nicht im Laufe des 18. Jahrhunderts ausgestorben und so an die Dresdner Hauptlinie zurückgefallen – es hätte das Königreich Sachsen nie gegeben!

Einige Folgefürsten (Johann Georg II. bis IV.) können wir getrost übergehen, schön die zusammenfassende Beurteilung in einer Schrift von 1913 zur Geschichte des Königreiches:

„All diese Fürsten regierten nur wenig im Geiste Vater Augusts. Sie liebten prachtvolle Jagden und glänzende Hoffeste“.

 Danach jedoch kam ein Herrscher, der noch heute sehr bekannt ist und nach dem gar eine Epoche, das „Augustinische Zeitalter“ benannt wurde:

August der Starke (1670-1733),

folgte seinem Bruder Johann Georg IV. auf den Thron. Wie der Name schon sagt, war er stark – heute würde man dick sagen, wog er doch über 120 Kilo. Das entsprach aber dem damaligen barocken Schönheitsideal. Seine Stärke, so wird überliefert, bewies er auch mit dem Zerbrechen von Hufeisen – das erhaltene wurde später untersucht und entpuppte sich als „Fehlcharge“, wie der Direktor des Grünen Gewölbes, Prof. Dr. Syndram, lakonisch bemerkte.

Die Stärke bezog sich auch auf seine Anziehungskraft auf die Damenwelt – es wurden ihm Affären mit über 120 Frauen  und 354 weitere Kinder nachgesagt. Überliefert und belegt sind aber nur neun Kinder, inklusive dem offiziellen Sohn.

Drei Kinder hatte er mit der Gräfin Kosel, der wohl bekanntesten seiner Mätressen. In einem schwachen Moment hatte er ihr ein schriftliches Eheversprechen gegeben. Jedoch sollte ihr das zum Verhängnis werden, denn als seine Liebe zu ihr erkaltete, schickte er sie in die Burg Stolpen ins Zwangsexil – 39 Jahre, bis zu ihrem Tod, sollte sie dort verbringen.

Verheiratet war er mit der brandenburgischen Prinzessin Eberhardine (1671-1727), zusammen hatten sie einen Sohn als Thronfolger. Es war eher eine Heirat aus taktischen Gründen (um die Bande zwischen den mächtigen Familien der Wettiner und Hohenzollern zu festigen). Eberhardine zumindest, liebte ihren August zunächst, wie aus Briefen hervorgeht – er amüsierte sich aber schon früh „fremd“. Sie war sehr religiös und als ihr Ehemann seine Konfession wechselte und zum katholischen Glauben konvertierte, um in Polen König zu werden, trennte sich das Paar endgültig – sie war empört, blieb protestantisch und zog sich auf ihr Schloss Pretsch zurück, was er ihr anlässlich der Geburt des gemeinsamen Sohnes geschenkt hatte.

Was Macht und Prunk angeht, war Augusts großes Vorbild der französische Sonnenkönig Ludwig der XIV. Seine Residenzstadt Dresden sollte dem nichts nachstehen und so ließ er prachtvolle Bauten im Stil des Barock errichten, die noch heute das Gesicht dieser Stadt als „Elbflorenz“ ausmachen: den Zwinger, die protestantische Frauenkirche (als Geste der Versöhnung zu seinen wegen seines Glaubenswechsels aufgebrachten protestantischen Untertanen) und das Japanische Palais. Weitere Schlösser, wie z.B. Jagdschloss Moritzburg und Schloss Pillnitz wurden um- und ausgebaut. Er legte auch die Grundsteine der Sammlungen der heutigen bedeutenden Museen wie die Gemäldegalerie, das Grüne Gewölbe, die Porzellansammlung und weitere.

PRUNKVOLLE BAUTEN IN UND UM DRESDEN ZU ZEITEN AUGUST DES STARKEN UND SEINES SOHNES AUGUST II.

Nicht nur die Bauten und seine Sammelleidenschaft festigten den legendären Ruf Augusts, auch seine kostspieligen und fantasiereichen Feste und Feierlichkeiten gehörten dazu – oft mit aufwändigen Kostümierungen und entsprechenden Dekorationen. Seine prunkvollen Feste, die er auch in seiner zweiten Residenz Warschau feierte, halfen ihm auch, die polnische Krone, auf die er nach verlorenen Kämpfen gegen Schweden, 1706/07 zunächst verzichten musste, wiederzuerlangen. Den „Wählern“, den polnischen Adeligen, die in Dresden und Warschau mit ihm Feste feierten, waren davon so beeindruckt, dass sie ihm 1709 die verlorene Krone wieder anboten. (stimmt das so?) Eines gelang allerdings nicht: Polen in eine Erbmonarchie umzuwandeln und so seinem Sohn nach seinem Ableben „automatisch“ gleichfalls die polnische Krone zu sichern.

Die ganzen Aktivitäten verschlangen allerdings Unmengen von Geld – neue Einnahmequellen mussten her. Als August von einem Apothekerlehrling hörte, der Gold herstellen konnte, ließ er ihn holen und stellte ihm ein Laboratorium zur Verfügung. Leider war es mit dem Goldmachen doch nicht ganz so einfach, aber dafür erfand Johann Friedrich Böttger, so der Name des Lehrlings, etwas gleichfalls sehr kostbares – es gelang ihm als Erstem in Europa Porzellan herzustellen, auch „weißes Gold“ genannt. Das heute noch weltberühmte Meißner Porzellan entstand in einer Manufaktur in Meißen und damit auch eine neue Geldquelle – die jedoch die ungeheuren Ausgaben nicht alleine ausgleichen konnte.

Jedoch hatte August weitere Einfälle, seine Ausgaben zu decken, so initiierte er 1703 eine Steuer auf den Konsum – man kann ihn als Erfinder der Mehrwertsteuer bezeichnen. Die durch vorhandenes Gewerbe und Bodenschätze recht prosperierende Wirtschaft wurde staatlich gefördert und war, u.a. auch durch die (schon damals stattfindende) Leipziger Messe exportorientiert. In seiner Regierungszeit wurden 26 Manufakturen geschaffen, bei einigen, z.B. der Olbernhauer Waffenschmiede, betätigte sich August selbst als Unternehmer.

Der Monarch starb im Alter von 62 Jahren nach einem Schwächeanfall – bekannt ist, dass er Diabetes hatte, damals noch nicht behandelbar. Er wurde in der Königskrypta in Krakau beigesetzt, auf eigenen Wunsch wurde sein Herz in einer silbernen Kapsel aufbewahrt, die in der Dresdner Hofkirche steht – dass es jedes Mal wieder an zu schlagen fängt, wenn eine schöne Frau daran vorbeigeht, gehört wohl aber ins Reich der Legenden – wie so einige Geschichten rund um diesen berühmten sächsischen Herrscher…

Der Sohn: Friedrich August II. (1996-1763)

Für seinen Sohn und Nachfolger, Friedrich August II., hatte August der Starke schon einiges arrangiert – auch er war zum katholischen Glauben konvertiert und wurde mit der Kaisertochter Maria Josepha strategisch „günstig“ verheiratet (und damit die Allianz zwischen den Wettinern und den österreichischen Habsburgern gestärkt).

1756 marschierte die preußische Armee in Sachsen ein, im darauffolgenden siebenjährigen Krieg ging es um Machtansprüche zwischen Preußen und Österreich – allerdings hatte Österreich neben Sachsen viel mehr Verbündete als Preußen und entschied diesen Krieg deshalb für sich. Für Sachsen hatte das verschiedene Auswirkungen, in der Summe negativ: Das Land wurde zerstört, fast 10% der Bevölkerung waren im Krieg gestorben und auch die Stellung Sachsens im europäischen Machtgefüge verschlechterte sich. Preußen sicherte sich das umkämpfte Schlesien, was ein territoriales Bindeglied zwischen Sachsen und Polen hätte werden können. Dazu kam, dass Sachsen hochverschuldet war.

Von den Eigenschaften August des Starken hatte der Sohn leider nur dessen Leibesfülle, Kunstverständnis und Sammelleidenschaft geerbt. Während seiner Herrschaftszeit agierte er verantwortungs- und sorglos. Verantwortungslos, weil er die Regierungsgeschäfte Sachsens dem Grafen Heinrich von Brühl (1700-1763) übertrug. Sorglos, weil er zusammen mit diesem Grafen von Brühl die Kriegszeit im unbeteiligten Polen verbrachte.

Bekannt ist letzterer Name heute noch durch die „Brühlsche Terrasse“ in Dresden, der Graf ließ die schon vorhandene Terrasse mit verschiedenen Gebäude-Ensembles bebauen.

Ansonsten werden von Brühl Eigenschaften wie eine ungeheure Verschwendungssucht, Bestechlichkeit und Intriganz zugeschrieben, verbunden mit der Untätigkeit -oder Unfähigkeit-, sein Land auf den absehbaren militärischen Konflikt vorzubereiten. Nur ein geschickter Diplomat und Organisator war er wohl.

Als beide nach dem Krieg in ihr gebeuteltes Land zurückkehrten, starben sie im Herbst 1763 kurz nacheinander – als Hauptverantwortliche an der Misere.

War Dresden ein Zentrum höfischer Kultur, so war Leipzig als Gegenpol ein Zentrum des bürgerlichen Geisteslebens. In der Messe- und Handelsmetropole entstand ab Beginn des 18. Jahrhunderts eine urbane Kultur. Freilich war sie noch durch höfische Traditionen und Vorbilder geprägt. So gaben vermögende Kaufleute und Handelsherren prunkvolle Wohn- und Geschäftshäuser in Auftrag – manche wie das Gohliser Schlösschen hatten gar palastähnliche Ausmaße. Daneben wurde es auch ein Zentrum für Literatur und Theater. In Kaffeehäusern, Lesezirkeln und literarischen Vereinigungen entfaltete sich eine intellektuelle Geselligkeit. Sicher war es dabei kein Zufall, dass das Buchhandelsgewerbe und Verlagswesen in Leipzig schon im 18. Jahrhundert stark ausgeprägt war. Wie sich Leipzig im 19. Jahrhundert zur bedeutendsten Verlagsstadt der Welt entwickelte, kann man in diesem Artikel  nachlesen.

Zurück zu den Herrschern, hier folgte mit

Friedrich Christian (1722-1763) ein Reformer,

der schon zu Lebzeiten ein Kritiker des Grafen Brühls und seines Vaters gewesen war. Von Geburt an behindert und im Rollstuhl sitzend, hatte er sich nicht von seiner Mutter beirren lassen, die ihn zum Thronverzicht zugunsten seiner jüngeren Brüder gedrängt hatte. Mit Mitstreitern, die eher dem Bürgertum nahestanden, stieß er lang geplante Reformen zur Verschlankung des Hofstaates, zur Vereinheitlichung der Verwaltung und Sparmaßnahmen an. Leider war seine Amtszeit sehr kurz – er verstarb nach nur 74-tägiger Regierungszeit.

Jedoch führte seine Frau Maria Antonia von Bayern (1724-1780) seine Reformen fort und zwar zusammen mit ihrem Schwager Prinz Xaver (1730-1806) als Regenten für den noch nicht volljährigen Thronfolger Kurfürst Friedrich Albert III. (1750-1827).

Maria Antonia war musisch sehr begabt – sie komponierte Opern und trat bei Aufführungen als Sängerin und Cembalistin auf. Schon zu Lebzeiten ihres Mannes hatte sie dessen Reformbestrebungen unterstützt. Auch als Unternehmerin war sie aktiv – sie besaß eine Kattunfabrik und seit 1763 das Bayrische Brauhaus in Dresden – und so wurden bayrische Bräuche ihrer Heimat auch in Sachsen heimisch :-).

Zum Zerwürfnis mit ihrem Schwager kam es 1765 über die polnische Königsfrage. Während Prinz Xaver auf den Thronanspruch verzichtete, wollte sie als Mutter des Thronfolgers unbedingt daran festhalten. Letztlich setzte sich Prinz Xaver mit der Entscheidung zum Verzicht durch.

Kurfürst Friedrich August III./ König Friedrich August der 1. („Der Gerechte“) (1750-1827)

Sein außenpolitischer Kurs war zunächst durch Ausgleich und Neutralität gekennzeichnet.

Auch die Wirtschaft innerhalb des Landes konsolidierte sich nach dem Aderlaß durch Verschwendung und Krieg. Manufakturen wurden staatlich gefördert – bis zur Jahrhundertwende brachte das mehr als 150 Unternehmensgründungen hervor. Insbesondere im Erzgebirgsvorland zwischen Freiberg, Chemnitz, Zwickau und Plauen siedelten sich die neuen Unternehmen an. Produziert wurden neben Luxusartikeln wie Porzellan, Musikinstrumente und Waffen auch Textilerzeugnisse für den breiteren Markt. Im Übergang zum 19. Jahrhundert entstanden die ersten Fabriken, z.B. maschinell betriebene Baumwollspinnereien in Chemnitz. In dieser ersten Phase der industriellen Revolution spielte Sachsen neben dem Rheinland und Schlesien eine Vorreiterrolle.

Als die Französische Revolution ausbrach, kam es jedoch ab 1793 wieder zum Krieg (Erster Koalitionskrieg). Die Monarchien, darunter Sachsen mit einem Truppenkontingent von fast 10 000 Soldaten, kämpften gegen Frankreich.

Bei der berühmten Schlacht 1806 bei Jena und Auerstedt kämpften 20 000 sächsische Soldaten auf der Seite Preußens gegen Napoleon und seine Truppen. Die vernichtende Niederlage der preußischen Seite hatte zunächst auch für Sachsen ihre Auswirkungen: dem Kurstaat wurden hohe Unterhaltszahlungen für die französischen Besatzungstruppen aufgebürdet. Aber dann gestand Sieger Napoleon im „Frieden von Posen“ 1806 den unterlegenen Sachsen günstige Konditionen zu. Natürlich nicht ohne Gegenleistung. So trat Friedrich August III. als nunmehriger Verbündeter Frankreichs dem Rheinbund bei und versprach bis zu 20 0000 sächsische Soldaten für die weitere Kriegsführung des Herrschers. Dafür wurde er zum ersten sächsischen König erhöht und erhielt für verlorenes Land im Raum Erfurt als Kompensation den Kreis Cottbus. Dass Preußen und Sachsen keine wirklichen Freunde waren, hatte sich schon länger gezeigt. Mit den von Napoleon diktierten Regelungen im „Tilsiter Frieden“ 1807 erhielt Sachsen die Gebiete von Polen, das sogenannte „Herzogtum Warschau“, die Preußen erobert hatte. So stand Teilen Polens wiederum ein sächsischer König vor. Aber Preußen revanchierte sich.

Der erste sächsische König blieb ein Bündnispartner Frankreichs bis zu dessen Untergang nach der blutigen dreitägigen Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Während der Schlacht liefen zwar sächsische Soldaten mehrheitlich zum Gegner über. Das änderte aber nichts an den Konsequenzen:

König Friedrich August I. wurde von den Gegnern als Kriegsgefangener in Haft genommen, das Land wurde inzwischen durch eine Regierung unter russischer und später preußischer Leitung mit Sitz in Leipzig regiert. So konnte er als einziger Regent seines Staates nicht bei den Verhandlungen des Wiener Kongresses zugegen sein, auf dem die territoriale Neuordnung von Europa verhandelt wurde.

Die Kriegsbeute Sachsen wurde dort heiß diskutiert – natürlich gab es auch unter den Siegern unterschiedliche Interessen, wie heute auch, gingen die eigenen natürlich vor. Am Schluss einigte man sich auf einen Kompromiss: Sachsen verlor seine Anteile an Polen wieder (die Russland bekam), aber noch mehr Gebiet: die nördlichen Landesteile mit Wittenberg, Cottbus, Weißenfels und Torgau, die gesamte Niederlausitz und erhebliche Teile der Oberlausitz – diese Teile gingen an den ungeliebten preußischen Rivalen. Damit bekam Preußen über die Hälfte des Gebiets des bisherigen Sachsen und 40% seiner Einwohner – bis dato waren das etwa 2 Millionen gewesen.

Im politischen Gefüge des Deutschen Bundes war Sachsen damit nur noch eine drittrangige Kraft. Der erste sächsische König war unter seinen Untertanen populär – und blieb es überraschenderweise auch nach seinen Niederlagen. Bei seiner Rückkehr wurde er begeistert empfangen. Seine Redlichkeit wurde ihm angerechnet, man sah ihn als moralische Instanz an UND als gerecht – diesen Beinamen bekam er schon zu Lebzeiten. Nach diesen turbulenten Zeiten verfolgte er in seinem letzten Lebensjahrzehnt eine sehr konservative und restaurative Politik des Bewahrens. Im Gegensatz dazu stieg die Bevölkerungszahl des Landes wieder und es prosperierte wirtschaftlich nach wie vor.

Als König Friedrich August I. 1827 gestorben war, folgte ihm sein jüngerer Bruder auf den Thron – er selbst hatte eine Tochter, die jedoch zeitlebens unverheiratet blieb. Bruder Anton war schon über siebzig, als er den Thron bestieg und in seiner recht kurzen Amtszeit nicht sehr beliebt. Es regte sich Kritik, denn auch er schien keine Absichten zu haben, den schon vorhandenen „Reformstau“, insbesondere für eine liberale Politik, abzubauen. Insgesamt wurde ihm aber ein ausgleichendes Wesen beschieden und so tat er doch zwei Dinge, die dem Land weiterhalfen: er entließ den sehr konservativ ausgerichteten bisherigen Staatssekretär Graf Einsiedel, der ein Reformgegner war und ernannte den populären Prinzen Friedrich August II. 1830 zum Mitregenten.

Friedrich August II. (1797-1854)

hatte schon zu Lebzeiten seines mitregierenden Onkels Reformen im sächsischen Staatswesen angestoßen. Es ging um eine Verfassung und dabei um mehr Mitbestimmung des Volkes. Volk ist hierbei relativ – damit waren wohlhabende Bürger gemeint, aber schon das war zu dieser Zeit ein Fortschritt. Ähnlich wie in Baden und Württemberg wurde eine Art konstitutionelle Monarchie geschaffen.

In einer neuen Verfassung von 1831 wurden die Befugnisse des Königs festgeschrieben, die noch weitreichend genug waren: der König war alleiniger Träger der Staatsgewalt, er konnte Minister ernennen und entlassen, Gesetzesentwürfe einbringen und auch Neuwahlen ausschreiben. Jedoch reizten die sächsischen Herrscher, auch die zukünftigen, diese Befugnisse nie wirklich aus. Es entstand eine Volksvertretung, zweite Kammer genannt, sowie eine erste Kammer, bestehend aus Repräsentanten des Adels, der Kirche, der größeren Städte und der Universität Leipzig. Diese Mitglieder wurden vom König ernannt bzw. wurden von den jeweiligen Institutionen delegiert.

 Außerdem wurde das sächsische Staatsministerium mit 6 Ressorts gebildet, deren Minister gleichrangig waren. Einen obergeordneten Ministerpräsidenten gab es nicht. Im Vergleich zu anderen Ländern war Sachsen nicht gerade ein Vorreiter (Großherzogtum Baden hatte solch eine Struktur schon 1818 eingeführt), aber sie waren damit auch nicht ausgesprochen spät „dran“, wie z.B. Oldenburg.

Abgerundet wurde die Erneuerung durch verschiedene weitere Sozialgesetze. Im sächsischen Schulgesetz von 1836 wurde der obligatorische Schulbesuch von Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren festgelegt. Die Gemeinden wurden verpflichtet, ein Schulgebäude zu bauen, zu unterhalten und den Sold für die Lehrer zu zahlen. Während dieser Zeit durften die Kinder in kein Lehr- oder Ausbildungsverhältnis eintreten und so war die Schulpflicht auch ein wirksames Mittel gegen Kinderarbeit.

Auch für die Armen wurde etwas getan: die Gemeinden wurden verpflichtet, öffentliche Armenanstalten zur Versorgung zu errichten und auch die ersten staatlichen Waisenhäuser wurden gebaut. Und weitere Benachteiligungen wurden abgeschafft: so wurden ab 1831 unehelich geborene Kinder legalisiert und ab 1838 erfolgte die gesetzliche Aufhebung der Unselbstständigkeit von Frauen vor Gericht. Last but not least schaffte ein Steuergesetz Privilegien für den Adel ab und eine neue Städte- (1832) und Gemeindeordnung (1839) gaben diesen weitgehende Selbstverwaltungsbefugnisse.

Auch die Landwirtschaft wurde reformiert bzw. die bisherigen Verhältnisse: bäuerliche Frondienste wurden aufgehoben, auch die jahrhundertlange Erbzinspflicht an den Grundherrn für die Pächter. Nach Zahlung einer Entschädigungssumme (für die man günstige Kredite erhalten konnte), ging der Grund und Boden schuldenfrei an die Bauern über. Außerdem wurde der Kauf und Verkauf von Rittergütern und Bauernhöfen vereinfacht und die Gesindepflicht für die Bauernkinder abgeschafft. Mit der Aufzählung wird deutlich, welche mittelalterlich anmutenden Gesetze und Gepflogenheiten bis dahin immer noch geherrscht hatten!

Diese Reformen verhalfen der Landwirtschaft zu neuer Blüte.

Ein Vorbild für diese Reformtätigkeit war übrigens der ungeliebte preußische Nachbar. Auch wenn man es vielleicht nicht so gerne zugab…Dort waren entsprechende Reformen schon früher umgesetzt worden.

 Handelspolitisch entschloss man sich, 1834 dem deutschen Zollverein beizutreten. Denn ohne Mitgliedschaft wurden auch innerhalb der deutschen Länder Zölle fällig und der Marktzugang von einheimischen Produkten in andere Binnenländer war gleichfalls schwieriger.

Trotz aller Reformen gab es 1848/49 auch in Sachsen eine Märzrevolution. Denn natürlich gab es Elend im Land, ob nun das durch die wachsende Industrialisierung entstandene arme Stadt-Proletariat oder auf dem Land. Allerdings verliefen die Unruhen zunächst eher unspektakulär, zumal König Friedrich August der II. die Hauptforderungen der Umsturzpartei, die sich formiert hatte, alsbald erfüllte: ob nun Pressefreiheit, einen liberaleren Präsidenten der Abgeordnetenkammer, sowie ein allgemeines Versammlungs- und Vereinigungsrecht und die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts.

Nicht ganz überraschend errang die demokratische Linke bei den darauffolgenden Wahlen einen überwältigenden Sieg. Ihr Zentrum war übrigens in Leipzig, woher auch ihr Hauptagitator Robert Blum (1807-1848) kam.

Als der König wegen eines Streits um die Anerkennung der Frankfurter Paulskirchenverfassung 1849 den Landtag auflöste, kam es zu einem Aufstand radikalerer Kräfte „Dresdner Maiaufstand“ genannt. Nach Straßenkämpfen wurde er mit Hilfe preußischer Truppen zum Erliegen gebracht und die Rädelsführer verfolgt und verurteilt, wobei die gefällten Todesurteile wohl nie vollstreckt wurden. Wie in anderen Ländern auch folgte darauf erstmal wieder ein reaktionärer Kurs: mittels eines Staatsstreichs wurden fast alle Errungenschaften der Märzrevolution wieder kassiert! Man verfolgte in den Folgejahren eine eher rückschrittliche Politik mit mehr Überwachung und Gängelei seitens des Staates. So wurden die politischen Gesinnungen der Volksschullehrer staatlich überwacht.

Das Leben von August Friedrich II. endete abrupt: mit einem tödlichen Unfall. Mit seiner zweiten Frau fuhr er im Sommer nach Bayern, um ihre adelige Verwandtschaft zu besuchen. Er fuhr allerdings weiter nach Tirol. Er hatte diesen Landstrich schon wiederholt besucht, denn er fasziniert von der alpinen Bergwelt. Bei einer steilen Auffahrt kam sein Reisewagen ins Schleudern und er wurde aus der Kutsche zwischen die Pferde geschleudert. Ein Pferd trat ihm auf den Kopf. Man konnte ihn zwar noch bis zum nächsten Gasthof bringen, aber er erlangte das Bewußtsein nicht wieder und starb. Von wegen früher war Reisen ungefährlicher!

Sein Bruder Johann (1801-1873)

führte als sein Nachfolger seine Politik weiter -wie August Friedrich II. war auch er ein Feingeist, der sich als Mäzen nicht nur der Förderung von Musik und Oper verschrieb, sondern auch Wissenschaften und Gelehrsamkeit. Was die Bewahrung und Restaurierung überlieferter Kunstschätze anging (die ja in den schon bestehenden Museen zahlreich zu bewundern waren), war er ein Vorreiter der späteren staatlichen Denkmalpflege.

Daneben war Johann selbst Autor, seine Übersetzung des Buches „Divina Commedia“ von Dante Alighieri unter dem Pseudonym „ Philates“ war unter Gelehrten anerkannt. Sein Einfluss stärkte Dresdens Ruf als ein Zentrum der deutschen Kultur und des Geisteslebens.

Politisch näherte man sich in den Folgejahren wieder den Habsburgern an. Man trat zwar 1862 einem Freihandelsvertrag zwischen Preußen und Frankreich bei. Alles andere wäre aber auch dumm und für die Wirtschaft schädlich gewesen.

Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 kämpfte man jedoch mit 32 000 sächsischen Soldaten unter dem Kommando des zukünftigen König Alberts an der Seite der Österreicher. Und verlor mal wieder!

In der Folge trat man dem Norddeutschen Bund bei, der von den Preußen dominiert wurde und musste zähneknirschend einige Einschränkungen seiner Rechte als souveräner Staat akzeptieren. Aber man blieb ein eigenständiger Staat! Dafür hatte sich wohl Otto von Bismarck beim preußischen König Wilhelm I. eingesetzt. Als Stratege tat er das sicher nicht ohne Grund. Später hatte er dafür einen loyalen Verfechter der Idee des deutschen Reichs an seiner Seite.

Im Folgekrieg 1870/71 gegen Frankreich kämpfte Sachsen dann Seite an Seite mit den Preußen. Kronprinz Albert erwies sich als geschickter Feldherr und hatte mit den von ihm geführten Truppen entscheidenden Anteil beim Sieg in der Schlacht bei Sedan, die zur Kapitulation des französischen Heeres führte. Das sicherte ihm Anerkennung und Beliebtheit in ganz Deutschland  – sogar in Preußen.

Auch die Verhandlungen zum Beitritt der süddeutschen Staaten zum deutschen Reich wurden unter Federführung des sächsischen Außenministers Freiherr von Friesen zusammen mit Berliner Diplomaten erfolgreich abgeschlossen. Bei der Proklamation des deutschen Reichs in Versailles ließ sich der amtierende König Johann von seinen beiden Söhnen Albert und Georg, beides spätere sächsische Könige vertreten. Ein Zufall? Denn auch ein anderer Landesherr fehlte – Heinrich XIV., letzter Herrscher des kleinen Fürstentums „Reuß älterer Linie“, in diesem Artikel erzähle ich seine Geschichte. Letzterer hatte zwar dem Reichsvertrag zugestimmt, aber eher unter Vorbehalt, wie er seinem Vertrauten König Johann berichtet hatte. Heinrich XIV. wurde Preußen durch die Reichsgründung zu mächtig, er wollte eher die bisherigen föderalistischen Strukturen beibehalten.

Sachsen unterstützte jedoch in den Folgejahren aktiv das neugegründete Deutsche Reich und justierte auch seine innere Verwaltung neu. 1873 wurden durch Verwaltungsreformen die lokale Justiz und Verwaltung getrennt. Mit einem Volksschulgesetz im gleichen Jahr wurden die Schulen unter staatliche Aufsicht gestellt – bisher hatte diese in der Hand der Kirche gelegen. So erfolgte auch eine Trennung von Kirche und Staat. Im gleichen Jahr starb König Johann. Sein ältester Sohn

Albert (1828-1902),

der erfolgreiche Feldherr, wurde sächsischer König. Er führte die Einordnung seines Landes in das Deutsche Reich fort und betrieb eine Politik, welche die Einhaltung der bundesstaatlichen Ordnung unterstützte und die Aussöhnung mit dem mächtigen preußischen Nachbarn zum Ziel hatte. Seine Frau Carola sollte die letzte sächsische Königin sein. Die beiden hatten 1853 geheiratet. Es war wohl eine Liebesheirat – damals nicht selbstverständlich. Carola hatte „einen guten Namen“, war aber vom finanziellen Hintergrund eher mittellos. Dazu war sie kurz vor dem Kennenlernen des Prinzen Albert zum katholischen Glauben konvertiert. All das war jedoch kein Hinderungsgrund für Albert, sie zu heiraten. Die Ehe, die 49 Jahre währte, wurde als glücklich angesehen. Sie blieb kinderlos.

Carola engagierte sich in vielfältiger Weise karitativ. So gründete sie schon als Kronprinzessin den (nach ihrem Mann benannten) Albert-Verein zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen – daraus ging die interkonfessionelle Schwesterngemeinschaft der Albertinerinnen hervor. Während ihrer Zeit gründete sie verschiedene Vereine, die sich u.a. der Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen und Waisen, der Betreuung von Kindern (berufstätiger Eltern), der Altersversorgung von Dienstboten sowie der Einrichtung von Lungenheilstätten widmeten. Sie kümmerte sich auch um die Förderung der Berufstätigkeit von Frauen durch einen Nähmaschinenerwerbsverein und ließ eine Fach- und Gewerbeschule für Frauen von ihrem Carolaverein in Leipzig errichten. Auch eine Erziehungs- und Bildungsanstalt für körperlich behinderte Kinder( damals Krüppel genannt) ließ sie bauen.

Dass sich „Landesmütter“ karitativ engagierten, war damals nicht ungewöhnlich, so z.B. auch Luise von Baden, wie in diesem Artikel über das Großherzogtum Baden erzählt wird.

Ohne diese Aktivitäten dadurch zu schmälern, war es für die Gattinnen der Herrscher, wie auch adelige Frauen, die einzige Möglichkeit, sich sinnvoll zu betätigen und auch Anerkennung zu erlangen. Denn die berufliche Ausbildung von Frauen war erst in der Entstehung und eine berufliche Tätigkeit wäre, abgesehen davon, für diese Frauen in jener Zeit auch nicht in Frage gekommen. Die Tradition, dass sich Frauen von Herrschern (heute sagt man wohl Regierungsoberhäupter) sozial engagieren, hat sich bis heute erhalten. Die Ehefrauen unsere Bundespräsidenten unterstützen gleichfalls karitative Verbände und Organisationen und machen sich für bestimmte Themen, die sonst in der Gesellschaft nicht die verdiente Aufmerksamkeit finden würden, stark. Eine gute Tradition, wie ich finde.

Zurück zu Sachsen im Kaiserreich und dessen Verkehrspolitik. Manchmal wollte man sich das Ruder von Preußen doch nicht ganz aus der Hand nehmen lassen, z.B. in der Eisenbahnfrage. Bismarck wollte für ein einheitliches Eisenbahnnetz alle Streckennetze der Länder übernehmen. Dagegen widersetzte sich Sachsen und überführte 1873 und in den Folgejahren die bis dato meist privat betriebenen Lokalbahnen in sächsisches Staatseigentum.

Andere Länder, z.B. Württemberg und Bayern widersetzten sich übrigens auch und behielten ihre Bahnen in eigener Hand. Die Idee einer einheitlichen „Reichseisenbahn“ scheiterte damit – sie sollte erst nach dem 1. Weltkrieg umgesetzt werden. Die Preußischen Staatseisenbahnen waren aber allein durch die Größe dieses Bundeslandes recht dominant und übernahmen im Verlauf der Kaiserzeit auch verschiedene Strecken außerhalb ihres Territoriums bzw. schlossen sich 1897 mit den Hessischen Staatsbahnen zusammen. Sachsen hatte das dichteste Eisenbahnnetz in ganz Deutschland, was natürlich sehr förderlich für seine Wirtschaft war.

Politisch bekam auch in Sachsen die sozialdemokratische Partei Zulauf, kein Wunder, denn Sachsen war eines der industriellen Zentren des Landes mit einer wachsenden Anzahl an Arbeitern, die ihre Interessen im Lande vertreten haben wollten. So bekam die sozialdemokratische Partei bei den Landtagswahlen 1895 32,5 Prozent der Stimmen. Damit die Macht der Sozialdemokraten nicht noch größer wurde, beschloss die konservativ-liberale Mehrheit im Landtag etwas dagegen zu tun: sie änderte das (bis dahin) recht fortschrittliche Wahlrecht zu einem Dreiklassenwahlrecht, welches trotz zahlreicher Proteste erst 1909 wieder geändert wurde. Zum Wahlrecht in Sachsen gibt es diesen Artikel, der die einzelnen Entwicklungen genauer erzählt.

Nach dem Tod Alberts 1902 folgte ihm zunächst sein Bruder Georg (1832-1904) als König. Weil er nicht zugunsten seines Sohnes Friedrich August auf den Thron verzichtet hatte, war er in seiner kurzen Amtszeit von 2 Jahren äußerst unpopulär. 1904 verstarb er an der einer Grippe und nun folgte ihm sein Sohn:

Friedrich August III. (1865-1932)

als letzter König von Sachsen. In Erinnerung geblieben ist er durch seine bodenständige Art als bürgerlicher König und auch durch seine zahlreichen Sprüche, in breitem sächsischen Dialekt vorgetragen. Die Einschätzung von Kaiser Wilhelm II., er wäre mehr „August“ als Friedrich tat ihm aber unrecht, da er ein pragmatischer und beim Volk beliebter Herrscher war.

Friedrich August der III. war verheiratet gewesen – mit der Erzherzogin Luise von Österreich-Toskana. Die Ehe war zunächst glücklich gewesen und das Paar bekam sechs Kinder. Beim Volk war sie beliebt, jedoch hatte die Prinzessin Schwierigkeiten mit der strengen Hofetikette und war auch dem Fremdflirten nicht abgeneigt. Zu ihrer Verteidigung lässt sich vorbringen, dass ihr mächtige Persönlichkeiten am Hof nicht wohlgeneigt waren: Ihrem Schwiegervater (der spätere kurzzeitige König Georg) war sie zu beliebt und auch das Verhältnis mit dessen Schwester Mathilde von Sachsen, die auch am Hof lebte, war schwierig. Luise war wohl allerlei Intrigen ausgesetzt. Ob nun ein Liebhaber (wie es in der Öffentlichkeit damals dargestellt wurde) oder ihr unglückliches Leben am Hof der Hauptgrund war – jedenfalls flüchtete sie 1902, schwanger mit dem  7. Kind, vom Dresdner Hof nach Genf, wo sie ihren Bruder sowie ihren Liebhaber traf. Zu einer Rückkehr war Luise nicht zu bewegen. Ohne ihren Mann Friedrich August zu fragen, ordnete König Georg 1903 die Scheidung an. Die Prinzessin verzichtete auf alle Ansprüche – ihr jüngstes Kind Anna Monika Pia behielt sie zunächst, später (ab 1908) wuchs die Kleine dann bei ihrem Vater, dem sächsischen König auf (dazu gab es einen Vaterschaftstest). Natürlich war das ganze damals ein riesiger Skandal, über den in allen Zeitungen berichtet wurde.

Luise genoß ihr Leben mit weiteren Liebhabern und lebte an verschiedenen Orten, in Frankreich, am Bodensee, auf Mallorca und in Brüssel. Auch der Wiener Hof hatte sie verstoßen.

Nachdem mit Beginn des 2. Weltkrieges die Zahlungen an sie ausblieben, stand sie plötzlich mittellos da. Als Blumenfrau starb sie verarmt 1947 in Brüssel.

Bilder aus glücklichen Familientagen: Porträt der Prinzessin, mit 4 ihrer 6 Kinder, Besuch des Königs der jüngsten Tochter (die zunächst bei ihrer Mutter, später dann gleichfalls beim Vater lebte)

Und so war der König ein alleinerziehender Vater von fünf bzw. später sechs Kindern (ein weiteres Kind war bei der Geburt verstorben). Auch er war ein Unterstützer der schönen Künste: Ein Drittel seiner privaten Einkünfte gab er zur Förderung von Kunst und Kultur aus. Davon profitierten die Museen, Sammlungen, aber auch der Konzert- und Theaterbetrieb. Das Königliche Schauspielhaus und die Semperoper hatten einen guten Ruf. So kam der damals populärste Komponist, Richard Strauss, zur Uraufführung seiner Opern „Salome“ (1905), „Elektra“ (1909) und „Der Rosenkavalier“ (1911) nach Dresden.

Das Land prosperierte wirtschaftlich weiter als eines der industriellen Zentren Deutschlands. Bis der 1. Weltkrieg kam. Auch sächsische Soldaten zogen in den Krieg, insgesamt etwa 750 000 bis zum Ende des Krieges 1918. Von ihnen wurde fast die Hälfte verwundet, 210 000 fielen und 19 000 Soldaten blieben vermisst. Die Stimmung im Land war ähnlich der in Gesamtdeutschland. Die anfängliche Kriegsbegeisterung wich schnell Ernüchterung. Viele kleinere Betriebe mussten schließen, nicht nur weil die Geschäfte nicht mehr liefen, sondern auch, weil Arbeitskräfte in kriegswichtige Industrien versetzt werden durften. In der sächsischen Landwirtschaft hielt sich der Schaden in Grenzen – hier ersetzten Frauen die fehlenden Männer als Arbeitskräfte.

Das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete auch das Ende des Königreiches Sachsen. Auch wenn sie nicht explizit gegen den herrschenden König und die Monarchie gerichtet waren, gab es Ende Oktober 1918 in den größeren Städten des Landes öffentliche Kundgebungen gegen den Krieg und die schlechte Versorgungslage. Doch dann erfasste die landesweite Erneuerungsdynamik auch Sachsen – revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte besetzten öffentliche Ämter und Gebäude und in Dresden wurde am 9. November 1918 auf dem Turm des Residenzschlosses die rote Fahne gehisst und die Monarchie für abgeschafft erklärt. Der König verließ die Stadt und erklärte am 13. November seinen Thronverzicht – zunächst nur für sich (und nicht seine Nachkommen, von denen jedoch auch keiner Ambitionen zeigte). Blut vergossen wurde dabei kaum, da der König Waffengewalt gegen die Meuterer untersagt hatte.

Dass viele Sachsen ihren König nach seiner Abdankung (trotzdem oder immer noch) liebten, kam schon in den 20er Jahren zum Ausdruck, wenn er „zu Besuch“ kam. Hier eine (wahre) Anekdote der vielen, die es über ihn gibt, dazu:

Bei einer Durchfahrt durch Sachsen vermied der Exkönig alles, was seine Gegenwart verriet. Seine Anwesenheit hatte sich jedoch nicht verheimlichen lassen und es sammelten sich königstreue Sachsen. Zunächst verhielt sich die Menge zurückhaltend. Dann begannen Hochrufe, und als Friedrich August auch daraufhin nicht am Coupéfenster erschien, trommelte die begeisterte Menge an die Scheiben des Wagens. Da ging ein Fenster herunter, eine Faust drohte den Verehrern und eine vertraute Stimme rief: „Ihr seid mir scheene Rebbubligahnr!“

Als er recht überraschend 1932 mit 67 Jahren starb, säumten bei seinem Begräbnis in Dresden Hunderttausende die Strassen, um ihm das letzte Geleit zu geben. Er liegt in der Hofkirche begraben. Die Linie der Wettiner Herrscher albertinischer Linie endete mit ihm.

Im eingangs erwähnten Fürstenzug fehlt er als letzter Herrscher – mit seinem Einverständnis entschloss man sich, das schon geschichtsträchtige Bild nicht im nach hinein zu verändern. Der Fürstenzug zeigt aber nicht nicht nur die Wettiner Herrscher, sondern auch Repräsentanten des einfachen Volkes wie Bauern, Bergleute, Schüler und Studenten, Künstler, Gelehrte und Wissenschaftler als Sinnbild der Verbundenheit von Volk und Herrschern.

Wie wir gesehen haben, gab es eine ganze Bandbreite an Herrscher-Persönlichkeiten, vom klugen Strategen bis zum rücksichtslosen Despoten. Auch die Volksverbundenheit mit diesen Herrschern war entsprechend unterschiedlich, aber gerade bei den letzten Königen war sie vorhanden.  Die Zeit der Monarchien war jedoch nach dem 1. Weltkrieg auch in Sachsen abgelaufen.

Das Land wurde mit neuer Verfassung 1920 zum Freistaat und im Nationalsozialismus eine Gebietskörperschaft. Nach dem 2. Weltkrieg stark zerstört, wurde es 1945 sowjetische Besatzungszone und ab 1949 Teil der neugegründeten DDR. Hier gab es „Sachsen“ als Staat nicht mehr, das Gebiet wurde in drei Bezirke (Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt (jetzt Chemnitz) aufgeteilt. Nach der Wiedervereinigung wurde es dann als Land 1990 erneut zum Freistaat – bis heute.

Neben eigenen Recherchen, Artikeln und Bildern aus zeitgenössischen Büchern und Zeitschriften über das Sächsische Königreich, war die Hauptquelle für diesen Artikel das Buch von Prof. Frank-Lothar Kroll „Geschichte Sachsens“, bei dem ich mich ganz herzlich für seine Unterstützung bedanken möchte.

Gleichfalls von ihm sind zum Thema Sachsen erschienen: „Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089-1918“ sowie mit Hendrik Thoss: „Zwei Staaten – eine Krone. Die polnisch-sächsische Union 1697-1763.“

Frank Lothar Kroll ist Professor für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Technischen Universität Chemnitz. Die Geschichte Sachsens hat er nicht nur in seinen Büchern beschrieben – auch in Reportagen über die Geschichte von Sachsen kommt er gerne als Fachmann zu Wort, z.B. in der ZDF-History Reihe „Sachsens Herrscher“.

Bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden möchte ich für die Unterstützung mit Bildmaterial bedanken.

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Zeige 2 Kommentare
  • Bertram Oertel
    Antworten

    Die kompakteste und dennoch leicht zu lesende Geschichte Sachsens in nicht so ganz bierernster, verständlicher Sprache sowohl für Sachsen, als auch für die sonstigen „Saupreißen“.

    • Grete Otto
      Antworten

      Danke – freut mich, dass es so angekommen ist, wie beabsichtigt 😊!

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