Was geschah vor 110 Jahren im Mai?

 In Alltagsleben, Aus dem Frauenleben, Sport, Unkategorisiert, Was geschah vor 110 Jahren, Zeitgeschehen

Für alle Neulinge, welche die Rubrik noch nicht kennen, gibt es hier eine Einführung dazu.

Bürgerkrieg in der Türkei – Ein reaktionärer Sultan muss gehen!

Hier die Hauptakteure:

In der Türkei geht es zu jener Zeit hoch her, es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Es kämpfen: Alttürken gegen Jungtürken.

Sultan Abdülhamid II, Führer der Alttürken:
Der Sultan war seit 1876 an der Macht. Als Alleinherrscher stand er für eine Monarchie ohne Mitspracherechte. Islamische Religion (damals mohamedanisch genannt) spielte in seinem Staat die erste Rolle.

Mahmud Schefket Pascha, Unterstützer der Jungtürken:
war während der Volkserhebung gegen den Sultan der Generalissimus der Jungtürken mit unumschränkter diktatorischer Gewalt“ So der Untertitel von seinem Bild in der Sonntagszeitung. Das Ziel der Jungtürken war ein Staat mit einer konstitutionellen Monarchie und einer Verfassung – also neben dem Sultan ein Parlament und eine Regierung, welche die Geschicke des Landes mitbestimmen.

Es geht um Macht, Fortschritt und – Religion.
Bevor wir kurz zurückschauen, wie es zu den Unruhen kam, hier ein Bericht aus der Sonntagszeitung, welche die Ereignisse recht gut zusammenfasst:

Durch die Revolution in Konstantinopel ist der türkische Verfassungsstaat aufs schwerste erschüttert worden. In der Türkei kämpfen seit längerer Zeit zwei Parteien um die Herrschaft: die Jungtürken, die die politische Freiheit des türkischen Volkes anstreben und deshalb die Wiederherstellung der Verfassung vom Sultan erzwungen haben, und die Alttürken, die unabhängig von allen politischen Tendenzen das starre Festhalten an der mohammedanischen Religion als ihre Aufgabe betrachten. Zu den Jungtürken gehören hauptsächlich die Gebildeten und die Offiziere der türkischen Armee, während die Anhänger der Alttürken vorzugsweise in den unteren Kreisen des Volkes zu suchen sind.
Konstantinopel als der Mittelpunkt der mohammedanischen Staatsreligion, befindet sich zurzeit in den Händen der Alttürken; die Jungtürken dagegen haben ihre Anhänger hauptsächlich in Saloniki, nächst Konstantinopel der wichtigste Seehandelsplatz der europäischen Türkei. Von hier aus hat jetzt der Ansturm gegen Konstantinopel begonnen, und es ist anzunehmen, daß die nächste Zeit mit schweren Kämpfen zwischen Jung- und Alttürken ausgefüllt sein wird. Da der Bewegung der Alttürken religiöse Motive zugrunde liegen, so ist auch die christliche Bevölkerung in der Türkei bedroht, und deshalb haben die europäischen Großmächte die Entsendung von Kriegsschiffen in die türkischen Gewässer angeordnet. Die Türkei steht im Zeichen des Bürgerkrieges.

Um das alles richtig einzuordnen, hier ein kurzer Rückblick, wie diese Situation entstand:

Rückblick:
Durch einen Staatstreich kam Sultan Abdülhamid II. 1876 an die Macht. Zunächst sah alles gut aus: durch ein Komitee aus Religionsgelehrten, Militärs und Zivilbeamten ließ Abdülhamid die erste osmanische Verfassung erstellen, die dem Sultan zwar recht große Freiheiten gewährte, im grossen und ganzen aber einen Fortschritt bedeutete. Allerdings reizte der Sultan die ihm so gewährten Freiheiten aus: so schickte er den Mitbegründer der Verfassung, Großwesir Midhat Pascha ins Exil. Weiterhin wurde das Parlament aufgelöst.
Nicht genug damit, der Sultan nahm die beschlossenen Reformen kurz darauf wieder zurück und regierte despotisch als Alleinherrscher. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Herrschern sind rein zufällig). Wirtschaftlich wurde das osmanische Reich immer abhängiger von den europäischen Großmächten – nachdem das Reich 1875 seinen Staatsbankrott erklären musste. Ja, auch das gab es schon früher. Nur keine Rettungsschirme…

Was es aber gab, war eine Institution, welche die Interessen der wichtigsten europäischen Mächte vertrat: die „Administration de la Dette Publique Ottomane“ (deutsch: osmanische Staatsschuldenverwaltung). Das war ein Konsortium aus den europäischen Gläubigern, Hauptgläubiger war übrigens Frankreich mit 40%, gefolgt von England mit knapp 30%. Deutschland hatte nur eine geringe Beteiligung. Diese Schuldenverwaltung verwaltete Einnahmen aus wichtigen Steuern im osmanischen Reich (z.B. Tabak, Salz und Alkohol) und verwendete sie zur Rückzahlung der Schulden. Der wirtschaftliche Spielraum für die Türkei wurde durch die Schuldenrückzahlungen und auch die Kontrolle ausländischer Finanzinstitutionen kleiner.

Kleiner Exkurs: Die obigen Bilder von ca. 1900 vom damaligen Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) und seinen Sehenswürdigkeiten und Stadtteilen  fand ich in einem alten Buch „Auf biblischen Pfaden“ – zur Vorstellung, wie Istanbul damals aussah.

Eskalation 1908
Die schon vorhandene Wirtschaftskrise wurde in den Jahren 1905 – 1907 noch durch Missernten verschärft. Die Gehälter der Beamten konnten nicht mehr ausgezahlt werden.
Im Juli 1908 eskalierte dann die Situation: Es kam zum militärischen Konflikt zwischen den fortschrittlich gesinnten Jungtürken, welche die frühere Verfassung wiederhaben wollten und dem osmanischen Militär des Sultan. Unter diesem Druck setzte der Sultan die 1878 abgesetzte Verfassung wieder in Kraft und es wurde eine neue Regierung gebildet, mit den Jungtürken an der Macht.

Putschversuche im April 1909
Allerdings wollten die im obigen Artikel genannten „Alttürken“, also die konservativen Kräfte, dies so nicht auf sich beruhen lassen. Es kam zur Rebellion und zum in der Geschichte so bezeichnetem „Vorfall vom 31. März“ nach dem Rumi-Kalender. Nach unserem Kalender war es der 13. April, an dem sultanstreue Soldaten gegen die jungtürkische fortschrittliche Regierung, die eine konstitutionelle Monarchie umgesetzt hatte, putschten. Sie wollten das alte Regime mit dem Sultan als Alleinherrscher zurück.
Es kam zu Kundgebungen von mehreren tausend Soldaten und konservativen Teilen der Bevölkerung auf dem Sultan-Ahmed Platz in Istanbul. Jungtürkische Politiker wurden ermordet und auch ein Journalist. Der Aufstand konnte jedoch niedergeschlagen werden.
Nicht verhindert werden konnte das Massaker von Adana, der aufgrund dieses „Vorfalls“ passierte und bei dem schätzungsweise 20.000 Armenier (die Angaben dazu sind sehr unterschiedlich) von reaktionären Truppen getötet wurden – viele waren als Saisonarbeiter zur Baumwollernte in die Region Adana gekommen.

Am Ende musste der Sultan abtreten, der Artikel in der Sonntagszeitung vom Mai 1909 erzählt dazu:

Die Schreckensherrschaft Abdul Hamids (heutige Schreibung: Abdülhamid), des 34. Sultans vom Stamme der Osmanen, die im Jahre 1288 zur Herrschaft gelangten, ist gebrochen. Das eherne Gesetz der Entwicklung, den Abdul Hamid sich lange entgegenstemmte, hat ihn zermalmt. Er ist seinem ganzen Naturell nach ein Despot gewesen, grausamer und selbstsüchtiger sogar als jene Tyrannen, von denen uns die Geschichte des alten römischen Kaiserreichs berichtet. Durch die Ermordung seines Oheims (Onkel mütterlicherseits), Abdul Asis, ist er auf den Thron gelangt, und durch Massenmorde hat er sich 33 Jahre auf dem Thron gehalten!

Selbstsüchtiger als römische Tyrannen, geht das? Auch die Massenmorde werden thematisiert, allerdings nicht, welche genau gemeint sind.
Weiterhin erfahren wir im Artikel noch einige Einzelheiten über die Erbfolge: Abdülhamid wollte seinen Lieblingssohn als Thronfolger einsetzen, die gesetzliche Regelung sah aber das älteste Mitglied der Herrscherfamilie als Nachfolger vor – das war sein Bruder Prinz Reschad, den der Sultan hatte einsperren lassen.

Über die Jungtürken heißt es:
Die Jungtürken sind also die treuen Verfechter der Verfassung, während Abdul Hamid und sein Anhang das Recht nicht auf ihrer Seite hatten.

Und über die Absetzung des Sultans schließlich:
Ein Sultan kann nur dann abgesetzt werden, wenn er physisch oder moralisch unfähig ist, sein Amt zu bekleiden. Darüber entscheidet der Rat der Ulemas, dem der Scheich ül Islam präsidiert. Er ist der oberste Richter in kirchlichen Rechtsangelegenheiten. Da der Sultan Abdul Hamid den Eid, den er auf die Verfassung geleistet hat, gebrochen hat, so ist er als Meineidiger unwürdig, das Kalifat zu behalten und wurde deshalb abgesetzt.

Tatsächlich wurde sein Bruder Prinz Reschad, der als Sultan Mehmed V. hieß, Nachfolger von Abdülhamid, allerdings war er eine Marionette der Regierung der Jungtürken und hatte selbst so gut wie keine Machtbefugnisse mehr. Schon als er an die Macht kam, galt er als gebrochener Mann – immerhin hatte er 45 Jahre in politischer Gefangenschaft verbracht.
Als Mehmed V. 1918 kurz vor Ende des 1. Weltkrieges starb, folgte ihm sein Halbbruder Mehmed VI. als letzter Sultan, bevor dieser 1923 abgesetzt wurde und in Ankara die Republik ausgerufen wurde.

Diese Geschichte zeigt auch: Der Konflikt zwischen Reformern und konservativen Kräften, zwischen denen, die einen größeren Einfluss des Islam auf Politik und das öffentliche Leben fordern und denen, die gegen eine Alleinherrschaft kämpfen, ist älter als die Türkische Republik. Man kann nur hoffen, dass sich auch in der aktuellen Situation die progressiven Kräfte durchsetzen!

 

Es lebe der Sport:

Durch den Grunewald zur Rennbahn – Eröffnung!

Durch den Grunewald zum Badestrande – eine Liedzeile aus einem NDW-Song, meine Generation wird ihn kennen (Sommersprossen von UKW). 1909 wurde im Grunewald allerdings eine Rennbahn eröffnet. Die kaiserliche Familie kam zur Eröffnung – der Kaiser im Auto, die Kaiserin in der Kutsche. Heute gäbe die getrennte Anreise sicherlich Anlass zu Spekulationen…In jedem Fall waren vor dem kaiserlichen Pavillon alle wieder vereint, wie man sieht. Der Kaiserpavillon lag übrigens taktisch günstig unmittelbar am Ziel etwas erhöht auf einem Hügel.

  1. 000 Menschen kamen am Eröffnungstage – denn zeitgleich wurde auch eine neue Station „Rennbahn“ des Spandauer Vorortzuges eingeweiht.

Nach der Eröffnung fanden regelmäßig Rennen auf der Grunewald-Bahn statt, bis der Betrieb wegen des 1. Weltkriegs zum Erliegen kam. In dieser Zeit wurden Teile des Hauptrestaurants teilweise als Lazarett genutzt. Nach dem Krieg ging es wieder aufwärts mit der Rennbahn – ein Höhepunkt war die Austragung des Deutschen Derbys 1919, dass wegen Unruhen kurzfristig von Hamburg nach Berlin verlegt worden war.

Nachdem sich Deutschland für Olympia 1936 beworben hatte und ein neues Stadion benötigt wurde, sollte das Deutsche Stadion zunächst aus Kostengründen nur umgebaut und die Rennbahn erhalten werden. Als Hitler an die Macht kam, entschied er sich jedoch für die große Lösung: einen Neubau. So wurde die Rennbahn 1934 abgerissen. Heute steht an seiner Stelle das Olympiastadion, Heimstätte des Berliner Fußballvereins Hertha BSC – und da sind wir gleich beim nächsten Sport-Thema:

Es wird Fußball gespielt! (und Berlin ist 3x zweiter Sieger)

Dass Fußball eine lange Tradition in Deutschland hat, ist bekannt (okay, England hat eine noch längere…). Trotzdem findet man in den Zeitschriften sehr wenig zu diesem Sport. Umso erfreuter war ich über dieses Bild aus einer Mai-Ausgabe der Sonntagszeitung. Die Information dazu ist allerdings eher spärlich – es gibt nur die Bildunterschrift:

Zum Fußball-Städtewettkampf Berlin-Wien: Die siegreiche Wiener Mannschaft.

Zwei weitere Informationen habe ich zum Fußball 1909 noch gefunden: Es gab den ersten Kronprinzenpokal, der im April ausgespielt wurde. Und wer gewann? Mitteldeutschland. Gegen wen? Wieder Berlin! Und dann war da noch die deutsche Meisterschaft, die in diesem Jahr immerhin zum 7. Mal ausgetragen wurde. Es gab eine Endrunde mit acht Mannschaften, das Finale lautete: Karlsruher FC Phönix gegen Berliner TuFC Viktoria 89. Der Spoiler in der Überschrift hat es schon verraten – Karlsruhe gewann mit 4:2 und wurde deutscher Meister.
Zur Entwicklung des Fußballs, verbunden mit dem Wunsch nach einem großen Stadion in Berlin, heißt es in einem Sport-Buch von 1910:

Zwar haben die Fußballvereine keinen Mangel an Spielplätzen, auf denen sie größere Zuschauermengen empfangen können, aber wie die letzten großen Veranstaltungen Berlin-Wien und Deutschland-England gezeigt haben, ist das Interesse der Öffentlichkeit für den Fußballsport in so erfreulich raschem Steigen begriffen, daß wir wünschen müssen, für große nationale und internationale Veranstaltungen einen auch nach internationalen Begriffen erstklassigen und repräsentativen Platz in Berlin zu besitzen.

Nicht nur den Städtewettkampf als internationalen Wettkampf, sondern sogar den Klassiker „Deutschland-England“ gab es also schon! War der Städtewettkampf vielleicht der Vorläufer des Europapokals? Wer mehr Informationen dazu hat, bitte melden! Ich habe dazu leider nichts weiter finden können.

Hilfe – Rollschuhfahrer (machen Berlin unsicher)!

Wer den Text von UKW noch im Ohr hat, eine weitere Liedzeile lautet: „Na Tina, woll’ n wir Rollschuh laufen?“ Inlineskaten heißt das heute! Und in etlichen großen Städten gibt es Abende, bei denen die Skater freie Fahrt haben und (von der Polizei eskortiert) im Corso durch die Straßen brausen. Neuere Erfindung? Von wegen!

Schon im Mai 1909 gab es Rollschuh-Corsos, zumindest in Berlin. Davon erzählt die Sonntagszeitung:

In jüngster Zeit sieht man auf dem glatten Asphaltpflaster der Berliner Straßen, namentlich in der Gegend Brandenburger Tor Siegessäule die Jugend beiderlei Geschlechts auf sausenden Rollschuhen dahinfahren. Eine nicht ganz ungefährliche Liebhaberei, die vielleicht auch nicht dazu ist, das Straßenbild Berlins zu verschönen.

Die Rollschlittschuhe, die ursprünglich in Schottland, dann in England (schon wieder eher!) und Amerika gebräuchlich waren, sind eine Zeitlang auch in Deutschland sehr beliebt gewesen. Sie fielen aber in Ungnade, weil das Laufen auf ihnen der Gesundheit nachträglich sein sollte. Das Urteil darüber hat sich aber mittlerweile wohl geändert.

Und – der „moderne“ Mensch fragt ja gar nicht danach, ob ein Sport schädlich oder nützlich ist. Die Rollschlittschuhe haben anstatt der schmalen eisernen Steige, drei oder vier kleine Rollen aus Metall, Holz oder Hartgummi.

Okay, die damaligen Fahrer sahen gesitteteter aus und die Corsos fanden am Tag statt. Egal, schon damals war die Maxime: „Hauptsache, es macht Spass!“ Und, ja, so richtig „schädlich“ ist das Laufen wohl auch nicht, damals wie heute.

Wer jetzt Lust bekommen hat, hier die Links zu den Terminen der Blade-nights von München, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg!

Aus dem Frauenleben

Es gibt mal wieder zwei „Erste“ zu feiern! Hier sind sie:

Die erste Bürgermeisterin in England

war Dr. Elisabeth Garret Anderson (1836-1917). Aber nicht nur das: Sie war gleichfalls die erste Frau:

die sich im Vereinigten Königreich als Ärztin qualifizierte,

die Mitglied der British Medical Association (BMA) wurde und

die Dekan einer medizinischen Fakultät in Großbritannien wurde.

Wow! Kein Wunder, dass sich Elisabeth Zeit ihres Lebens für das Frauenwahlrecht und das Recht der Frauen auf Ausübung qualifizierter Berufe einsetzte. Sie war ein Mitglied der Sufragettenbewegung und ihre Tochter Louise war gleichfalls eine bekannte Sufragette.

Eigentlich ist sie jedoch bekannter als erste englische Ärztin mit akademischen Abschluss. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, was für ein harter Kampf es für Elisabeth war, Ärztin zu werden. Zunächst arbeitete sie als Operationsschwester im Londoner Middlesex-Hospital. Dort nahm sie, wann immer es möglich war, auch an der Ausbildung der Medizinstudenten teil, bis ihr das nach (männlichen) Beschwerden verboten wurde. Daraufhin bewarb sie sich an verschiedenen medizinischen Hochschulen wie Oxford, Cambridge und London, wurde aber abgelehnt. Trotzdem arbeitete sie weiter als Aushilfsschwester und in einer Apotheke und erreichte mit dem Lizenziat – einem Abschluss der Apotheker-Genossenschaft-, dass sie als Ärztin praktizieren durfte. Übrigens änderte die Apotheker-Genossenschaft gleich nach Elisabeths Abschluss ihre Statuten, so dass das Lizenziat nunmehr explizit nur noch für Männer erlaubt war. Es war mehr ein Versehen gewesen, dass die Statuten vorher nicht „genderspezifisch“ formuliert waren.

Obwohl sie nach ihrem Lizenziat seit 1965 schon in ihrer eigenen Praxis arbeitete, hatte sie doch immer noch keinen akademischen medizinischen Abschluss. In Großbritannien waren Frauen noch nicht zum Medizinstudium zugelassen, in Frankreich schon. Deshalb entschloss sie sich, nach Paris zu gehen, lernte dort zunächst Französisch und schloss dort an der Sorbonne 1870 (endlich!) ihr Medizinstudium ab.

In London war sie 1872 eine der Gründerinnen des „The New Hospital for Women at the St. Mary’s Dispensary”, der ersten Frauenklinik mit ausschließlich weiblichem Personal, indem sie auch als Gynäkologin praktizierte.
1871 hatte sie den Industriellen James Anderson geheiratet, mit dem sie drei Kinder bekam.

Die erste Bürgermeisterin wurde Elisabeth erst im reifen Alter von 70 Jahren. 1902 hatte sie sich in Aldebourgh, Suffolk zur Ruhe gesetzt – wahrscheinlich war ihr das zu ruhig? 1908 wurde sie bereits gewählt – die Sonntagszeitung berichtete erst im Mai 1909 darüber.

PS: Für alle Aufmerksamen: Richtig, es wurde in der Oktober-Ausgabe von letztem Jahr schon einmal über eine „erste“ englische Bürgermeisterin berichtet – die es dann aber nur „fast“ wurde.

Der erste weibliche Schneidermeister in Deutschland

So die Original-Bildunterschrift. Nanu, war nicht Schneiderin eines der populären Frauenberufe damals? Auch eine hier veröffentlichte Geschichte einer Schneiderin aus dem Preisausschreiben der Gartenlaube erzählt davon. Anscheinend waren das dann aber Schneiderinnen ohne die offizielle Meisterprüfung, denn im Text heißt es:

Vor der Handwerkskammer in Frankfurt a. M. hat Fräulein Hedwig Prescher die Meisterprüfung im Schneiderhandwerk abgelegt. Damit hat sie u.a. die Berechtigung erworben, Lehrlinge zu halten und auszubilden.

Aus den Königshäusern –

gibt es eine Geburt zu vermelden.

Eine kleine Prinzessin, die einmal Königin werden wird

Am 30. April wird die Königin der Niederlande, Wilhelmina (1880-1962), Mutter: die kleine Juliana Louise Emma Marie Wilhelmina wird geboren. Links auf dem Bild ist der Prinzgemahl, Prinz Heinrich von zu Mecklenburg, mit dem sie seit 1901 verheiratet war. Rechts ist ihre Mutter (die Königin-Witwe, wie es in der Sonntagszeitung heißt), Emma.

Endlich! Denn wie es in der Zeitschrift Daheim heißt:

Damit hat sich eine Hoffnung erfüllt, die nach den wiederholten Enttäuschungen das Volk bereits fast aufgegeben hatte. Umso höher schlagen jetzt im Lande die Wogen der Freude über die Geburt einer Prinzessin…

Die wiederholten Enttäuschungen spielen (etwas herzlos) auf ihre vier Fehlgeburten an, die sie bis dato hatte. Wilhelmina war schon mit achtzehn Jahren Königin geworden, die erste weibliche Monarchin der Niederlande übrigens! Ihre Inthronisationsrede hatte sie selbst geschrieben, was allgemein für Bewunderung sorgte.

Die hier zu sehende Juliana blieb das einzige Kind des Paares, wurde nach der Abdankung ihrer Mutter 1948 selbst Königin der Niederlande und blieb das bis 1980. Dann übernahm ihre Tochter, Königin Beatrix – die den meisten, die gerne mal in ein Klatschblatt schauen (natürlich nur beim Friseur) bekannt sein dürfte (und den anderen vielleicht durch die Parodie von Hape Kerkeling).

Inzwischen, d.h. schon 2013 hat sie das Zepter an ihren Sohn, Prinz Willem Alexander, weitergereicht, den jetzigen König der Niederlanden. Da er und seine Frau Maxima drei Töchter haben, wird das nächste Oberhaupt wieder eine Königin sein.

Und nach so vielen Frauengeschichten zum Schluss noch etwas für die Männer:

 Ein Vater mit sieben Söhnen in einer Kompagnie

ist der Untertitel des Bildes und es heißt in der Sonntagszeitung dazu:

Der Werkführer Schröder in Schierstein und seine sieben Söhne hatten sämtlich bei der 1. Kompagnie der Kasseler Pioniere gedient. Unser Bild zeigt die acht Vaterlandsverteidiger; in ihrer Mitte die Gattin und Mutter.

Ja, damals waren Militär, Uniformen und Krieg sehr positiv besetzt – den letzten Krieg hatte man 1871 gewonnen! Was der Anlass des Fotos mit den acht Vaterlandsverteidigern war, steht nicht dabei, in jedem Fall schaut Werkführer Schröder stolz ins Bild – hat er doch mit der Anzahl der Söhne sogar den Kaiser übertroffen (der hatte sechs Söhne)!

 

Von der April-Ausgabe bin ich Euch noch eine Auflösung schuldig! Ich gebe zu, sooo schwer war es nicht, den Aprilscherz zu finden. Auch wenn es ganz verschiedene Zukunftsmodelle für das Auto gibt, das Modell mit Windantrieb wird sich wohl doch nicht durchsetzen…

Ich wünsche Euch einen sorglosen Mai – mit frischem Wind! Macht die Straßen unsicher und genießt die blühende Natur, ob nun mit Rollschuhen, pardon Rollerblades, Fahrrädern oder den neumodischen E-Rollern (falls die schon erlaubt sind). Oder ganz altmodisch zu Fuß!

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Herzlichst

Eure Grete

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