Ein Gastartikel von Petra Herzberg
Einführung
Elisabeth Amalie Eugenie Herzogin in Bayern und spätere Kaiserin von Österreich, besser bekannt als Sisi, wurde am 24.Dezember 1837 im Herzog-Max-Palais in der Münchener Ludwigstrasse 13 in eine stetig wachsende Großfamilie geboren. Zu dem Zeitpunkt ihrer Geburt war die Familie noch klein. Sie bestand aus Vater Herzog Max in Bayern und seiner Frau Herzogin Ludovika in Bayern sowie dem erstgeborenen Sohn Herzog Ludwig Wilhelm und der erstgeborenen Tochter Herzogin Helene in Bayern.
Sisi war das drittgeborene Kind, nachdem jedoch in rascher Folge noch weitere 5 überlebende Kinder geboren wurden. Im 19. Jahrhundert war es durchaus üblich, dass die Kinderschar in den Familien auf über 10 Kinder anwuchs. Fehlgeburten waren allgegenwärtig und nicht alle Kinder erreichten überhaupt das Erwachsenenalter. Krankheiten, Unterernährung, Kälte, Armut, mangelnde Hygiene und viele andere Faktoren ließen Neugeborene und Kleinkinder reihenweise wegsterben. Die medizinische Versorgung war noch sehr schlecht, Krankheiten wurden oft nicht rechtzeitig erkannt oder mit abenteuerlichen Maßnahmen wie Schröpfen, Aderlass und Gabe von seltsamen Tinkturen innerlich sowie äußerlich – meist nur mit mäßigem Erfolg – behandelt.
Viele Kinder zu haben war ein Privileg und eine Altersvorsorge für die Eltern, denn die Kinder kümmerten sich in der Regel um die schnell alt werdenden Eltern. Gesunde Kinder und besonders möglichst viele Söhne zu haben, war das Ziel und eine Win-Win Situation für Eltern und Kinder. Sie alle gesund durchzubringen war eine große Herausforderung, die selten gelang. Die Winter waren hart und lang, es gab Kriege und Auseinandersetzungen, schlechte Ernährung, die Hygiene ließ arg zu wünschen übrig und die medizinische Versorgung, besonders auf dem Land war sehr dürftig. Auch Herzogin Ludovika hatte Fehlgeburten. All ihre Kinder waren zeitlebens zwar sehr attraktiv und groß, aber alle waren extrem schlank. Besonders Herzogin Mathilde, der jüngste Spross war zeitlebens so zart und dünn, dass sie bis zu ihrem Tod nur auf den Spitznamen „Spatz“ hörte.
Bis auf die Töchter Marie und Sophie Charlotte hatten die Herzogskinder lustige Spitznamen von ihrer Mutter bekommen: Ludwig wurde „Louis“ gerufen, Carl Theodor war „Gakl“ oder „Gackel“, Helene war „Nene“, Elisabeth „Sisi“ und Maximilian war „“Maperl“ oder Mapperl“.
Zeitlebens hielten die Geschwister zusammen, liebten sich und waren sich bis auf eine Ausnahme, nämlich Carl Theodor und Sophie Charlotte bis zum Lebensende herzlich verbunden.
Schauen wir uns das Leben der drei Brüder von Sisi doch einmal genauer an. Alle drei waren interessante Persönlichkeiten, die von der Geschichte etwas vergessen wurden und in Sisi-Biografien nur am Rande auftauchen. Doch schaut man tiefer und genauerhin, entdeckt man viel Spannendes und Menschen, die gerne gelebt haben, einzigartig waren, geliebt wurden und uns viel hinterlassen haben.
Louis – der Erstgeborene
Ludwig Wilhelm Herzog in Bayern, in der Familie „Louis“ genannt, kam als erstgeborener Sohn von Herzog Max und Herzogin Ludovika in Bayern am 21. Juni 1831 im Münchener Cotta-Palais in der Theatinerstraße zur Welt. Zu dem Zeitpunkt war das für Herzog Max neugebaute Herzog-Max-Palais in der Münchener Ludwigstrasse 13, in dem auch Sisi geboren wurde, noch nicht bezugsfertig.
Als Louis 10 Jahre alt war, wurde Oberleutnant Karl Graf von Spreti sein Erzieher und militärischen Ausbilder. Mutter Ludovika war mit ihm nicht einverstanden. Seine strenge harte Hand gefiel ihr nicht. Louis‘ Nichte Amalie, eine Tochter von Herzog Carl Theodor (Gackel) erinnerte sich in ihren Tagebuchaufzeichnungen, dass Louis sein Leben lang zurückhaltend, leise und vorsichtig war, was sicherlich auf Spretis harte Erziehungsmethoden zurückging.
Schließlich gelang es Ludovika doch, ihren ältesten Sohn zur weiteren Erziehung an den sächsischen Hof zu schicken, wo er eine gute Ausbildung unter dem freundlichen Prinz Johann von Sachsen genoss.
Louis durchlief eine steile Karriere in der Bayerischen Armee, war dort als Major im 1. Chevaulegers-Regiment tätig und stieg sogar zum General der Kavallerie auf.
Er war hochgewachsen, schlank und ein schneidiger Reiter. Mit seinem gezwirbelten übergroßen Schnurbart und gepflegtem Erscheinungsbild war er bald der Liebling der bayerischen Schauspielerinnen. Louis liebte das Theater und so lernte er in Augsburg die bürgerliche Schauspielerin Henriette Mendel kennen und lieben. Wegen ihr und um sie heiraten zu können, verzichtete er im Jahre 1859 auf sein Erstgeborenen Recht.
Schwester Sisi war ihm stets wohlgesonnen und er konnte sich auf ihre Unterstützung verlassen. Den Verliebten wurde bereits am 24. Februar 1858 in der Augsbuger Maximilianstrasse 87 eine Tochter, Marie-Luise geboren. Ein Jahr später am 9. Mai 1859 brachte Henriette einen Sohn, Karl Emanuel zu Welt. König Maximilian II von Bayern adelte Henriette zur Baronin von Wallersee und somit stand der Hochzeit nichts mehr im Wege. Leider starb der kleine Karl Emanuel von Wallersee bereits mit nur 3 Monaten.
Die Eltern waren untröstlich. Doch sie konzentrierten sich auf die Erziehung der kleinen Marie-Louise. In ihren Memorieren ließ Marie-Louise jedoch kein gutes Haar an ihrem Vater. Sie hatte Angst vor dem großen Mann, der ihre blonden Haare nicht mochte und verlangte, dass sie ihr Haar mit dunklem Öl einrieb, damit es nachdunkelt. Sie fand die Prozedur furchtbar, das Öl stank und klebte und sie fühlte sich schlecht behandelt. Im Winter wohnte man in Augsburg, die Sommer wurden am Starnberger See verbracht und sie besaßen eine eigene Berghütte. Das Idyll wurde im Jahre 1891 getrübt als Henriette an Unterleibskrebs erkrankte und diesem bereits am 12. November des gleichen Jahres erlag.
Sammlung Petra Herzberg
Louis heiratete nach dem Trauerjahr um seine geliebte Henriette ein Jahr später in München die Balletteuse des Hoftheaters, Antonie Barth. Antonie war 40 Jahre jünger als Louis. Da auch sie eine Bürgerliche war, wurde sie von Prinzregent Luitpold in denAdelsstand erhoben. Am 11. Juli 1913 nach 21 Jahren Ehe wurde die Ehe jedoch kinderlos wieder geschieden.
Im kalten November, am 6. November im Jahre 1920 starb Ludwig hochbetagt im 89. Lebensjahr nach einer Herzlähmung. Er wurde auf dem Münchner Ostfriedhof (Grab M-li-251/253) begraben. Da er zweimal bürgerlich geheiratet hatte, wurde ihm als letzte Ruhestätte die Herzogsgruft in Tegernsee verwehrt.
Gackel – Der Lieblingsbruder
Carl Theodor Herzog in Bayern, geboren am 9. August 1839 in Possenhofen war der Lieblingsbruder von Sisi. Sisi ließ sich ein paar Mal mit ihm zusammen im Fotostudio Ludwig Angerer in Wien fotografieren. Eine Ehre, die nichtmal ihrem Gemahl, Kaiser Franz Joseph gewährt wurde. Carl Theodor wurde in der Familie stets Gakl bzw. Gackel gerufen. Woher dieser Spitzname kam, ist nicht bekannt.
Eine lustige Anekdote ist erhalten geblieben, die ihn und seine jüngste Schwester Mathilde alias „Spatz“ zum Inhalt hat. Mutter Ludovika schrieb einmal ein etwas verwirrendes Telegramm nach Bad Ischl, wo sie ihre und der Kinder Ankunft meldete: „Kaiserin Elisabeth – Komme mit Gackel und Spatz – Ludovika“. Der Postbeamte kannte aber die Spitznamen nicht. Er schickte das Telegramm nicht an Sisi, sondern an das Hotel Kaiserin Elisabeth. Pflichtbewusst wurde von dort ein Diener zum Bahnhof geschickt, dieser trug zwei Käfige mit sich, um die vermeidlichen zwei Vögel darin zu transportieren ……
Carl Theodor wuchs zu einem sehr attraktiven, schlanken und hochgewachsenen sportlichen Mann heran. Man sah ihn oft am Starnberger See im Anzug und mit einer ihn sehr kleidenden Melone auf dem Kopf zu Pferde oder mit seiner Mutter Ludovika und deren geliebte Spitze spazieren gehen.
Mit 14 Jahren trat Gackel in die Bayerische Armee ein, wie es im Herzogshaus üblich war und wurde als exzellenter Reiter schnell General der Kavallerie. Er nahm 1870/71 im Stab des sächsischen Herzogs am Deutsch-Französischen Krieg teil. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst entschied er sich für ein Studium, zunächst in den Fächern Philosophie, Jura und Nationalökonomie.
Erste Liebe und Ehe
In erster Ehe war Herzog Carl Theodor mit seiner Cousine 1. und 3. Grades Prinzessin Sophie von Sachsen (1845–1867) die er bis zu ihrem viel zu frühen Tod abgöttisch liebte, verheiratet. Die Hochzeit fand am 11. Februar 1865 statt. Ihre Tochter Amelie Maria kam am 24. Dezember 1865 auf die Welt, die 1892 Herzog Wilhelm von Urach heiratete. Amelie wurde eine gute Freundin der jüngsten Tochter von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, Erzherzogin Marie-Valerie. Sie schrieb viel Tagebuch und war die Lieblingsenkelin von Herzogin Ludovika. Durch ihre Aufzeichnungen sind sehr viele Erinnerungen an ihre Großmama überliefert*.
Völlig hilflos musste Gackel 1867 mit ansehen, wie Sophie mit nur 22 Jahren an einer ernsten Infektion der Atemwege starb. Er war fassungslos und so tief erschüttert, dass er nicht zu ihrer Beerdigung kommen konnte, aus Angst völlig zusammenzubrechen. Er trat aus dem aktiven Heeresdienst aus und überlegte was er tun konnte um sich abzulenken und wieder Sinn im Leben zu finden.
Eine neue Aufgabe in der Medizin
Der schmerzhafte Verlust seiner geliebten Frau und die Tatsache, ihr nicht helfen zu können, prägte ihn so sehr, dass er sich entschied,Medizin zu studieren. Diese Entscheidung stieß allerdings auf Verwunderung und Ablehnung. Prof Theodor von Bischoff soll sogar gesagt haben: „Ich nehme Sie, aber nicht weil Sie ein Prinz sind, sondern obwohl Sie das sind“. Carl Theodor legte mit vollem Eifer los.
Da Wien das Zentrum der modernen Medizin zu seiner Zeit war, studierte er dort ein paar Semester. Unter Carl Ferdinand von Arlt, der bis 1883 die Wiener Universitätsaugenklinik leitete, lernte Carl Theodor die Ursache der häufig vorkommenden Kurzsichtigkeit kennen und wie man die Star-Operation perfektionierte.
Bald ging er von Wien über Meran nach Zürich zu Johann Friedrich Horner. Von ihm übernahm der Pläne, jeden zweiten Patienten umsonst zu behandeln. Denn er wusste, dass die Armut die an Star erkrankten Menschen zu Invaliden werden ließ, da sie sich die OP finanziell nicht leisten konnten.
In zweiter Ehe heiratete Carl-Theodor nach einer dunklen Trauerzeit 7 Jahre später 1874 die Infantin Marie José von Portugal (1857–1943), Tochter von König Michael I. von Portugal. Mit ihr hatte er fünf Kinder: Sophie Adelheid (1875–1957), Elisabeth Gabriele (1876–1965), Marie Gabrielle (1878–1912), Ludwig Wilhelm (1884–1968) und Franz Joseph (1888–1912). 1875 wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt.
Im Herbst 1879 legte Carl Theodor sein Staatsexamen zum Dr. med. in München mit der höchsten Auszeichnung ab.
Zweite Hochzeit und Oberhaupt der Familie
Mit dem Tode des Vaters Herzog Max in Bayern im Jahre 1888 wurde Carl Theodor Chef des Hauses der Herzöge in Bayern, da sein älterer Bruder Louis wie wir bereits wissen, auf sein Erstgeborenen Recht verzichtet hatte. Von dem Geld aus dem Familienvermögen erwarb Carl Theodor in München 1895 zusammen mit seiner Frau Marie José ein Grundstück in der Nymphenburger Straße. Dort erbaute er eine eigene Augenklinik, die über 56 Betten verfügte und die noch immer existiert. Als Chef des Hauses bestimmte er zusammen mit Sophie Charlottes Ehemann, dem Herzog von Alençon, dass seine jüngere Schwester Sophie Charlotte in die private Nervenheilanstalt Maria Grün unter der Leitung von Prof. Dr. Richard Krafft-Ebing eingeliefert wurde. Sophie Charlotte hatte sich in einen bürgerlichen Arzt verliebt und war angeblich mit ihm durchgebrannt.
Carl Theodor war es aber selbst, der empfahl, dass sich Sophie an den Münchener Arzt Dr. Franz Joseph Sebastian Glaser wenden solle, da sie zu dem Zeitpunkt an schweren Depressionen und Kopfschmerzen litt. Keiner konnte ahnen wie gut der angeschlagenen Sophie Charlotte der Kontakt zu dem Arzt tat.
Die damals 40igjährige verliebte sich Hals über Kopf in den ein Jahr jüngeren Arzt. Franz Joseph Sebastian Glaser praktizierte als Gynäkologe, war Bürgerlicher und zudem verheiratet. Bereits in der Zeit als Sophie Charlotte mit König Ludwig II verlobt war und sich während Fotoaufnahmen in den sehr attraktiven Fotografen Edgar Hanfstaengl verliebte, musste sie diese Liebe zugunsten ihres Rufes und Abstammung aufgeben.
Aber diesmal wollte sie mit aller Kraft an ihr Glück glauben und Glaser nicht aufgeben. Doch am 8. Juni 1887 wurde sie von Meran, wo Carl Theodor sie hinkommen ließ, in das Privat-Sanatorium von Krafft-Ebling nach Graz gebracht, wo man ihre angeblichen sexuellen Abnormitäten mit Bädern in Eiswasser behandelte. Glaser jedoch hatte niemals vor, Sophie Charlotte zu heiraten und er kümmerte sich nicht um das Schicksal seiner einstigen Geliebten. Für ihn war sie nur ein Abenteuer. Sophie Charlotte musste 7 Monate in Maria Grün in Graz bleiben. Schließlich gab sie nach und versöhnte sich mit ihrem Ehemann. Sie fand langsam zurück ins Leben und widmete sich der Wohltätigkeit. Sie trat in den Dritten Orden der Dominikaner als Schwester Marie Madeleine ein. Am 4. Mai 1897 jedoch kam Sophie Charlotte in Paris tragisch bei einem Brand während eines Wohltätigkeitsbazars im Bazar de la Charité ums Leben. Sie hatte sich mit ihrem Bruder Carl Theodor nicht mehr versöhnt.
Seit 1895 war Herzog Carl Theodor namensgebender Regimentsinhaber des Königlich Bayerischen 3. Chevaulegers-Regiments „Herzog Karl Theodor“. Auch Bruder Max Emanuel diente eine Zeitlang in diesem Regiment. Das Regiment behielt diesen Namen auch nach dem Tod von Carl Theodor 1909 bis zu seiner Auflösung 1919. 1892 wurde die Karl-Theodor-Straße in München nach ihm benannt und 1909 verlieh ihm die Stadt München die Ehrenbürgerwürde. Zu der Zeit arbeitet er ohne Lohn zu verlangen im Krankenhaus in Tegernsee.
Seine Beliebtheit und Bekanntheit stieg stetig und man las sehr vorteilhaft über ihn in der Presse: Seine Frau ging völlig in der Arbeit ihres Mannes auf und assistierte ihm bei seinen Operationen. Carl Theodor veröffentlichte hochangesehene Werke über die Augenheilkunde, die auch heute noch, zum Teil im Original in Antiquariaten erhältlich sind. Herzog Carl Theodor verstarb im Jahr 1909 am 30. November mit 70 Jahren in Kreuth. Er wurde in der von ihm angelegten herzoglichen Familiengruft unter dem Altarraum der Tegernseer Kirche St. Quirin beigesetzt. Sohn Ludwig Wilhelm in Bayern folgte ihm als Chef des Hauses der Herzöge in Bayern.
Marie José überlebte ihren Mann um 30 Jahre und sorgte dafür dass sein Werk in seinem Sinne weitergeführt wurde. Vorausschauend richtete sie im Jahre 1917 eine Stiftung ein, um zu garantieren, dass die Klinik nach ihrem Tod weitergeführt werden konnte. Sie übernahm die Organisation, zog sogar die Schwesternkleidung an und schaffte einen eigenen Röntgenapparat an, den sie auch selbst bedienten konnte. Carl Theodor und Marie José haben trotz ihres Standes und Reichtums ihre ärmsten Mitmenschen nicht vergessen.
*nachzulesen im Buch „Erinnerungen an Grossmama“ von dem bekannten Münchener Historiker und Autor Christian Sepp im Allitera Verlag erschienen.
Mapperl - Der jüngste Spross
Maximilian Emanuel in Bayern war der jüngste Spross des Hauses und somit das zehnte Kind von Herzog Max und Herzogin Ludovika in Bayern. Er kam am 7.Dezember 1849 in München im Herzog-Max-Palais zur Welt. Er erhielt den Spitznamen „Mapperl“. Seine große lebenslange Leidenschaft war das Militär.
Max war ebenfalls ein sehr attraktiver Mann, nicht ganz so groß und schlank wie Louis und Carl Theodor, aber er hatte große Augen und blonde Locken. Eine Hofdame von Sisi beschrieb ihn in ihrem Tagebuch als bildschön, aber nicht besonders gescheit. 1865 wurde er Sekondeleutnant im 2. Ulanen-Regiment „König“ und nahm 1866 am Krieg gegen Preußen teil. Während der Schlacht bei Kissingen schwebte er laut den Aufzeichnungen seiner Mutter Herzogin Ludovika in Lebensgefahr.
Ab dem Jahre 1867 diente er im nach seinem Bruder Carl Theodor benannten 3. Chevaulegers-Regiment„Herzog Karl Theodor“. Mit dem Regiment kämpfte er während des Deutsch- Französischen Krieges bei Wörth, Beaumont, Orléans und der Belagerung von Paris. Von 1873 bis 1874 wurde Max Emanuel an die Kriegsakademie abkommandiert. Er absolvierte jedoch nur den 1. Lehrgang und verließ die Akademie wieder. Anschließend wurde er zum1.Ulanen-Regiment versetzt und wurde dort im Jahre 1875 zum Rittmeister befördert. Wie alle Herzogskinder war auch er ein sehr guter Reiter. Bereits im Jahr darauf wurde er Major und Eskadron-Chef im 1. Chevaulegers-Regiment „Kaiser Nikolaus von Russland“. Von dieser Funktion wurde Max Emanuel aus Gesundheitsgründen 1877 entbunden und à la Suite des Regiments gestellt. In den kommenden Jahren wurde er kontinuierlich weiter befördert und schließlich als Generalmajor im Jahre 1887 zum Kommandeur der Equitations-Anstalt in der Maximilian-II-Kaserne in München ernannt. 1889 wurde er Generalleutnant.
Herzog Max Emanuel in Bayern komponierte in zweiter Leidenschaft Klavierstücke. Sein Werk umfasst zwei kleine Klavierstücke und sechs Lieder „für eine mittlere Stimme mit Pianoforte Begleitung“. Diese Gabe scheint er von seinem Vater Max in Bayern geerbt zu haben, der den Spitznamen Zitter-Maxl trug, da er sogar mit seiner Zither auf Reisen ging. Seine Schwester Sophie-Charlotte hatte eine schöne Singstimme und begleitete ihn gesanglich oft am Piano
Als seine Schwester Sophie Charlotte den Herzog Ferdinand von Alençon-Orléans am 28. September 1868 in Possenhofen heiratete, lernte Mapperl auf der Hochzeit Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha (1848 – 1894) kennen und lieben. Sie war eine Cousine des Herzogs von Alençon, dem Bräutigam. Im Jahre 1875 heiratete Maximilian Emanuel im Schloss Ebenthal seine Amalie.
Diese Ehe kam mit Hilfe der kaiserlichen Schwester Sisi zustande. Da Amalie bereits Leopold von Bayern als Braut versprochen war, verkuppelte Elisabeth kurzerhand diesen mit ihrer zweitgeborenen Tochter Erzherzogin
Gisela und somit stand der Hochzeit von Mapperl und Amalie nichts mehr im Wege. Amalie hatte eine wunderbare Sing-Stimme und war ebenfalls für ihr schönes Klavierspiel bekannt. Herzogin Ludovika hatte von ihrer Mutter das Schloss Biederstein in der Nähe von München geerbt. Sie überschrieb es als Wohnsitz den Neuvermählten. Aus der Ehe gingen die Söhne Siegfried August (1876–1952), Christoph Joseph (1879–1963) und Luitpold Emanuel in Bayern(1890–1973) hervor.
Gemeinsam mit Amalie unternahm Max Emanuel 1881 eine Reise von Venedig nach Bozen führte, wo sie im künstlerisch-geselligen Defregger-Kreis verkehrten.
Im Juni 1893 hielten sich Max Emanuel und seine Gemahlin im bayerischen Feldafing im Hotel Kaiserin Elisabeth am Starnberger See auf, als es bei dem Herzog zu Magenbluten aufgrund eines Geschwürs kam, das auf einer Arterie saß und aufging. Er verblutete innerlich in den frühen Morgenstunden des 12. Juni 1893.
Mit nur 43 Jahren verstarb Max Emanuel völlig überraschend. Seine Frau war untröstlich und auch Schwester Sisi trauerte lang um ihren jüngsten Bruder. Er wurde in der herzoglichen Familiengruft unter dem Altarraum der Tegernseer Kirche St. Quirin beigesetzt. Amalie, seine Frau starb – vermutlich sogar an gebrochenem Herzen – mit 45 Jahren am 6. Mai 1894 in München.
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Über die Autorin:
Petra Herzbergs erste Passion ist die berühmte und beliebte Kaiserin Sisi und ihre Familie. Nicht nur, dass sie alle (deutschen) Bücher, die es zum Leben von Kaiserin Elisabeth und ihrem Mann Kaiser Franz Joseph gibt, gelesen hat, sie sammelt neben den Büchern auch Bilder, Fotos und Figuren rund um Kaiserin Elisabeth.
Gefragt, wann ihre Begeisterung für Kaiserin Sisi begann, erzählt sie dass sie das erste Buch über Sisi, die Biographie von Brigitte Hamann „Kaiserin wider Willen“ 1981 bei ihrer Großmutter entdeckte und verschlang. Danach hatte sie Feuer gefangen und las mehr zum Leben der faszinierenden Person Sisi. Sie begann die Bücher zu sammeln und ihre Leidenschaft hat sie bis heute auch an viele Stätten, wo die Kaiserin zeitweise lebte, hingeführt.
Ob nun ihr geliebtes Wien, wohin sie regelmäßig reist, Budapest oder auch Korfu. All das passiert –bis jetzt- aber in ihrer Freizeit. Beruflich ist sie seit vielen Jahren erfolgreich in der Bankenbranche tätig. Es gibt noch eine zweite Passion, die sie, aber das mehr zufällig, mit Kaiserin Sisi teilt: das Reiten, gerne auch im Damensattel, ihr Ausgleich vom Großstadtleben am Wochenende. Und wenn dann noch Zeit bleibt – dann sitzt sie an ihrem Buch. Ratet mal, zu welchem Thema…
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