Sisis Reisen – Flucht oder Abenteuer?

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ein Gastbeitrag von Petra Herzberg

„Unsere Kaiserin – Die Reiserin“ spotteten die Wiener, da sie ihre Kaiserin in Wien nur selten zu Gesicht bekamen. Immer auf der Flucht, immer weit weg von Wien. Aber wieso war das so? Man sollte doch meinen, sie hatte es gut als umsorgte Kaiserin, verheiratet mit der besten Partie des 19. Jahrhunderts, Kaiser Franz Joseph I von Österreich, in Daunen gebettet und von Personal umgeben, mit den schönsten Kleidern und Schmuck ausgestattet, in den schönsten Schlössern und Gärten lustwandelnd ….. nein, dies alles wollte sie gar nicht. Sie war die Kaiserin wider Willen, die freiheitsliebende Rebellin, die Un-Kaiserin, die seltsame Frau ….

Sisi’s Vater, Herzog Max in Bayern, legte ihr das Reise-Gen bereits in die Wiege. Sie begann intensiv zu reisen, als sie bereits Kaiserin von Österreich war. Als junges Mädchen hatte sie ihren Vater selten für sich, denn wenn er zu Hause war, dann nur kurz, um die nächste Reise vorzubereiten. Ständig befand er sich auf Reisen, er spielte sogar Zitter auf der Cheops Pyramide in Ägypten Die sehnsüchtige Tochter blickte ihm wehmütig nach, wenn er sein Pferd bestieg und schwor sich, so zu werden wie er. Er wollte und konnte sie nicht mitnehmen, auch wenn sie darum bettelte, denn ihre Aufgabe war es zur Dame erzogen zu werden, damit sie gut verheiratet werden konnte, denn das war im 19. Jahrhundert sehr wichtig für ein junges Mädchen.

Im 19. Jahrhundert war eine Reise noch ein echtes Abenteuer, mühsam, langsam, teuer, gefährlich und voller Beeinträchtigungen. Dennoch lockten ferne Länder mutige Abenteurer, Ganoven, Draufgänger, Forscher und natürlich auch den Adel in die entlegensten Ecken unseres Planeten. Viele verunglückten, wurden verschleppt oder kamen mit Malaria und sonstigen Krankheiten oder halb verhungert zurück – wenn sie überhaupt zurückkamen. Aber sie brachten auch neue Gewürze, Tiere, Pflanzen, Seide, Gold, Edelsteine und neues Wissen mit nach Europa. Gerade in Wien wirkten geniale Forscher und Ärzte, wie z.B. der Nervenarzt Sigmund Freud. Hier wurde geforscht und experimentiert, gesammelt und die Exponate in großen Ausstellungen, Wanderzirkussen oder auch in Hinterhöfen gezeigt.

Kaum war Sisi Kaiserin von Österreich, fühlte sie sich wie in einem Kerker mit Fesseln an Händen und Füssen. Die Freiheit der unbeschwerten Kindertage am Starnberger See und in München, reitend, schwimmend und bergsteigend, war vorbei und stattdessen musste sie sich dem strengen Zeremoniell der Spanischen Hofetikette am Wiener Hof unterwerfen. Ihre erste Pflicht als Kaiserin war es für Nachkommen zu sorgen und so kamen in den ersten Ehejahren drei Kinder auf die Welt, wovon die Erstgeborene, die kleine Sophie mit drei Jahren an der Ruhr erkrankte und starb.

Gisela und Rudolf wurden von Erzherzogin Sophie, ihrer Schwiegermutter, erzogen. Rebellisch wie Sisi war, lehnte sie sich dagegen auf und als das nichts nutzte, wurde sie einfach krank. Man weiß bis heute nicht genau, ob ihre Lungenkrankheit vorgetäuscht war oder ob es wirklich gesundheitlich schlimm um sie stand.

Die Ärzte schickten sie sofort in ein wärmeres Klima, nämlich auf die Blumeninsel im Atlantik, Madeira und das war ihr sehr recht. Dort – weit weg von Wien und ihrer verhassten Schwiegermutter, den eiskalten Wintern und der Enge der Hofburg – fühlte sie sich sofort wohl und vor allem frei.

Der Husten verschwand und sie kehrte gestärkt, erwachsen und bildschön nach Wien zurück, erblüht zur schönsten Kaiserin jener Zeit und bot jedem die Stirn, der sich ihren Wünschen und Freiheiten widersetzte – auch ihrem Mann und vor allem Sophie.

Sisi liebte das Reisen. Sie empfand es als Befreiung, nutzte es zur Bildung und für ihre Gesundheit und die ihrer jüngsten Tochter Marie Valerie. Durch die Erfindung der Dampfmaschine und den rasanten Ausbau des Eisenbahnnetzes in Europa in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Reisen einfacher und zu ihrem Ausdruck eines völlig neuen Lebensgefühls. Sie besaß einen eigenen sehr luxuriös ausgestatteten Eisenbahnwagon, der einfach an andere Züge angekoppelt werden konnte. In dieser Zeit entstanden die großen Kurhotels für ein zahlungskräftiges Publikum und es wurde „in“ auf Kur zu gehen. Sisi mietete meist ein ganzes Hotelstockwerk für sich und ihr Gefolge. Sie legte dabei großen Wert auf ihr Inkognito und benutzte einen ihrer unzähligen Titel, meist den der Gräfin Hohenembs aber auch Frau Tolna, Frau Megaliostos oder Mrs. Nicholson. Einmal vertraute sie ihrer Hofdame an „Wenn nicht die Reise zwischen zwei Orten dazwischenläge, ich würde umkommen. Nichts ist schlimmer, als am gleichen Fleck bleiben zu müssen“.

Nach dem Tod ihres Sohnes, Kronprinz Rudolf 1889 befand sie sich jahrelang fast ununterbrochen auf Reisen, selbst der Kaiser wusste oft nicht wo sie war und schickte ihr sehnsüchtige Briefe postlagernd hinterher. „Ahasver soll ein Stubenhocker neben mir sein“, sagte sie zu ihrer Hofdame. (Anm.: Ahasver ist eine Figur aus der christlichen Mythologie, ein Jude, der zum ewigen Reisen verdammt war. Die Erzählungen thematisieren ursprünglich einen Menschen unbekannter Herkunft, der Jesus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottete und dafür verflucht wurde, unsterblich durch die Welt wandern zu müssen.) Doch Sisi langweilte sich schnell und brach die Zelte schnell wieder ab, um ins nächste Land zu flüchten, vor sich selbst und vor dem Zahn der Zeit, der ihre Haut verschrumpeln und ihre Knochen müde werden ließ.

So befand sie sich auch auf Reisen, an jenem tragischen 10. September 1898, welcher der letzte Tag ihres Lebens werden sollte. Zu ihrer Hofdame hatte sie ein paar Tage vorher noch gesagt“ Ich möchte dieser Welt entschwinden wie der Vogel, der auffliegt und im Äther verschwindet, oder wie der aufsteigende Rauch, der hier vor unseren Augen blaut und im nächsten Augenblicke nicht mehr ist“.

Hier eine kleine Reise-Übersicht zu ihren wichtigsten Aufenthalten. Natürlich waren es noch viele mehr, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Wer detailliert wissen möchte, wo die Kaiserin überall war, kann dies z.B. in Brigitte Hamann’s Buch „Sissi – Stationen ihres Lebens“ nachlesen.

Madeira

Aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Zustands im Herbst 1860 verordneten die Wiener Ärzte der Kaiserin einen Kuraufenthalt in südlichen Ländern und sie wählte Madeira. Kaum stand sie auf dem Schiff in Richtung Süden ging es ihr schon viel besser. Die Villa Quinta Vigia, etwas außerhalb von Funchal, war für sie vorbereitet. Dorthin zog sie sich zurück, weinte zunächst noch viel und wollte niemanden sehen. Sie ging allein spazieren oder machte kleine Ausritte in die Umgebung. Später begann sie zu musizieren und als ihre Schwester Helene zu Besuch kam, war sie heiter und ausgelassen.

Einer ihrer Kavaliere, der Ungar Imre Graf von Hunyady machte ihr den Hof und sie genoss die Aufmerksamkeit. Die Schwärmerei des jungen Manns aber war so offensichtlich, dass er zurück nach Wien geordert wurde. Nachdem es Sisi besser ging und der Kaiser in Wien ungeduldig auf sie wartete, betrat sie am 28. Februar 1861 das Schiff zurück nach Europa. Doch sie verlängerte ihre Auszeit noch und reiste erst über Venedig – wo sie zum ersten Mal ihre Kinder wiedersehen durfte – über Possenhofen zurück nach Wien. Doch schon ein paar Wochen später ging es ihr schon wieder so schlecht, dass die Ärzte wiederum keine andere Möglichkeit sahen und einen erneuten Aufenthalt in einem warmen Land empfahlen. Diesmal wählte sie Korfu.

Korfu

Sisi und Korfu verband eine lange Liebe. Die Insel im Ionischen Meer hatte alles wovon sie träumte: Ruhe, das Meer, ein schönes Licht und es lag weit genug von Wien entfernt. Seitdem Sisi am 15. Mai 1861 zum ersten Mal auf der Rückreise von Madeira auf die Insel kam, war sie von dem Zauber Korfus gefangen. Sie wohnte in der Villa Braila hoch auf einem Hügel. Doch erst 1888 konnte es erworben und umgebaut werden. Sisi ließ die Villa ganz nach ihren Wünschen umbauen und nannte sie Achilleion, ihrem vergötterten Gott Achilles zu Ehren. Sie lernte Neu- und Altgriechisch, richtete ihr Schloss mit Skulpturen, Bildern und Möbeln ein, die man heute noch besichtigen kann bzw. die nach und nach zurückgekauft werden. 1891 wurde es fertiggestellt und hatte ein Vermögen gekostet. Doch schon 1892 begann das Achilleion Sisi zu langweilen und sie dachte über einen Verkauf nach.

1896 besuchte Sisi zum letzten Mal Korfu. Der Garten und die Bäume erschienen ihr schwach und sie glaubte nicht, dass die Bäume jemals Schatten werfen sollten. Sie konnte sich auch nicht mehr an den üppig blühenden Rosen erfreuen. Die Sonne des Achilleions war im Niedergehen. Nach dem Tod der Kaiserin 1898 ging es in Erbfolge an ihre ältere Tochter Gisela, die aber nichts damit anfangen konnte und es später an Kaiser Wilhelm II verkaufte, der es gern und oft nutzte und dessen Schreibtisch mit dem Sattelstuhl heute noch erhalten ist.

Die Villa kann besichtigt werden und zieht Massen von Touristen an. Die griechische Regierung ist sehr daran interessiert, es detailgetreu restauriert und mit Originalmöbel dem interessierten Publikum so zeigen zu können, wie sie zu Sisi’s Zeiten ausgesehen hatte. Im Garten stehen 2 bedeutende  Marmorfiguren, einmal die des sterbenden Achill mit dem Pfeil in der Ferse, erschaffen vom Berliner Bildhauer Ernst Gustav Herter. Eine zweite Bronzefigur zeigt den siegreichen Achilles hoch thronend vor der Villa mit Blick über dem Meer. Diese Bronze wurde von Kaiser Franz Joseph in Auftrag gegeben und ist ein Werk des deutschen Bildhauers Johannes Götz.

Auf der Terrasse umgeben von den Plastiken des Apollo und den neun Musen, die die Kaiserin aus der Villa Borghese angekauft hatte, erreichte Sisi 1889 die Schreckensnachricht, dass ihr Sohn, Kronprinz Rudolf am 29.1.1889 in Mayerling Selbstmord verübt hatte und seine Geliebte Mary Vetsera mit in den Tod gerissen hatte. Seitdem trug die Kaiserin nur noch schwarz, verschenkte all ihre schönen Kleider und ihren sagenhaften Schmuck und kam nur noch selten zurück nach Wien. In ihrer Villa schrieb sie Gedichte, übersetzte Shakespeare, lernte Neu- und Altgriechisch. Sie machte einige Schiffsreisen zu weiteren griechischen Inseln, nach Algier und Ägypten. Sie empfing so gut wie keinen Besuch und schlug die Einladungen anderer Königshäuser aus. Sie wollte allein und in ihrem Schmerz gefangen sein. Natürlich war sie nicht allein, denn sie hatte ihre Hofdame, Irma Gräfin Sztaray bei sich, der wir das Buch „Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elilsabeth“ zu verdanken haben. Außerdem ihren griechischen Vorleser Constantin Chistomanos, ihre Friseuse Fanny Feifalik und weitere Bedienstete. Dem Kaiser in Wien schrieb sie täglich Briefe und er schrieb ihr sehnsüchtig zurück. Selten hatte er Zeit um auf einen Besuch vorbeizukommen.

Ungarn

Sisi liebe die freiheitsliebenden Ungarn, deren Feste, die feurigen Pferde und die Puszta. Schon früh lerne sie ungarisch mit ihrem Lehrer Johann Mailath (1786-1855). Ihre Schwiegermutter hasste alles was ungarisch war. War es doch ein Ungar, Janos Libenyi, der 1853 mit einem Küchenmesser auf der Bastei am Kärtnertor in Wien ein vereiteltes Attentat auf ihren Sohn verübte. Sisi sprach vorzugsweise ungarisch und beherrschte es im Laufe der Zeit nahezu perfekt. Auch wollte sie sich nur mit ungarischen Hofdamen umgeben, ihrer Schwiegermutter zum Trotz, die kein ungarisch verstand.

In die Politik mischte sich Sisi nur ein einziges Mal ein und zwar mit Erfolg. Ihre Interventionen führen 1867 zum Ausgleich Österreichs mit Ungarn und fanden in der Krönung Kaiser Franz Josephs zum König von Ungarn im Juni ihren Höhepunkt. Sisi wurde am gleichen Tag zur Königin von Ungarn gekrönt. Kein anderer als ihr langjähriger Freund, der ungarische Ministerpräsident Julius Andrassy hielt ihr die Krone an die Schulter. Die Ungarn schenkten ihr zum Dank für den Ausgleich das Schloss Gödöllö, 20 km vor Budapest und sie verbrachte viele Wochen im Jahr in diesem wunderschönen Jagdschloss.

Dort ritt sie Jagden und empfing die Menschen, die sie mochte und die sie faszinierten, oft waren das Musiker, Zigeuner und verwegene Reiter, ein Schreck für die Schwiegermutter und den Hof. Die Gerüchteküche brodelte, da man ihr ein Verhältnis mit Andrassy anhängen wollte. Als sie 1868 der kleinen Marie Valerie in Budapest das Leben schenkte, tuschelte man in in jeder Ecke Wiens über die Vaterschaft. Dieses kleine Mädchen aber sah Franz Joseph wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich und er war zweifelsohne der Vater. Sisi war in ihrem ganzen Leben körperlich nie untreu gewesen, ganz im Gegenteil zu ihrem Ehemann, der viele Verhältnisse hatte und auch uneheliche Kinder, vor allem mit seiner Geliebten Anna Nahowski.

Zum ersten Mal kam Sisi 1857 nach Ungarn, die Reise musste jedoch aufgrund des Todes der erstgeborenen Tochter, Sophie abgebrochen werden. 1866 folgte dann ein erneuter Besuch und zwischen 1868 und 1870 verbrachte sie einen Großteil des Jahres in Budapest und Gödöllö. 1896 zur Tausendjahrfeier, dem „Millenium“ war Sisi zum letzten Mal in Ungarn. Die Ungarn verehrten Sisi als ihr „guter Engel“ und an vielen Plätzen und Städten findet man heute noch ihre Statuen und Denkmäler. Auch Schloss Gödöllö ist wunderschön restauriert und im Garten liegen sogar 2 von Sisi’s grossen Hunden begraben. Die Grabplatten sind heute noch zu sehen.

Irland/England

Nachdem ihr die Pferde in Ungarn und Österreich für die Jagden alle zu langsam waren und sie von den schnellen Pferden und verwegenen Jagden in Irland und England hörte, beschloß sie dort ebenfalls reiten zu wollen. Sie kam 1874 zum ersten Mal nach England auf die Insel Wight. Sie schob für diese Reise den angegriffenen Gesundheitszustand ihrer jüngsten Tochter Marie Valerie vor. 1876 begann sie sich komplett der Jagdreiterei hinzugeben. Easton Neston wurde für sie gemietet. Lord Spencer war eine wichtige Hilfe bei der Organisation der Reisen. Der Stammsitz der Familie ist Schloß Althorp, in der Nähe von Easton Neston. Lord Spencer war es auch, der Sisi mit Captain „Bay“ Middleton bekannt machte und ihn ihr als Reitpilot an die Seite stellte. „Bay“ Middleton war davon nicht begeistert, war jedoch nach dem ersten gemeinsamen Ritt von der Reitkunst der Kaiserin derart angetan, dass sich eine jahrelange enge Freundschaft entwickelte (siehe auch mein ausführlicher Artikel über Sisi’s Reitkunst und die Geschichte des Damensattels). Lord Spencer ist ein direkter Vorfahr von Lady Diana. Ist es da nicht verwunderlich, dass Sisi’s Leben gern mit dem Schicksal von Lady Di in engen Zusammenhang gebracht wird?

Die Reiterei in Irland ist noch eine Spur gefährlicher als in England. Es sind auf den Jagden Gräben und vor allem die Irish Banks zu überwinden. Hier muss das Pferd auf den Wall aufspringen und wieder herunter, meist lauerte dahinter noch ein tiefer Graben, den die Pferde oft übersahen und hineinfielen. Es gab natürlich viele Unfälle und Knochenbrüche, aber die Kaiserin hatte so wunderbare Pferde, die alles sicher sprangen und sie unbeschadet ins Ziel trugen. 1882 gab die Kaiserin das Reiten auf, dies hatte auch damit zu tun, dass „Bay“ seine Charlotte heiratete und ihr dadurch nicht mehr als Pilot zur Verfügung stand. Vielleicht war es auch gekränkter Stolz, dass er sich einer anderen Dame zuwandte…Mehr über Sisis Reitkünste und das Damenreiten erfahrt Ihr übrigens in diesem Artikel.

Gesundheitlich schlug ihr das exzessive Reiten und ihre Diäten auf die Gelenke und plötzlich hatte sie Angst auf ein Pferd zu steigen. Sie löste ihre Stallungen auf und verkaufte die schönen, treuen Pferde bis auf ein paar wenige. Auch verbot sie Marie Valerie auf ein Pferd zu steigen, aus übertriebener Furcht, es könne ihrer „Einzigen“ etwas zustoßen.

München/Possenhofen/Bad Ischl

In München an Heiligabend 1837 geboren, wuchs Sisi im Sommer in Possenhofen auf und verbrachte insgesamt 24 Sommer in ihrem geliebten ‚Possi‘ bei ihrer Familie. Als Kaiserin wohnte sie stets im ehemaligen Hotel Strauch in Feldafing, welches heute „Golf Hotel Kaisern Elisabeth“ heißt. Während sie dort residierte, war das Hotel für andere Gäste geschlossen. Ihr Gefolge bestand aus ca. 50 Personen, Pferde und Kühe wurden mitgeführt und mussten untergebracht werden. Sisi liebte frische Kuhmilch und wählte die Kühe nach dem Geschmack ihrer Milch aus. Sie badete gern im Starnberger See, ritt aus und machte Bergtouren.

Wenn sie in München war, besuchte sie gern das Hofbräuhaus und trank mit Genuss ein Münchener Bier, während sich ihre Hofdame sich vor dem bitteren Getränk schüttelte. Auch traf sie sich mit ihrem Cousin, König Ludwig II auf der Roseninsel im Starnberger See. Sie turnte und focht, machte Bootsausflüge und unternahm Wanderungen, z.B. gern nach Kloster Andechs, um dort das berühmte Bier zu trinken. 1894 war sie zum letzten Mal in Feldafing.

In Bad Ischl verbrachte die Kaiserfamilie seit je her die Sommerfrische. Kaiser Franz Joseph und Sisi verlobten sich dort und Erzherzogin Sophie schenkte ihnen die Kaiservilla, die sie umbauen ließ. Die Gebäude wurden zu Ehren von Sisi wie ein E – Elisabeth – angelegt. Franz Joseph ging dort viele Jahre auf die Jagd und Sisi begleitete ihn in den ersten Ehejahren. Sie liebte das Bergsteigen und kletterte schon frühmorgens gern auf den Hausberg von Bad Ischl, „Jainzen“, den sie auch ihren „Zauberberg“ nannte. Die Konditorei Zauner, die es heute noch gibt, wurde von ihr oft besucht und sie naschte dort gern Leckereien und vergaß für einen Augenblick ihre Diäten.

Frankreich und Italien

Auf der Halbinsel Cap Martin an der Cote d’Azur in Südfrankreich war Sisi viermal zwischen 1894 und 1897. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt gerade von Korfu löste, wurde die französische und italienische Rivera ihr bevorzugtes Reisegebiet. Natürlich kam sie wegen des reizarmen warmen Klimas und der wunderschönen Landschaft und um ihre angeschlagene Gesundheit zu kurieren. Auch Franz Joseph fand manchmal Zeit, seine Frau für ein paar wenige Tage zu besuchen.

1875 kam Sisi zum Reiten nach Schloss Sassetout. Zu diesem Zeitpunkt starb Ex-Kaiser Ferdinand kinderlos und dessen riesiges Vermögen floss Kaiser Franz Joseph zu, der sofort die Apanage für seine Frau auf 300.000 Gulden anhob. Somit spielten die Reisen keine Frage des Geldes mehr. In Sassetout war es auch, wo die Kaiserin einen schweren Reitunfall hatte, von dem sie sich zwar schnell erholte, aber eine ominöse Gräfin Zanardi Landi behauptete 1914 in ihren Memoiren, der Reitunfall sei nur vorgetäuscht und in Wirklichkeit habe die Kaiserin, ihr, der Gräfin das Leben geschenkt……

Sisi liebte Venedig und Triest. Venedig gehörte einst zum österreichischen Kaisertum, jedoch mussten diese Besitzungen 1866 nach der verlorenen Schlacht von Königgrätz abgegeben werden und läuteten das Ende der Habsburger Herrschaft in Venedig ein. Bereits schon 1856 bei ihrem ersten Besuch in Venedig und Mailand spürte Sisi die Kälte der Bevölkerung.

Franz Josephs Bruder, Erzherzog Maximilian, der Lieblingssohn von Erzherzogin Sophie residierte seit 1854 als Chef der österreichischen Marine im Schloss Miramare, er war mit der zauberhaften aber ehrgeizigen Charlotte von Belgien verheiratet, die unbedingt Kaiserin werden wollte. Auf Vermittlung und Drängen Frankreichs entschließt sich Max die ihm angebotene Kaiserkrone in Mexiko anzunehmen. Im April 1864 verlässt Max Triest Richtung Mexiko, doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Endlich Kaiserin geworden, muss Charlotte fassungslos erkennen, dass Frankreich ihren Mann fallen lässt, all ihre Bemühungen umsonst waren und sie nicht verhindern kann, dass ihr Mann am 19. Juni 1867 von den Truppen von Benito Jurarez wegen Hochverrats erschossen wird. Erzherzogin Sophie kommt nie über den Tod ihres Sohnes hinweg, erkrankt schließlich und stirbt. Charlotte wird sehr alt, aber verbringt den Rest ihres Lebens in geistiger Umnachtung. Sisi nutzt Miramare gern als Zwischenstation für ihre Seereisen nach Korfu. Sie kam 1861 zum ersten Mal nach Triest und sah das Schloss Miramare im November 1887 zum letzten Mal. Heute kann es besichtigt werden und einige Möbel und Statuen sowie Gemälde der Kaiserin sind dort ausgestellt.

Auch Meran im italienischen Südtirol war ein bevorzugter Reiseort, den Sisi oft besuchte. Sie wohnte im Schloss Trautmannsdorf und liebte die Spaziergänge in seinen Terrassengärten. Ein kleiner Museumsraum erinnert heute mit einigen Ausstellungstücken, wie einen ihrer wunderschönen Sonnenschirme an ihre Aufenthalte und in Merans Kurpark steht eine Mamorstatue der sitzenden Kaiserin von Hermann Klotz (* 11. Juni 1850 in Imst; † 6. März 1932 in Dornbirn). Es gibt einen Sisi Wanderweg, der ihr zu Ehren erhalten ist und jedes Jahr viele Tausend Touristen anzieht.

Bad Nauheim und Genf, die letzte Reise

Bad Nauheim besuchte Sisi vom 16. Juli bis 29. August 1898 um eine Kur für ihr schwaches Herz zu machen. Sie wohnte damals in der Villa Kracht, die es heute nicht mehr gibt. Irma Gräfin Stzaray beschrieb Bad Nauheim als heiß, staubig und schrecklich langweilig. Doch die Kur schlug bei der Kaiserin gut an und sie konnte wieder ausgedehnte Wanderungen machen.

Von Bad Nauheim reiste sie dann weiter nach Territet und Genf in die Schweiz, wo sie auf ihren Mörder Luigi Luccheni traf.

Sisi liebte die Schweizer Berge und Seen. Sie kam 1867 zum ersten Mal nach Zürich, um ihre jüngere Schwester Mathilde Gräfin Trani zu besuchen, die eine Tochter bekommen hatte. Dort wohnte sie im renommierten „Hotel Baur au Lac“. Sie besuchte 1892 einmal Luzern sowie Interlaken. 1893 kam sie dann an den Genfer See, um Montreaux zu sehen. Sie wohnte im „Grand Hotel Territet“, wo Franz Joseph sie am 28. Februar besuchte. Sie wanderte z.B. nach Montfleury und auch alpin mit ihrem Bergführer Auguste Dufaux. 1897 und 1898 kam sie erneut und benutze die Zahnradbahn auf den Rochers de Naye. Kurz ging es zurück nach Kissingen aufgrund des schlechten Wetters, Ende August nach ihrer Kur in Bad Nauheim dann erneut an den Genfer See. Sie traf am 30. August in Territet ein und logierte im neugebauten „Grand Hotel Caux“.

Einen Tag vor dem Attentat am 9. September 1898 besuchte Sisi die Baronin Julie Rothschild in Pregny, die für ihre Gärten und Volieren berühmt war. Sie verbrachten einen ausgelassenen Tag und tranken sogar Champagner, wie uns Irma Gräfin Sztaray in ihren Memorien hinterlassen hat. Die Bitte der Baronin, eine Fotografie anzufertigen, schlug Sisi jedoch aus, da sie sich geschworen hatte, sich nach ihrem 30igsten Lebensjahr nicht mehr fotografieren zu lassen. Es sind nur wenige zufällige Schnappschüsse erhalten. Die Nacht verbringt die Kaiserin im „Hotel Beau Rivage“.

Am nächsten Tag, dem unvergesslichen 10. September 1898 will sie das Schiff um 13 Uhr nach Caux nehmen, doch sie sollte ihr geliebtes Caux nicht mehr wiedersehen. Nur von Hofdame Irma begleitet, befand sie sich auf dem Weg zum Schiff, als sie auf ihren Mörder traf, den italienischen Anarchisten, Luigi Lucceni. Überliefert ist ihr Satz: „Ich möchte, dass meine Seele durch eine winzige Öffnung des Herzens zum Himmel fliegt“. Luccheni stach ihr am frühen Nachmittag eine selbstgebastelte Feile ins Herz – aus Wut über den reichen und satten Adel, da er selbst immer arm und hungrig war. Sie verblutete langsam innerlich und der Weg für ihre Seele durch diese kleine Öffnung war frei ……

Für alle Sisi-Fans: Gleichfalls von Gastautorin Petra Herzberg sind bereits die Artikel:

erschienen. Im ersten Artikel wird sie vorgestellt.

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